https://www.faz.net/-gv6-8eyye

Anleihen : Im Süden locken drei Prozent

Lissabon - die Hauptstadt Portugals ist für Toruisten überaus lohnenswert. Wie sieht es aber mit portugiesischen Staatsanleihen aus? Bild: AFP

Mit Anleihen aus Südeuropa sind noch ein paar Zinsen zu verdienen. Portugal zahlt am meisten.

          Man muss in diesen Zeiten bescheiden sein. Für sichere Anleihen gibt es kaum mehr Zinsen. Die Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft gerade noch 0,2 Prozent Zinsen ab, bei mittleren und kurzen Fälligkeiten zahlen Anleger wegen negativer Zinsen sogar schon drauf. Etwas mehr Zinsen gibt es hingegen in Südeuropa.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am meisten unter den als solide geltenden Schuldnern (Fachleute sprechen von „Investment Grade“) bezahlt derzeit Portugal mit fast drei Prozent für Zehn-Jahres-Papiere. Im Februar waren es sogar kurzzeitig vier Prozent gewesen. Spanien bietet noch 1,5, Italien 1,3 Prozent. Noch mehr Zinsen gibt es im Euroraum von Zypern mit 3,8 und Griechenland mit 8,4 Prozent. Allerdings werden die beiden Letzteren von den Ratingagenturen nicht als solide Schuldner eingestuft. Vor allem Griechenland kämpft weiter mit hoher Verschuldung und hängt von internationalen Finanzhilfen ab.

          Zypern hingegen könnte eine Aufholjagd starten. Es hat gerade das Rettungsprogramm von EU und IWF beendet und wurde für seine Reformen gelobt. Hier könnten die Renditen in den kommenden Monaten sinken und den Anlegern damit Kursgewinne bescheren. Allerdings sind die Anleihen nicht sehr liquide und daher für Privatanleger schwer zu kaufen.

          Spanien dürfte politisch weiter instabil bleiben

          Leichter ist das mit Staatsanleihen aus Italien und Spanien. Sie eignen sich sogar zum kurzfristigen Spekulieren. Die Commerzbank hält Kursgewinne von bis zu vier Prozent bis Ende Juni für möglich - für Anleihen ist das sehr viel. Grund seien die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Der Zinsaufschlag zu den deutschen Papieren werde auf einen Prozentpunkt (Spanien) und 0,9 Prozentpunkte (Italien) fallen. Das bedeute im Gegenzug Kursgewinne. „Spanien und Italien sind in Südeuropa unsere Favoriten“, sagt Christoph Rieger, Leiter des Anleiheresearchs der Commerzbank. Bei spanischen Anleihen könnte der Kursanstieg leicht größer ausfallen als bei italienischen.

          Spanien dürfte zwar politisch weiter instabil bleiben, nachdem die Regierungsbildung seit Monaten scheitert und Katalonien jüngst seine Unabhängigkeitsbemühungen verstärkt hat. Im Frühsommer könnte es Neuwahlen geben, die aber vermutlich wieder keine klaren Mehrheiten ergeben werden. Das hat zum höheren Zinsaufschlag im Vergleich zu Bundesanleihen geführt. Wirtschaftlich entwickelt sich Spanien aber sehr gut. Das Land hat viele Reformen umgesetzt, die Wirtschaft wächst, was zu sinkenden Haushaltsdefiziten führen kann, was wiederum die Anleihekurse stützt. Vor diesem Hintergrund hat die schwierige Regierungsbildung auch Vorteile, weil sie bisher einen ausgabenfreudigen linken Ministerpräsidenten verhindert hat. Die alte sparsame Rajoy-Regierung ist weiter geschäftsführend im Amt.

          In Italien ist die Lage genau umgekehrt. Politisch sitzt Ministerpräsident Matteo Renzi fest im Sattel, aber die Wirtschaft wächst noch schwach, die Reformen waren zaghafter als in Spanien. Für beide Länder wird wichtig sein, dass die Briten im Juni für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stimmen. Im Falle eines Brexit hingegen käme große Unsicherheit in die Eurozone, was dazu führen würde, dass die Anleger sich auf Staatsanleihen aus sehr soliden Ländern konzentrieren würden.

          Portugiesische Staatsanleihen sind besonders riskant, was die höhere Verzinsung andeutet. Eine Bankenpleite belastet die Finanzlage des Staates, und die neue Linksregierung lässt befürchten, dass sie die Defizitvorgaben nicht so gut einhält wie ihre Vorgänger. Dadurch droht dem Land eventuell schon Ende April die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die kleine Ratingagentur DBRS. Sie ist die letzte, die Portugal noch den Status des soliden Schuldners gibt. Standard & Poor’s und Moody’s sehen das schon nicht mehr so.

          Portugiesische Staatsanleihen sind besonders riskant

          Würde die DBRS Portugal herunterstufen, dürfte die EZB keine Staatsanleihen des Landes mehr kaufen, weil sie das nur von soliden Schuldnern tun darf. Damit fiele ein Treiber für Kursgewinne weg. Zudem wären große professionelle Anleger aufgrund ihrer Vorschriften gezwungen, die Anleihen zu verkaufen oder sie zumindest mit mehr Kapital abzusichern. Das Land könnte Schwierigkeiten bekommen, an frisches Geld zu gelangen, sogar neue EU-Finanzhilfen könnten nötig werden. Erwartet wird das nicht, aber es ist eine Gefahr. Anleger sollten warten, bis die DBRS entschieden hat. Mutige, die nicht an einen Ausfall portugiesischer Staatsanleihen glauben, können dann einsteigen und die Papier bis zum Ende der Laufzeit halten.

          Auch die Anleihen großer Unternehmen aus Südeuropa wie Fiat, Telecom Italia, Enel oder Eni könnten interessant sein. Hier sind auch einmal mehr als vier Prozent Rendite drin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.