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Kreditmärkte : Kreditrisiken bei Lehman und AIG steigen

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Bild: FAZ.NET

Anleger betrachten die amerikanischen Finanzwerte immer skeptischer. Die Aktien der Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherungsgesellschaft AIG werden durchgereicht, während die Kreditrisikoprämien durch die Decke gehen.

          Anleger betrachten die amerikanischen Finanzwerte immer skeptischer. Das zeigt sich am Freitag daran, dass sich die Börsen in ihrer Gesamtheit zumindest kurzfristig relativ robust entwickeln. Dagegen fallen an der Wall Street die Werte der Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherungsgesellschaft AIG weiter durch.

          Während die Refinanzierungsprobleme bei Lehman Brothers nicht neu sind, scheint sich die Lage bei AIG zu verschärfen. Die Papiere des Unternehmens liegen im frühen amerikanischen Handel nach einem Minus von knapp 20 Prozent bei 14,1 Dollar. Nach einem Verlust von 80 Prozent ihres Wertes in den vergangenen sechs Monaten liegen sie inzwischen auf dem tiefsten Stand seit knapp 15 Jahren.

          Sätze für die Versicherung gegen Kreditrisiken gehen durch die Decke

          Nicht nur die Aktien stehen unter Druck, sondern auch die Absicherung gegen einen möglichen Zahlungsausfall der ausgegebenen Anleihen laufen deutlich nach oben. Ein Credit Default Swap mit einer Laufzeit von fünf Jahren erfordert inzwischen einen Swapsatz von knapp 1.250 Basis- oder 12,5 Prozentpunkten. Das heißt, wollte ein Anleger von AIG emittierte Papiere mit einem Nominalwert von zehn Millionen Dollar für fünf Jahre versichern, so müsste eine Prämie von knapp 1,25 Millionen Dollar zu Beginn und weitere 500.000 Dollar jährlich bezahlen. Das ist der höchste Wert, der jemals erreicht worden ist. Er hat sich über Nacht beinahe verdoppelt.

          Das Versicherungsunternehmen spürt die Folgen der Immobilien- und Kreditkrise immer deutlicher, da es selbst für ernorme Summen solcher Versicherungen gerade steht, die es an seine Kunden verkauft hat. Nach Analystenschätzungen hat AIG Credit-default-Swaps im Nominalwert von mehr als 587 Milliarden Dollar geschrieben, die sich auf Immobilienkredite, Unternehmensanleihen und andere Papiere beziehen.

          AIG verbuchte in den vergangenen Quartalen massive Verluste

          AIG hat in den vergangenen drei Quartalen aufgrund von Abschreibungen und Rückstellungen Verluste in Höhe von insgesamt 18,5 Milliarden Dollar verbucht. Sollte sich die Immobilien- und Kreditkrise verlängern und vertiefen, dürfte das Unternehmen in den geschriebenen Kontrakten zunehmend in Anspruch genommen werden. Aus diesem Grund könnte es zu einer Kapitalerhöhung gezwungen werden, die im gegenwärtigen Umfeld schwierig sein dürfte.

          Auf dieser Ebene ist die Entwicklung bei Lehman Brothers mit der bei AIG vergleichbar. Denn Lehman Brothers versucht schon seit Wochen verzweifelt und bisher vergeblich, seine Kapitalbasis aufzustocken. Nun wird darüber spekuliert, dass das Unternehmen am Wochenende verkauft werden könnte. Als Favorit für eine Übernahme der 158 Jahre alten Traditionsbank wurde am Freitag in Medien- und Analystenberichten die Bank of America (BofA) gehandelt. Der für seine genauen Vorhersagen für Lehmans Entwicklung bekannte Analyst Richard Bove von Ladenburg Thalmann schrieb in einer Kundenmitteilung am Freitag: „Ich denke, dass die Bank of America die Auktion für Lehman Brothers gewinnen wird.“ Die beiden Geldhäuser passten einfach gut zueinander. Von staatlicher Seite kann Lehman offenbar nicht auf finanzielle Hilfe hoffen.

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