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Mittelstandsanleihe : Reiff im Konjunkturhoch

Reif(f)engeschäft Bild: dpa

Der Reifen- und Teilehändler Reiff hat sich von der Finanzkrise erholt und befindet sich im Konjunkturaufschwung. Mit einer angemessen gepreisten Anleihe soll nun ein großer Zukauf finanziert werden.

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          Der Markt für Mittelstandsanleihen wächst. Das bisher schon größte Segment, der Bond-M in Stuttgart soll Ende des Monats abermals Zuwachs erhalten, diesmal durch eine Anleihe des Autozubehör-Händlers Reiff im Volumen von 30 Millionen Euro.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Reiff ist Deutschlands größter unabhängiger Reifenhändler. Das Geschäft mit Reifen und Autotechnik, worunter der Wechsel von Verschleißteilen zu verstehen ist, erbrachte 2010 65 Prozent des Umsatzes von 379 Millionen Euro. 32 Prozent entfielen auf den technischen Handel mit Teilen und Komponenten vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau. Ein kleiner Geschäftsbereich ist derzeit noch die Elastomertechnik. Hier liefert Reiff überwiegend Dichtungen für Automobilindustrie und Medizintechnik.

          Emittentin mit Schwächen

          Emittentin der Anleihe ist indes nicht die Reiff-Gruppe, sondern die Albert Reiff GmbH & Co. KG. 1910 gegründet, ist sie die ursprüngliche Keimzelle des Konzerns und dessen Mutterunternehmen und befindet sich im Besitz der Familie Reiff als Kommanditisten sowie der Reiff Beteiligungs GmbH als persönlich haftender Gesellschafterin. Die Beteiligungs-GmbH ist wiederum in Besitz der Vorstände Eberhard und Hubert Reiff sowie deren Cousin Ernst Jacob-Wendler.

          Bild: F.A.Z.

          Diese macht selbst nur einen Umsatz von 4,2 Millionen Euro aus der Verpachtung von Anlagen an die Beteiligungsunternehmen. Dies bedeutete einen deutlichen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr von mehr als 75 Prozent und spiegelte die bessere Geschäftsentwicklung des Konzerns nach der Finanzkrise wider. Die Eigenkapitalquote ist indes seit 2008 deutlich von 38 auf rund 20 Prozent gefallen, vor allem weil die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen sprunghaft von 8,8 Millionen Euro Ende 2008 auf 29 Millionen Euro Ende 2010 anstiegen.

          Konzern auf gutem Weg

          Besser sieht es im Konzern aus. Nicht nur, dass das Jahr 2010 mit einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von mehr als 10 Millionen Euro eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren brachte. 2009 hatte ein Minus von 1,5 Millionen zu Buche gestanden, 2008 hatte der Gewinn nur eine Million Euro betragen. Auch der Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit erreichte mit 22,5 Millionen Euro wieder eine ansehnliche Höhe, blieb aber unter den 34 Millionen des Jahres 2008.

          Vor allem wies der Konzern 2010 gegenüber Finanzinstituten eine Nettovermögensposition aus. Allerdings liegt die Eigenkapitalquote bei 23,9 Prozent und ist damit zwar durchaus ausreichend, aber nicht unbedingt üppig. Die Analysten der Creditreform bewerten die Bonität des Unternehmens mit BBB- und damit am unteren Rande dessen, was als investmentwürdig gilt.

          Mit Akquisition auf neuem Niveau

          Den Erlös aus der Emission will Reiff dazu verwenden, Investitionen zu finanzieren. 5 Millionen sollen in den Ausbau der logistischen Infrastruktur fließen, 2,5 Millionen für die Unternehmensfinanzierung. Den Löwenanteil des Erlöses will Reiff mit 21 Millionen Euro allerdings zur Finanzierung der Übernahme von Europas größtem Motorradreifenhändler Reifen Krupp verwenden. Diesen eingeschlossen hätte der Umsatz 2010 500 Millionen Euro betragen.

          Derzeit befindet sich Reiff aber auch intern auf Wachstumskurs. Im ersten Quartal 2011 betrug der Umsatz 88,4 Millionen Euro und lag damit um 26 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Der operative Gewinn stieg von 0,9 auf 3,2 Millionen Euro. Reifen Krupp hätte zusätzlich noch einmal 26,8 Millionen Euro Umsatz beigesteuert.

          Anleihe passend gepreist

          Derzeit liegt das Unternehmen sehr gut in der Spur. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass das Geschäft konjunkturabhängig ist und damit schwächere Phasen wieder erleben wird. Wie sich die Verschuldung nach der Emission entwickeln wird, ist schwierig zu beurteilen, da die Vermögenssituation von Reifen Krupp dabei eine maßgebliche Rolle spielt.

          Mit einem Kupon von 7,25 Prozent kommt die Anleihe mit einem Aufschlag von 4,35 Prozentpunkten über dem Referenzzins der Banken. Sie ist damit etwas interessanter gepreist als die Anleihe von Nabaltec, das das gleiche Unternehmensrating hatte. Allerdings geschah die Nabaltec-Emission in einer Frühphase des Marktes.

          Gegenüber den der Anleihe des Autozulieferers Uniwheels nimmt sie sich insofern interessanter aus, als sie bei einem besseren Rating nur einen geringfügig niedrigeren Renditeaufschlag bietet.

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