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Verkehrte Welt : Kreis erhält Zinsen für Kreditaufnahme

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Eigentlich sollte sich Hofheim über neue Einnahmequellen freuen. Bild: dpa

Verkehrte Welt: Der Main-Taunus-Kreis erhält Zinsen für die Aufnahme eines Kassenkredits. Der Landrat findet das unverantwortlich.

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          Der Main-Taunus-Kreis verdient mit seinen Schulden Geld. 84 Euro Zinsen erhält der Landkreis dafür, dass er einen Kredit in Höhe von zehn Millionen Euro aufgenommen hat, wie Landrat Michael Cyriax (CDU) mitteilt. Der Kassenkredit hat eine Laufzeit von einem Monat und einen Zinssatz von minus 0,010 Prozent. Kassenkredite dienen im Regelfall dazu, laufende Verwaltungsaufgaben zu finanzieren. Der Main-Taunus-Kreis ist kein Einzelfall, auch andere Landkreise und Kommunen machen das so.

          „Das ist ein historisches Ereignis“, sagt Landrat Cyriax. Es sei nicht vorgesehen, in Zukunft weitere solcher Kredite aufzunehmen, um damit Geld zu verdienen. Der Main-Taunus-Kreis ist nach Auskunft des Landrats finanziell relativ gesund und könnte noch weitere 20 Millionen Euro aufnehmen.

          Das werde jedoch nur geschehen, wenn wirklich Bedarf besteht, macht Cyriax klar. „Diese Situation konterkariert unsere Bemühungen, sparsam mit Geld umzugehen.“ Cyriax hält die Verhältnisse für unverantwortlich. Kommunale Unternehmen müssten Rückstellungen für Investitionen und Pensionen bilden. Ohne Zinsen werde das alles unbezahlbar.

          „Der Zins hat normalerweise eine Steuerungsfunktion und unterscheidet gute von schlechten Investitionen“, erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank . Der Volkswirt befürchtet spekulative Blasen, etwa auf dem Immobilienmarkt, der aufgrund der niedrigen Zinsen boome. „Wenn eine solche Blase platzt, ist die Volkswirtschaft dauerhaft geschädigt.“ Darüber hinaus vermindere das billige Geld den Reformdruck. Eine Konsolidierung der Haushalte könnte nicht mehr so wichtig erscheinen.

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