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Kurzlaufende Bundesanleihen : Gefangen in der Rentenfalle

  • -Aktualisiert am

Risiko ohne Chance

Da die Ausgangsrenditen in diesem Szenario exponentiell immer negativer werden, müssten die Renditen immer stärker fallen, damit Kursgewinne noch positive Erträge ermöglichen. Damit Anleger keine Verluste erleiden, müsste die Rendite ein- bis dreijähriger  Bundespapiere Ende 2020 rechnerisch bei minus 3,92 Prozent stehen, Ende 2022 bei minus 8,81 Prozent und Ende 2025 schon bei minus 29,74 Prozent.

Dies erscheint ausgeschlossen. Einen positiven Ertrag mit kurzlaufenden Anleihen zu erzielen, scheint perspektivisch utopisch. Die Strategie der vergangenen Jahre funktioniert nicht mehr, für die Zukunft sind kurzlaufende Bundeswertpapiere ein Risiko ohne Chance.

Seit März haben der Anstieg der Inflationsrate sowie Spekulationen über ein schrittweises Ende des Anleihekaufprogramms der EZB im nächsten Jahr und eine mögliche Erhöhung des Einlagesatzes zu einem ersten Renditeanstieg geführt.

Entsprechend ist der eb.rexx Government 1.5-2.5 Performance Index bereits um 0,85 Prozent zurückgegangen. Das klingt nach wenig, ist für kurzlaufende Anleihen aber immens hoch. Damit notiert der Index so niedrig wie zuletzt im Juni 2014, also zu dem Zeitpunkt, zu dem die Rentenfalle begann zuzuschnappen.

Verwerfungen am Anleihemarkt voraus

Erleben wir gerade das Platzen der Blase am Anleihenmarkt? Paul Elliott Singer, Gründer und Manager des bekannten und milliardenschweren Hedgefonds Elliott Management Corporation, sprach schon vor einem halben Jahr von der „größten Rentenblase in der Weltgeschichte“. Bill Gross bezeichnete den Rentenmarkt als „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.

Wir stehen mit Sicherheit nicht vor dem Ende des Anleihenmarktes, aber mit Sicherheit vor Verwerfungen und Verlusten. Offen ist, ob die Luft langsam aus der Blase entweicht und damit noch viele Jahre mit negativen Zinsen und negativer Anlagerendite folgen. Oder ob die Blase platzt und dies zu heftigen Kursverlusten, aber damit perspektivisch zu positiven Renditen führt. Egal welches Szenario hier eintritt: Die Anleger sind zunächst einmal in der Rentenfalle gefangen.

Auswege

Einen Ausweg zu finden ist nicht einfach. Bundesanleihen mit langen Laufzeiten werfen zwar marginal positive Zinsen ab, würden aber bei einem möglichen Zinsanstieg aber umso stärkere Kursverluste erleiden.

Unternehmensanleihen bieten zwar zusätzliche Renditeaufschläge. Diese notieren aktuell aber weit unter ihren historischen Mittelwerten. Das kann zusätzlich zu einer Reaktion auf etwaige Zinssteigerungen ebenfalls zu Kursverlusten führen. Bleiben noch Aktien, die zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt sind. Hier gehen die Chancen mittlerweile mit einem deutlich erhöhten Rückschlagrisiko einher.

Es gilt, Wege abseits der traditionellen Investments zu finden. Dies können dann Overlays – vereinfacht gesagt Portfoliostrategien, die zusätzliche Erträge bringen sollen – wie beispielsweise Volatilitätsstrategien sein. Sie können mögliche Kursverluste bei Anleihen kompensieren und idealerweise sogar überkompensieren.

Im Rahmen des Overlays können beispielsweise durch den aktiven Verkauf von Put-Optionen auf Aktien- und Volatilitätsindizes Prämieneinnahmen zusätzlich zu einem Basisportfolio generiert werden. So können Marktschwankungen („Volatilitäten“) Erträge bringen. Ein anderer Weg sind derivative Ansätze, die ein Aktieninvestment mit einer Absicherungsstrategie kombinieren. Wer bereit ist, die traditionellen Pfade zu verlassen, kann auch aus der Rentenfalle entkommen.

Der Autor

Diplom-Betriebswirt Thomas Altmann ist Leiter des Portfolio-Managements von QC Partners und zertifizierter Analyst (CFA-Charterholder). Er ist Experte für Optionsstrategien auf Aktien- und Volatilitätsindizes und war unter anderem bei Kepler sowie Sauerborn Trust (UBS Deutschland) tätig.

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