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Kreditwirtschaft : Banken senken Zinsen für Tagesgeld

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Marktführer bei Tagesgeldkonten, die ING Diba, reduziert die Zinsen auf 2,25 Prozent. Damit reagiert sie wie viele andere auf das niedrige Zinsniveau der Kapitalmärkte.

          Das niedrige Renditeniveau auf dem Anleihemarkt schlägt bei den Tagesgeldkonten durch. Seit Jahresbeginn hat nach Angaben der Finanzberatung FMH etwa die Hälfte der Banken ihre Tagesgeldsätze reduziert.

          Der Durchschnitt der von FMH beobachteten Banken liegt derzeit bei rund 1,75 Prozent, die Bundesbank nennt einen Durchschnittszins für täglich fällige Einlagen von 1,2 Prozent.

          Zinsänderungsrisiken sind begrenzt

          Nun reagiert auch der Marktführer ING Diba und reduziert den Zins ab Juli von 2,5 auf 2,25 Prozent. Die Direktbank hat mit Tagesgeldeinlagen von 46 Milliarden Euro nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Man erwarte, daß andere Wettbewerber nachziehen werden, heißt es bei der Diba.

          Mit der Anpassung reagiere die Direktbank auf das niedrige Zinsniveau auf den Kapitalmärkten, sagt Ben Tellings, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens in Deutschland. In Finanzkreisen werden immer wieder Zweifel an der Profitabilität des Geschäftsmodells laut, denn Tagesgeld wird unter den Banken derzeit zu gut 2 Prozent gehandelt.

          "Die Zweifel sind unberechtigt", entgegnet Tellings. Die von den Kunden täglich abrufbaren Einlagen werden mit einer längeren Laufzeit wieder angelegt. "Unsere durchschnittliche Laufzeit ist aber geringer als die anderer deutscher Großbanken." Die Zinsänderungsrisiken seien also begrenzt. Das Tagesgeldkonto sei für die Diba der bei weitem größte Ergebnisträger. Sie könne in diesem Geschäftsfeld profitabel wirtschaften, weil sie mit geringen Kosten arbeite, sagt Tellings.

          Tagesgeldkonten sind kostengünstig und hochliquide

          Für Anleger sind die Tagesgeldkonten vieler Banken trotz des Zinstals immer noch attraktiv. Denn die Verzinsung beträgt bis zu 2,75 Prozent. Um ähnlich hohe Erträge bei vergleichbarer Sicherheit zu erzielen, müssen die Anleger ihr Geld schon auf den Anleihemarkt tragen und sich dort für mindestens fünf Jahre festlegen.

          Das führt zu Transaktionskosten und bindet das Geld. Die Tagesgeldkonten sind dagegen meist kostengünstig und zudem hochliquide. Das Geld kann jederzeit wieder abgezogen werden. Anders als bei längerlaufenden Anleihen gibt es keine Wertverluste, wenn die Zinsen auf dem Kapitalmarkt wieder steigen sollten.

          Einige Anbieter wie das Bankhaus August Lenz oder die Citibank halten aber bislang an einem Zins von 2,75 Prozent fest. Für das Konto Citibest ist der Zins sogar für ein Jahr garantiert. Allerdings sollten Anleger die Bedingungen beachten.

          Vorsicht bei Lockvogelangeboten

          Denn wie auch bei Cortal Consors gelten diese Angebote nur für Neukunden. Wenn die Zinsgarantie ausläuft, erhält der Kunde nur noch die niedrigeren Zinsen, die für alle Bestandskunden gelten.

          Sehr häufig arbeiten die Banken auch mit Staffelungen. So verzinst die CC-Bank die ersten 50000 Euro mit 2,6 Prozent. Für jeden weiteren Euro gibt es 2,25 Prozent. Bei der Frankfurter 1822direkt gibt es für die ersten 10000 Euro 2,75 Prozent. Von 10001 Euro fällt der Zins auf 2,50 Prozent - aus wenig nachvollziehbaren Gründen für die gesamte Anlagesumme. Außerdem verlangt die 1822direkt eine Gebühr von 4 Euro pro Monat.

          Anleger sollten auch darauf achten, daß die Bank, bei der sie ein Tagesgeldkonto eröffnen wollen, Mitglied im Einlagensicherungsfonds ist. Denn nur dann ist die Rückzahlung auch für den Fall gesichert, daß die Bank nicht mehr zahlen kann.

          Einige Verträge helfen nur der Bank

          Ein weiterer Haken können Lockvogelangebote sein. Manche Banken bieten attraktive Zinsen samt Werbegeschenk nur für einen kurzen Zeitraum an und senken den Zins, wenn sie genügend Kunden geworben haben. Die Anleger können dann zwar weiterziehen. Den meisten ist der bürokratische Aufwand aber zu hoch.

          Um sich vor derartigem Wankelmut der Anbieter zu schützen, lohnt es sich zu fragen, wie lange ein Zins schon gilt und wie oft er in der Vergangenheit geändert worden ist. Zudem sind die Lockangebote oft mit hinderlichen Bedingungen verbunden. So verzinst der Direktbroker Cortal Consors sein Tagesgeldkonto mit 4 Prozent.

          Allerdings muß der Kunde ein Depot eröffnen und mit Wertpapieren für mindestens 4000 Euro bestücken. Auch Verträge, die verlangen, daß der Kunde noch einmal die gleiche Summe in Aktienfonds investiert, helfen nur der Bank. (ruh.)

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