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Liquiditätskrise : Anspannung am Geldmarkt nimmt wieder zu

  • -Aktualisiert am

Angesichts der Finanzkrise behalten Banken mehr Liquidität als sonst im Hause Bild: AP

Fehlendes Vertrauen lässt die Banken Liquidität vorhalten. Am Interbankenmarkt steigen die Preise für die Geldleihe deutlich über den Leitzins. Grund für die anhaltende Liquiditätskrise sind Befürchtungen, dass Banken mit weiteren Verlusten konfrontiert werden.

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          Die Zurückhaltung der Banken, sich gegenseitig mit Liquidität zu versorgen, spitzt sich täglich zu und hat zu einer neuen Anspannung am Geldmarkt geführt. Die Zinssätze für Tagesgeld, Zwei- und Dreimonatsgeld zogen in den vergangenen Tagen wieder deutlich an, weil Banken sich gegenseitig eine höhere Risikoprämie berechnen, gleichzeitig aber Liquidität im Hause behalten, um ihren eigenen Liquiditätsbedarf abzufedern.

          Da die Märkte geschlossen sind, an denen sich Banken über die Ausgabe von forderungsbesicherten Papieren refinanzieren können, sind immer mehr Banken auf Liquidität am Interbankenmarkt angewiesen. Dort jedoch wird Liquidität immer teurer, weil der Markt gegen Jahresende ohnehin etwas austrocknet und Banken angesichts der Finanzkrise mehr Liquidität als sonst im Hause behalten.

          Sorge, dass der Tiefpunkt noch nicht erlebt wurde

          Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) am heutigen Freitag über einen Langfrist-Tender 20 Milliarden Euro zusätzliche Liquidität in den Markt fließen lassen wird, liegen die Geldmarktsätze wieder deutlich über dem Leitzins der EZB von 4 Prozent. Der Tagesgeldsatz Eonia (European Overnight Index Average) liegt bei 4,083 Prozent. In London kletterte der Geldmarktsatz Euro-Libor für Geld per Jahresende sogar auf den höchsten Stand seit mehr als 6 Jahren. Viele Geldmarktsätze sind fast wieder so hoch wie zum Höhepunkt der Liquiditätskrise im September.

          Der Grund für die anhaltende Liquiditätskrise sind Befürchtungen am Markt, dass Banken wegen der Kreditkrise am amerikanischen Hypothekenmarkt mit weiteren Verlusten konfrontiert werden, höhere Abschreibungen vornehmen müssen und irgendwann ein Institut in ernste Liquiditätsschwierigkeiten schlittern könnte. „Die Sorge ist, dass wir den Tiefpunkt noch nicht erlebt haben. Einige Märkte sind immer noch sehr illiquide. Gegen Jahresende kann es sein, dass wir eine weitere Verknappung am Geldmarkt beobachten werden“, warnte John Gieve, der stellvertretende Gouverneur der Bank von England, Mitte der Woche.

          Aktienmärkte haben auf Krise nicht ausreichend reagiert

          Welche Skepsis am Markt gegenüber den Banken herrscht, zeigte sich am Donnerstag an der deutlich höheren Risikoprämie, die verlangt wird, um das Ausfallrisiko der Schulden von 25 europäischen Banken und Finanzinstituten abzusichern. Der Zinsaufschlag für eine Absicherung über 5 Jahre schnellte, gemessen an dem Itraxx Financial, auf 63,09 Basispunkte empor. Das ist der bisher höchste Stand in dieser Liquiditätskrise. Es bedeutet, dass für die Absicherung eines Schuldenbetrags von 10 Millionen Euro einer Bank jährlich eine Sicherungsprämie von mehr als 63.000 Euro gezahlt werden muss.

          Analysten in der Londoner City warnen, dass die Aktienmärkte auf die anhaltende Krise an den Geld- und Kreditmärkten immer noch nicht ausreichende reagiert haben, weil Anleger zu sehr auf Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve setzen. Diese hatte den Markt in dieser Woche zwar gewarnt, dass die letzte Zinssenkung eine „knappe Entscheidung“ gewesen war, aber schlechte Konjunkturprognosen haben die Überzeugung zügiger Zinssenkungen am Markt gefestigt.

          Lockerung der Zinspolitik der Federal Reserve erwartet

          Credit Suisse warnte am Donnerstag, dass Marktteilnehmer möglicherweise erleben werden, dass die Bereitschaft der Federal Reserve, die Geldpolitik schnell zu lockern, begrenzt sei, auch wenn die Federal Reserve am 11. Dezember zunächst mit einer Zinssenkung reagieren werde. Credit Suisse erwartet, dass deshalb der Druck auf die Aktienmärkte noch mehrere Monate anhalten könne.

          Goldman Sachs indessen glaubt, dass die Federal Reserve einlenken werde. Die sich abzeichnende volkswirtschaftliche Abschwächung in den Vereinigten Staaten und die Finanzkrise würden der Federal Reserve ausreichend Spielraum für eine Lockerung der Zinspolitik einräumen.

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