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Lyondell-Basell : Auf die Gläubiger kommen hohe Verluste zu

Lyondell-Basell: Größe schützt vor Konkurs nicht Bild: AP

Das Jahr fängt für Anleihegläubiger schlecht an. Nach dem irischen Luxusgüterkonzern Waterford Wedgwood hat nun auch Lyondell-Basell, der drittgrößte Chemiekonzern der Welt, Konkurs beantragt.

          Das Jahr beginnt für Gläubiger von Unternehmensanleihen nicht gut. Nachdem der irische Luxusgüterhersteller Waterford Wedgwood am Montag die Konkursverwalter bestellen musste, zeigt sich, dass 2009 zu dem Jahr werden könnte, in dem die Ausfallraten deutlich steigen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun hat ein weiterer angeschlagner Schuldner, der weltweit drittgrößte Chemiekonzern Lyondell-Basell in den Vereinigten Staaten Gläubigerschutz beantragt. Dies teilte der unter hohen Schulden ächzende niederländisch-amerikanische Konzern mit, nachdem er am Freitag bereits vorgewarnt hatte, diesen Schritt zu erwägen.

          80 Sparten betroffen

          Der Antrag nach Kapitel 11 des amerikanischen Insolvenzrechts umfasse fast 80 Sparten des Konzerns. Lyondell-Basell will seine Schulden neu ordnen wolle und dazu alle Möglichkeiten ausloten.
          Das Unternehmen stellt Kunststoffe her und betreibt zwei Raffinerien in den Vereinigten Staaten und Frankreich. Ein großes Werk in Deutschland gibt es in Wesseling bei Köln.

          Die niederländische Basell-Gruppe mit Hauptsitz in Rotterdam ging einst unter anderem aus den früheren Kunststoffsparten von BASF, Hoechst und Shell hervor. 2005 übernahm die vom russischstämmigen Investor Len Blavatnik kontrollierte Finanzholding Access Industries den Konzern. Im Dezember 2007 entstand durch die Übernahme der amerikanischen Lyondell der neue Konzern. Der Schritt kostete seinerzeit zwölf Milliarden Dollar.

          Fehlende Preissetzungsmacht in der Krise

          Nach Angaben der Rating-Agentur Standard & Poor's drückt den Konzern eine Schuldenlast von 26 Milliarden Dollar. 2005 wies Basell noch eine Bruttoverschuldung von 6,2 Millionen Euro und Lyondell von knapp 12 Milliarden Dollar aus.

          Lyondell-Basell kämpft vor allem in den Vereinigten Staaten mit einer eingebrochenen Nachfrage nach Petrochemie-Produkten. Die Produktion wurde bereits gedrosselt, nachdem Kunden im Dezember Bestellungen verschoben, um Läger abzubauen.

          Dem Unternehmen fehle es an Preissetzungsmacht, gleichzeitig seien die Mengen gefallen, beschreibt Gene Pisasale, Fondsmanager bei PNC Capital Advisors, die Situation. Gleichzeitig zeigten sich die Rohstoffpreise stark volatil, derweil die Lieferanten die Zahlungsbedingungen verschärften.

          Teure fremdfinanzierte Übernahmen

          Das Eigenkapital der Lyondell Chemical Company, einer der vom Konkursantrag betroffenen Gesellschaften sank schon 2007 drastisch um 85 Prozent. 2006 hatte Lyondell Chemical noch eine Eigenkapitalquote von knapp 19 Prozent ausgewiesen, Basell von rund 17 Prozent. Schon diese Finanzierungsbasis war nicht üppig gewesen. Ende 2007 betrug die Eigenkapitalquote von Lyondell-Basell nur noch 6,4 Prozent, zum 30. September 2008 waren es wieder etwas weniger.

          Der Konkursantrag verdeutlicht einmal mehr die langfristigen Risiken der Aktivitäten von Finanzinvestoren. Als Blavatnik im Jahr 2005 Basell übernahm, wurde der Kaufpreis von damals 4,4 Milliarden Euro zu 80 Prozent durch Fremdkapital finanziert, was die Rating-Agenturen damals veranlasste, ihre Bonitätseinschätzung um drei Stufen zu senken, so dass Basell erstmals ein spekulatives Rating erhielt.

          Mit aller Gewalt an die Spitze

          Mit der Übernahme von Lyondell rückte Basell unter die zehn führenden Chemiekonzerne auf. Mit dem fast Zwölffachen des operativen Ergebnisses zahlte man allerdings einen fürstlichen Preis, der etwa ein Fünftel über den Durchschnittsbewertungen von Chemiefirmen an der Börse lag.

          Die Übernahme erscheint zumindest rückblickend als Parforce-Ritt, war Basell doch zuvor mit geboten für die Kunststoffsparte von General Electric und die die Huntsman-Gruppe gescheitert. Im Sommer 2007 erschien vielen Beobachtern angesichts einer guten Chemiekonjunktur ein solches Vorgehen möglich, gleichwohl dem als stur und hitzköpfig geltenden Blavatnik schon damals „Besessenheit“ bescheinigt wurde.

          Überraschend schnell ins Desaster

          Doch schon im Dezember des gleichen Jahres musste Basell das ursprünglich für den Herbst vorgesehene 21 Milliarden Dollar umfassende Finanzierungspaket verschieben, mit dem über 80 Prozent des Kaufpreises fremdfinanziert wurden. Angesichts der schwachen Stellung des Unternehmens kommt der Konkurs nicht wirklich unerwartet. Indes überrasche die Schnelligkeit, so Kreditanalyst Andrew Bardy von Creditsights.

          Der Kurs der im August 2015 fälligen und mit 8,375 Prozent verzinsten Euro-Anleihe des Unternehmens, für die Lyondell-Basell bereits in Verzug ist, sank an der Frankfurter Börse am Dienstagnachmittag auf 8,25 Prozent. Außerbörslich wurde sie am Morgen mit Geldkursen von 2 Prozent gehandelt.

          Hohe Verluste erwartet

          Wenngleich das Ziel des Konkursantrags der Gläubigerschutz und damit die Umstrukturierung ist, so dürften die Verluste für die Anleiheinhaber hoch ausfallen. Während die Rating-Agentur Moody's von einem Ausfall von 94 Prozent ausgeht, wollte sich Standard & Poor's nicht festlegen. Der Wasserfall der Zahlungen sei angesichts der komplizierten Kapitalstruktur hochkomplex.

          Indes geht die Agentur von substantiellen Verlusten aus. Angesichts dessen erscheint selbst eine Spekulation auf die Einbringlichkeitsquote der Schulden gewagt (vgl. Unternehmensanleihen: Spekulationen mit Zahlungsausfällen).

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