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Max-Planck-Institut : „Deutschland hat die Finanzkrise nicht aufgearbeitet“

Die Stabilität der Banken hat sich nach Hellwig nicht wesentlich verbessert Bild: dpa

Martin Hellwig, Präsident des Max-Planck-Instituts in Bonn, übt harte Kritik an Banken, Medien, Politik und Wissenschaft. Des Weiteren sei die Erhöhung der Zinsen durch die EZB heute gar keine Option mehr.

          Für Martin Hellwig hat sich die Stabilität der Banken nicht wesentlich verbessert. „Früher glich der Bankensektor einem Lastwagen, der mit 150 Stundenkilometer in einen Tunnel fährt. Heute gleicht der Bankensektor einem Lastwagen, der mit 140 Stundenkilometern in einen Tunnel fährt.“ Ja, durch die Regulierungen der vergangenen Jahre sei der Bankensektor sicherer geworden. Aber er sei noch längst nicht sicher.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Hellwig, Präsident des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, gehört zu den profiliertesten Ökonomen in Deutschland. Gemeinsam mit seiner amerikanischen Fachkollegin Anat Admati hat er das aufsehenerregende Buch „Des Bankers neue Kleider“ verfasst, in dem sich die Autoren für eine erheblich höhere Eigenkapitalausstattung der Banken aussprechen. Folgerichtig kritisierte Hellwig in einem Vortrag an der Frankfurter Goethe-Universität die derzeitigen Eigenkapitalanforderungen an Banken als unzureichend.

          Finanzkrise wurde nicht aufgearbeitet

          Generell zeigte sich Hellwig mit der Wahrnehmung der Finanzkrise sehr unzufrieden. In Deutschland, aber auch anderswo sei die Krise nicht aufgearbeitet worden. Der Ökonom kritisierte zu enge Verflechtungen zwischen den Banken und der Politik. Die Banken könnten sich heute nicht mehr erinnern, dass es eine Krise gegeben habe, und die Politik besitze ein Interesse an Banken, die reichlich mit billigem Geld versorgt seien. Generell konstatiert Hellwig eine zunehmende Macht von Gläubigern gegenüber der Politik, die zur Aushebelung des Haftungsprinzips führe: So sei der „Bail-out“ Griechenlands von der Politik nicht zuletzt zum Schutze deutscher und französischer Banken betrieben worden. Versagt haben nach Ansicht Hellwigs auch die Medien und die Wissenschaft in dem Bemühen, eine sachgerechte Aufarbeitung der Krise zu leisten.

          Die Regulierung der vergangenen Jahre betrachtet Hellwig als in Teilen unzureichend und in Teilen als abwegig. Große Defizite erkennt der Ökonom vor allem in der Regulierung international tätiger Banken, die Geschäfte in unterschiedlichen Jurisdiktionen betreiben. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin bezeichnete Hellwig als „Europameister im Einzäunen“. Er erinnerte daran, dass die Bafin während der Krise der deutschen Tochtergesellschaft der italienischen Großbank Unicredit untersagt hatte, der Muttergesellschaft Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Abwegig ist für Hellwig unter anderem das Deklarieren zyprischer Banken mit einer Bilanzsumme von 10 Milliarden Euro als systemrelevant.

          Die Lage in Europa schwierig

          Die Lage in Europa bezeichnete Hellwig als schwierig, weil das Risiko einer wirtschaftlichen Stagnation über 10 oder 20 Jahre bestehe. Als Ursachen nannte er hohe staatliche und private Schulden sowie Überkapazitäten im Bankensektor. Die geplante Bankenunion werde nicht alle Hoffnungen erfüllen, da das Band zwischen Banken und Politik eng bleibe und Regierungen Interesse an der Existenz schwacher Banken hätten, weil diese Zugang zu billigen EZB-Geldern besäßen.

          Hellwig denkt nicht, dass in der vergangenen Dekade frühere Zinserhöhungen von Fed und EZB die Krise vermieden hätten. Heute sei dies gar keine Option: „Wenn die EZB anfinge, die Zinsen zu erhöhen, dann gute Nacht.“

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