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Krise an den Finanzmärkten : Spanien begibt Anleihen zu günstigen Preisen

  • -Aktualisiert am

Sicherheit muß bezahlt werden Bild: F.A.Z.

Der spanische Staat hat sich zu günstigen Konditionen Geld auf dem Anleihemarkt verschafft. Gleichwohl bleibt das Misstrauen auf dem Geldmarkt groß. Viele Banken kommen nur noch mit Mühe an Kredit.

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          Spanien hat sich mit der Versteigerung von drei Anleihen deutlich mehr Geld verschafft als geplant und das zu relativ günstigen Konditionen. Geplant war der Verkauf von Titeln im Wert von 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro. Tatsächlich begeben wurden gut 6 Milliarden Euro, womit der Finanzierungsbedarf des spanischen Staates für dieses Jahr gedeckt ist.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Ermutigend wurde auf den Märkten auch die relativ geringe Emissionsrendite gewertet. Bei den fünfjährigen Titeln können die Anleger mit jährlichen Erträgen von rund 4 Prozent rechnen. Anfang dieses Monats hätte Spanien noch mehr als 5 Prozent bieten müssen. Auch für andere finanzschwache Euro-Staaten sanken am Donnerstag die Renditen auf dem Anleihemarkt.

          Die Krise an den Finanzmärkten wird sich nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann jedoch weiter zuspitzen. Die Banken müssten in einem ausgetrockneten Umfeld in den nächsten Monaten 500 Milliarden Euro refinanzieren. Hinzu kämen die Euro-Krisenländer mit einem Bedarf von 700 Milliarden Euro. Ackermann bekräftigte seine Einschätzung, dass insbesondere der erzwungene freiwillige Verzicht gegenüber Griechenland zu einer großen Verunsicherung geführt habe. Die Aufgabe der Position, dass Staatsanleihen risikofreie Anlagen seien, „wird uns noch einige Jahre beschäftigen“, sagte er voraus.

          Stimmung bleibt nervös

          Trotz der Entspannung auf dem Markt für Staatsanleihen blieb die Stimmung auf dem Geldmarkt, wo sich die Banken untereinander Geld leihen, nervös. Dazu trug bei, dass die Ratingagentur Fitch fünf europäische Geschäftsbanken herabstufte, darunter Frankreichs Credit Agricole. Fitch stellte fest, in einem Basisszenario gehe die Agentur zwar nicht von einem Zerfall des Euroraums aus. Käme es aber doch so, hätte dies massive negative Folgen für die Ratings der Banken.

          Auch für spanische Banken bleibt die Finanzierungslage angespannt. Die Ausleihungen bei der Zentralbank sind inzwischen wieder auf knapp 100 Milliarden Euro gestiegen, den höchsten Wert seit dem Sommer, weil viele spanische Banken bei der Konkurrenz nur als bedingt kreditwürdig gelten. Ein Grund dafür ist die schwache Verfassung des spanischen Immobilienmarktes, wo die Preise weiter fallen. Im dritten Quartal lagen die durchschnittlichen spanischen Immobilienpreise um rund 7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

          Laut Fitch liegen die Marktpreise für beliehene Häuser durchschnittlich um 43 Prozent unter den für die Hypotheken angegebenen Werten. Dieser Wert gilt für rund 8000 Kredite, die als Sicherheiten für Verbriefungen gelten. Drohende Kreditausfälle und drohende Verluste mit Staatsanleihen schüren das Misstrauen der Banken untereinander. In der Folge leihen sie sich fast nur noch gegen ausreichende Sicherheiten. Dadurch ist der Zinsabstand zwischen besicherten und unbesicherten Geschäften auf knapp einen Prozentpunkt gestiegen und ist trotz der umfangreichen Krisenhilfen der Notenbanken auf diesem Niveau geblieben. Auch die Absicherungskosten auf dem CDS-Markt sind kaum zurückgegangen. Im Durchschnitt beträgt die Risikoprämie für Euro-Großbanken derzeit 3,2 Prozent der abgesicherten Summe. Das ist mehr als nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Lehman-Bank vor drei Jahren verlangt und gezahlt worden ist.

          Weitere Nothilfen der EZB

          Auch in Amerika wächst das Misstrauen gegenüber Banken aus dem Euroraum. Nach Informationen der „FinancialTimes“ sind in den vergangenen sechs Monaten die Einlagen von amerikanischen Tochtergesellschaften europäischer Banken um rund 25 Prozent auf 879 Milliarden Dollar gesunken. Die Sorge um ausreichende Liquidität bestimmt auch das Ergebnis einer regelmäßigen Umfrage von Merrill Lynch unter den wichtigsten Vermögensverwaltern.

          Einige Indikatoren seien auf einem ähnlich alarmierenden Niveau wie Anfang des Jahres 2009, als eine Kreditklemme gedroht habe, heißt es in der Studie. Eine deutliche Mehrheit der Befragten bezeichne Faktoren wie die Markttiefe und den Abstand zwischen Geld- und Briefkursen als besonders negativ. Die negativen Äußerungen übersteigen die positiven mit 13 Prozentpunkten. Im Oktober seien die negativen Äußerungen noch mit 4 Prozentpunkten in der Minderheit gewesen.

          Um der schwierigen Lage auf dem Geldmarkt entgegenzuwirken, hat die EZB in der vergangenen Woche weitere Nothilfen eingeführt, darunter Ausleihungen an die Banken mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren. EZB-Präsident Mario Draghi forderte nun die Banken auf, diese Instrumente auch zu nutzen. „Wir sehen nicht, dass der Gebrauch der Kreditlinien der Zentralbank mit Stigma verbunden ist“, sagte Draghi am Donnerstag während einer Rede in Berlin. „Unsere Fazilitäten sind da, um genutzt zu werden.“

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