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Kapitalmarktprognose : „Die Zinswende ist da“

  • -Aktualisiert am

Die Zinswende ist da: Am Anleihemarkt könnte es 2017 wieder heiß hergehen. Bild: Imago

Die Landesbanken von Hessen-Thüringen und Baden-Württemberg halten an einer positiven Prognose für 2017 fest. Doch ganz ohne Reibung bleibt es nicht.

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          Was wäre, wenn die Kapitalmärkte ein Jahrmarkt wären, ein Rummel, auf dem sich alle möglichen Menschen treffen und je nach Geschmack auf Tradition, Innovation oder Sensation setzen? Dann fahren die Anleger im Jahr 2017 wahrscheinlich Autoscooter, womöglich aber auch Geisterbahn oder Riesenrad. So hat zumindest Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, die drei Szenarien in ihrer Kapitalmarktprognose treffend benannt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Traud ist dafür bekannt, gerne auch einmal gegen den Strich üblicher Analystenmeinungen zu bürsten. In ihrem Hauptszenario „Autoscooter“, dem sie 75 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit zutraut, hält sie die angeblich hohe Unsicherheit über die Weltkonjunktur für überschätzt, politische Risiken für weitgehend bereits eingetreten und die Investitionen im Euroraum für ausreichend, um Arbeitsplätze zu schaffen und nicht neue Blasen zu erzeugen. Gerade am Anleihemarkt könne es 2017 auch mal rumpeln, schließlich sei die Zinswende da und die Inflation komme mit wieder höherem Ölpreis zurück. Aber Zentralbanken und Konjunktur („Deutschland und Amerika wachsen über Potential“) böten eine so gute Fahrfläche als Basis, dass im Autoscooter keine größeren Unfälle passieren sollten. So geht Traud davon aus, dass die EZB ihre renditedrückenden Anleihekäufe für monatlich 80 Milliarden Euro über März hinaus verlängert. Gleichwohl sieht die Helaba die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bis Ende 2017 von 0,3 auf 1 Prozent steigen. Noch stärker zulegen dürften die italienischen Renditen. Dem Deutschen Aktienindex traut Traud einen Anstieg von heute 10.700 auf 12.000 Punkte bis Ende 2017 zu.

          Anleger müssen Strategien immer wieder überdenken

          Für weit weniger reibungslos halten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg die Lage am deutschen Aktienmarkt. Im kommenden Jahr müssten sich Anleger auf stärkere Schwankungen und auf ein mageres Börsenjahr einstellen, warnte Chefvolkswirt Uwe Burkert in Stuttgart. Am Ende des nächsten Jahres erwartet er, dass der Dax bei 11.500 Punkten steht. Die Anleger müssten immer wieder ihre Strategie überdenken, mahnt Burkert. Seit 2009 hätten sie mit Aktien gut verdienen können. Nun werde die Luft aber deutlich dünner. Wie Traud erwartet Burkert eine Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed im Dezember, aber anders als sie die Drosselung des Anleihekaufprogramms durch die EZB. Beides führe zumindest in einer ersten Reaktion an den Märkten zu fallenden Kursen. Aber die solide Wirtschaftsentwicklung wird auch nach Burkerts Auffassung die Verluste begrenzen.

          Verhaltener als für den Dax ist Traud für den amerikanischen Aktienmarkt gestimmt, dem sie 2017 ein Plus von 4 bis 5 Prozent zutraut. Auch sei der Dollar überbewertet, und der neue Präsident Trump wolle sicher keinen starken Dollar. Burkert hingegen sieht noch Aufwertungspotential für den Dollar. Beim amerikanischen Standardwerteindex Dow Jones erwartet Burkert sogar einen Rückgang auf 18.000 von derzeit 18.900 Punkten.

          Für eines der größten Risiken in der Geisterbahn, diesem Szenario gibt Traud 15 Prozent Wahrscheinlichkeit, hält sie einen Wahlsieg von Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Mai 2017. Insofern sei es gut, dass sich der frühere Präsident Nicolas Sarkozy als Kandidat der bürgerlichen Rechten nicht durchgesetzt habe. Sarkozy wäre zu rückwärtsgewandt gewesen, sagt Traud. Kämen aber weiter Fratzen zum Vorschein, könne der Dax auf der Geisterbahn bis auf 6000 Punkte abstürzen. Umgekehrt seien bis zu 14.000 Dax-Punkte drin, wenn die Weltkonjunktur, getrieben von den Schwellenländern und den Vereinigten Staaten, ein Riesenrad (10 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit) drehte.

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