https://www.faz.net/-gv6-3wac

Lateinamerika : Brasiliens Anleihen auf Erholungskurs

  • Aktualisiert am

Die Anleger legen ihre Scheu gegenüber Lula, dem neuen Präsident Brasiliens, weiter ab. Währung, Anleihen und Aktien verbuchten zuletzt allesamt Kursgewinne.

          Das Geschehen an den Finanzmärkten in Brasilien beruhigt sich vorerst weiter. Am Donnerstag stieg der Real um 2,3 Prozent auf 3,63 Real zum Dollar und markierte damit ein Vierwochenhoch. Am Rentenmarkt verbesserte sich die bis 2014 laufende Benchmarkanleihe um 0,50 Cent auf 58,13. Die Rendite ermäßigte sich dadurch auf 21,16 Prozent, was dem niedrigsten Stand seit über sechs Wochen entspricht. Am Aktienmarkt kletterte der Sao Paulo Stock Exchange Index um ein Prozent auf 10.167,71 Punkte, womit sich das Plus im Oktober auf 18 Prozent beläuft.

          Die Stimmung unter den Marktteilnehmern profitierte vom unerwarteten Erfolg der Regierung bei der Verlängerung von Währungsswaps. Dies nährt die Hoffnung, dass es dem neuen Präsidenten Lula gelingen könnte, einen Zahlungsausfall zu verhindern. "Dieser Erfolg war sehr wichtig, um den Markt bei Laune zu halten. Das zeigt, dass die ablehnende Haltung gegenüber den Staatsanleihen nicht mehr so groß ist", kommentierte Fabio Fender, Währungsexperte beim Broker Liquidez DTVM.

          Warten auf das Konjunkturprogramm und die Ministerriege

          Mit der jüngsten Entwicklung steigt die Hoffnung, dass der Druck auf den Real nachlässt, der die Landeswährung in diesem Jahr um 36 Prozent gedrückt hat. Zusammen mit den steigenden Notierungen hat dies die Sorge vor einem Zahlungsausfall genährt. Nun setzen Beobachter darauf, dass Lula ein Wirtschaftsteam nominiert, welches die Schulden begrenzt und die Inflation bekämpft. Der neue Präsident hat zuletzt gesagt, die Löhne nicht zu erhöhen, die Konditionen der Staatsschulden neu zu verhandeln und auf eine Erhöhung der Staatsausgaben zu verzichten, falls dies zu einer Verfehlung der Fiskalziele führen sollte.

          Trotz der jüngsten Entspannungssignale bleibt mancher Anleger skeptisch hinsichtlich der langfristigen Aussichten der größten Volkswirtschaft in Lateinamerika. "Die derzeitigen Kursstände signalisieren noch immer Zweifel darüber, ob es Brasilien gelingt, die schmerzvollen Anpassung in der Wirtschaft vorzunehmen, die Schulden zu restrukturieren und die Inflation einzudämmen", sagt Edgar Amador, Volkswirt bei Stone & McCarthy Research Associates.

          Mit Spannung warten die Marktteilnehmer daher auf Details zum Konjunkturprogramm der Regierung und der Zusammensetzung des Finanzministeriums und der Notenbank. "Wenn ein Notenbankpräsident nominiert wird, der weniger qualifiziert ist als Arminio Fraga, werden wir unsere Bestände in Brasilien sofort auf Null zurückfahren", kündigt Kassin an.

          Gewerkschaft fordert mehr Lohn

          Auf den ehemaligen Gewerkschaftsführer Lula warten schon wenige Tage nach seinem Wahlsieg die ersten kniffeligen Aufgaben. So fordert die zweitgrößte Gewerkschaft des Landes Forca Sindical zügige Lohnerhöhungen und hat zur Untermauerung ihrer Forderung zu einem Streik aufgerufen. Die Gewerkschaften hatten Lula im Wahlkampf wegen des Versprechens unterstützt, die Mindeslöhne zu erhöhen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

          Die Kehrseite dieser Medaille ist allerdings, dass Volkswirte bei Lohnerhöhung von einer steigenden Inflation ausgehen. Deren Rate beträgt derzeit 7,9 Prozent - ein Dreijahreshoch. Außerdem dürfte dies die Währung weiter schwächen und die Staatsschulden weiter erhöhen. Ein Vertreter der Zentralbank hat erst am Donnerstag wieder bezweifelt, ob ein Erfüllen der Vorgabe des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelingen wird. Um die vorgeschriebene Reduzierung der Schulden zu erreichen müsste der Real bis Jahresende auf 3,5 steigen, was von Altamir Lopes, Chef der volkswirtschaftlichen Researchabteilung bei der Notenbank, aber als eher unwahrscheinlich bezeichnet wird.

          Wette mit vielen unbekannten Variablen

          Manche Analysten glauben aber trotzdem nicht, dass der IWF deswegen Gelder verweigern wird, sondern dass dann eben neue Zielvorgaben als Bonus für Lula ausgearbeitet werden. Vermutlich auch deswegen hofft Tony Volpon als Leiter der Researchabteilung bei Dinosaur Securities darauf, "dass das optimistische politische Sentiment anhalten wird. Deshalb werden die Anleihen kurzfristig weiter steigen." Selbst wenn er Recht behält, bleibt eine Wette auf den Ausgang der Krise in Brasilien ein Unterfangen mit vielen unbekannten Variablen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.