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Leitzinsen : Die EZB wird der Fed vorerst nicht folgen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Markt spekuliert, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins in dieser Woche bei 4 Prozent belässt, ihn später im Jahr aber senken wird. Doch Mitglieder des Rates warnen, die EZB werde nicht den Erwartungen des Marktes folgen.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed nach Einschätzung von Volkswirten zunächst nicht folgen. Jedenfalls wird weithin erwartet, dass der EZB-Rat den Leitzins am kommenden Donnerstag unverändert bei 4 Prozent belässt. Viele EZB-Beobachter rechnen aber damit, dass der Rat in seinem Kommuniqué die Tür für Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf öffnen wird. Unterdessen gilt als so gut wie sicher, dass die Bank of England ihren Leitzins am Donnerstag von 5,5 auf 5,25 Prozent zurücknehmen wird, um einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums gegenzusteuern.

          In den Vereinigten Staaten hat die Notenbank ihren Leitzins aus ähnlichen Gründen in der zweiten Januar-Hälfte bereits drastisch von 4,25 auf 3 Prozent herabgesetzt. Vor diesem Hintergrund werde sich auch der EZB-Rat dem öffentlichen Druck auf eine Lockerung der Geldpolitik nicht entziehen können, meint Thorsten Polleit, ein Ökonom bei der britischen Großbank Barclays Capital. Am Donnerstag werde die EZB zwar noch nicht an der Zinsschraube drehen, jedoch werde der Rat in seinem Kommuniqué die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum noch stärker als bisher hervorheben, spekuliert Polleit. Die - nach Einschätzung von Polleit beträchtlichen - Risiken für die Preisstabilität dürften dadurch in den Hintergrund treten. Bei Barclays geht man davon aus, dass der Euro-Leitzins schon im März auf 3,75 Prozent sinkt und im Mai auf 3,5 Prozent.

          Der Rat folgt nicht den Erwartungen des Marktes

          An den Zins-Terminmärkten wird seit den Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten auf eine ähnliche Entwicklung gewettet. Aus den Kursen lässt sich ablesen, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen im Euro-Raum seither deutlich höher einschätzt. So wird der Zins-Terminkontrakt auf den Drei-Monats-Euribor mit Verfall im Dezember aktuell mit einem impliziten Zinssatz von 3,6 Prozent gehandelt; daraus lässt sich - mit einiger Unsicherheit - ableiten, dass der Markt für Dezember dieses Jahres einen Leitzins von 3,5 Prozent erwartet.

          Allerdings hat Nicholas Garganas, der griechische Notenbankpräsident, der dem EZB-Rat angehört, in der vergangenen Woche gewarnt, dass der Rat nicht den Erwartungen des Marktes folgen werde. Er sei sehr besorgt über die hohe Inflation im Euro-Raum, sagte Garganas und spielte damit darauf an, dass die Teuerung im Januar mit 3,2 Prozent den höchsten Stand seit der Einführung des Euro im Jahre 1999 erreicht hat. Nach einer Prognose der EZB wird die Inflation im Jahresverlauf zwar zurückgehen, im Jahresdurchschnitt aber klar höher sein als das Ziel von „knapp 2 Prozent“.

          In der Geldpolitik geradeaus fahren

          Mit einiger Sorge verfolgt der EZB-Rat nicht zuletzt die Tarifverhandlungen in Deutschland, die aus Sicht der Währungshüter eine Lohn-Preis-Spirale anstoßen könnten. Ein erstes Beispiel dafür hat die Bundesbahn geliefert, als sie der Gewerkschaft der Lokomotivführer erst hohe Lohnsteigerungen zugestand und gleich am nächsten Tag Preiserhöhungen ankündigte. Im EZB-Rat wird befürchtet, dass das Beispiel Schule machen könnte, da derzeit hierzulande mehrere große Gewerkschaften hohe Lohnsteigerungen durchsetzen wollen. Beispielsweise haben die Busfahrer in Berlin bereits gestreikt, um einer Lohnforderung von 8 Prozent Nachdruck zu verleihen.

          Für Hans Jäckel, Chefvolkswirt beim genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ-Bank, hat der EZB-Rat angesichts der Risiken für die Preisstabilität keine Veranlassung, den Leitzins zu senken. Gleichzeitig gebe es aber auch keinen Grund, den Leitzins zu erhöhen, meint Jäckel. Denn das Wirtschaftswachstum dürfte sich abschwächen und damit den inflationären Druck etwas bremsen. Für Jäckel wird der EZB-Rat deshalb dieses Jahr in der Geldpolitik geradeaus fahren - also den Leitzins unverändert bei 4 Prozent lassen.

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