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Krise der Versicherungen : Die Last der niedrigen Zinsen

Vor allem die Wohngebäude- und die Autoversicherung gelten als Sorgenkinder. Durch nicht einkalkulierte Leitungsschäden bei Ersterer und einen ruinösen Preiskampf bei Letzterer sind beide Sparten seit langem defizitär. Allerdings gelang es den Autoversicherern das zweite Jahr in Folge, höhere Prämien durchzusetzen. Zuvor hatten sie sich sechs Jahre lang mit ihren Angeboten gegenseitig in eine Abwärtsspirale begeben. Die HUK-Coburg, nach der Zahl der Verträge Marktführer in der Autoversicherung, erwartet, dass die Preissteigerungen noch drei bis vier Jahre lang anhalten werden.

Kundenzufriedenheit ähnlich schlecht wie im Bankensektor

Für die Schaden-Unfall-Sparte insgesamt könnten sich die Ergebnisse also in den kommenden Jahren weiter verbessern. Schon für 2012 rechnet der GDV mit Beitragssteigerungen von 3,7 Prozent. Auch der versicherungstechnische Gewinn werde sich durch profitable Zweige wie die Unfallversicherung um 100 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro verbessern. Darüber hinaus sehen die Zahlen der kriselnden Lebensversicherung bei näherer Betrachtung nicht allzu schlecht aus. Zwar prognostizierte der Verband noch im November ein leicht rückläufiges Neugeschäft. Aber die Prämieneinnahmen gegen laufenden Beitrag sollten um 2,4 Prozent steigen. Einige optimistische Stimmen aus den Vorstandsetagen über das erfolgreiche Jahresendgeschäft, das von der Einführung der neuen Unisextarife profitiert haben dürfte, lassen sogar noch positivere Zahlen möglich erscheinen. Und dass der Boom des schwer zu kalkulierenden Geschäfts gegen Einmalbeitrag inzwischen abgeebbt ist, nimmt man in der Branche gelassen bis erleichtert zur Kenntnis.

Die Kundenzufriedenheit ist dennoch für viele Manager ein Thema, denn sie ist ähnlich schlecht wie im Bankensektor. Zwar berufen sich Branchenvertreter öffentlich gern auf die geringen Beschwerdezahlen beim Versicherungsombudsmann. Hinter verschlossenen Türen nehmen sie aber branchenübergreifende Vergleiche ernst, welche die Assekuranz nicht so gut dastehen lassen. Eine Befragung von 2500 Kunden durch die Unternehmensberatung Bain & Company ergab, dass mehr Kunden unzufrieden als zufrieden mit ihrem Versicherer sind. Von den positiven Einstellungen der Kunden gegenüber ihren jeweiligen Auto- und Computerherstellern ist die Versicherungswirtschaft weit entfernt.

Angst vor Provisionsverbot

“Viele in der Branche sind noch zu produktorientiert“, bemerkt Ralph Brand, der seit vergangenem Jahr die Zurich in Deutschland führt. Vertriebserfolg solle sich stärker an Kennziffern der Kundenzufriedenheit und der Dauer der Geschäftsbeziehungen orientieren als an reinen Stückzahlen. Selbst eine lang vorgebrachte Forderung der Verbraucherschützer könnte eines Tages erhört werden: Nicht nur in der Schaden-Unfall-Versicherung, sondern auch bei Altersvorsorgeprodukten sollte nach ihrer Auffassung eine Bestands- statt einer Abschlussprovision stärkeres Gewicht erhalten.

Verbandspräsident Erdland zeigt sich für solche Überlegungen offen. „Unsere Anreizsysteme dürfen keinen getriebenen Produktverkauf bewirken, sondern müssen auch eine Betreuung nach Vertragsabschluss erlauben“, sagt er. Denn die Befürchtung, dass über Brüssel sogar noch einmal ein generelles Provisionsverbot nach skandinavischem und britischem Vorbild nach Deutschland kommen könnte, besteht unter Versicherungsmanagern weiter. Ihnen ist es deshalb lieber, am bestehenden System zu feilen, als am Ende eine Pflicht zur Honorarberatung übergestülpt zu bekommen.

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