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Kreditmärkte : Kreditrisiken bei Lehman bleiben auf Rekordniveau

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Die Finanzkrise hat die Märkte fest im Griff. Das zeigt sich nicht nur an den massiven Kursverlusten der Finanzwerte, sondern auch an den zunehmenden Prämien, die für die Versicherung potentieller Ausfallrisiken am Markt bezahlt werden.

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          Die Finanzkrise hat die Märkte fest im Griff, allen voran die Finanzwerte. Das zeigt sich nicht nur an den massiven Kursverlusten der Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac in den vergangenen Tagen, sondern auch an den zunehmenden Prämien, die für die Versicherung potentieller Ausfallrisiken am Markt bezahlt werden müssen.

          So legten die so genannten Credit Default Swaps mit einem Jahr Laufzeit bei Unternehmen wie Washington Mutual, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Freddie Mac alleine in den vergangenen fünf Tagen bis zu 281 Basispunkte zu. Der Käufer solcher Kontrakte bezahlt normalerweise eine regelmäßige Gebühr und erhält bei Eintritt eines bei Vertragsabschluss definierten Kreditereignisses, also beispielsweise dem Ausfall der Rückzahlung aufgrund Insolvenz des Schuldners, eine Ausgleichszahlung.

          Kreditrisikoprämien bleiben hoch - Aktie steht weiterhin unter Druck

          Inzwischen sind bei Lehman Brothers Prämien in Höhe von 750 Basis- oder 7,5 Prozentpunkten des Nominalwertes nötig, um sich auf Sicht eines Jahres gegen adverse Ereignisse abzusichern. Das heißt, wollte ein Anleger von Lehman emittierte Papiere mit einem Nominalwert von zehn Millionen Dollar versichern, so musste er am Mittwoch eine Prämie von 750.000 Dollar bezahlen. Das war einer der höchsten Werte, der jemals erreicht worden war. Alleine auf Sicht einer Woche ist diese Prämie um 18,3 Prozent gestiegen.

          Nach massiven Kursverlusten in den vergangenen Monaten steht die Lehman-Aktie auch am Donnerstag wieder unter Druck und verliert als eines der schlechtesten Papiere des S&P-500-Index im frühen Handel 7,36 Prozent. Der angeschlagenen Investmentbank droht nach Einschätzung einer wachsenden Zahl von Branchenexperten erneut ein Milliardenverlust. Die Citigroup sagte dem Unternehmen Abschreibungen in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar im laufenden Quartal voraus. Lehman kann jedoch nach Einschätzung der Citigroupanalysten einen Verlust von mehr als drei Milliarden Dollar verkraften, ohne auf eine neue Kapitalspritze angewiesen zu sein.

          Medienberichten zufolge hat sich Lehman bereits vergeblich bei der Korea Development Bank und Chinas Citic Securities darum bemüht, Anteile zum Zwecke einer Kapitalerhöhung zu verkaufen. Einzelne Berichte sprachen von einer Beteiligung von bis zu 50 Prozent. Die Gespräche seien jedoch an zu ambitionierten Preisvorstellungen des Lehman-Managements gescheitert, hieß es. Die Preisdiskussion drehte sich angeblich um einen Wert von 50 Prozent über Buchwert. Angesichts einiger Milliarden so genannter Leve-3-Vermögenswerte in der Bilanz dürfte die wahre Frage gewesen sein, wie groß der Buchwert ist. Denn Papiere, für die es zumindest gegenwärtig keinen Markt gibt, lassen sich beinahe beliebig bewerten. Alles hängt von den verwendeten theoretischen Modellen und den Imputfaktoren ab.

          Schwierige fundamentale Lage wird überlagert durch Gerüchte

          Die Banc of America erklärte am Donnerstag, unter den Investmentbanken habe Lehman mit 72 Milliarden Dollar den größten Bestand an gefährdeten Krediten. Auch Merrill Lynch und weitere Banken gehen mittlerweile davon aus, das Lehman im laufenden Quartal in der Verlustzone steckenbleibt. Das „Wall Street Journal“ berichtete am Donnerstag, die amerikanische Notenbank Federal Reserve sei im vergangenen Monat dem Marktgerücht nachgegangen, Credit Suisse habe Lehman eine Kreditlinie gekündigt. Credit Suisse habe der Fed umgehend erklärt, das Gerücht sei unwahr und es gebe auch nicht die Absicht, den Kredit zu kündigen, hieß es in der Zeitung weiter.

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelt bei Dutzenden von Hedge Fonds und anderen Wall-Street-Firmen im Zusammenhang mit vier weiteren Marktgerüchten zu Lehman. Dahinter steckt die Unterstellung, Marktgerüchte könnten ausreichen, eine große Bank in Schwierigkeiten zu bringen. Im März hatten Marktmanipulationen und Gerüchte zu dem Untergang der Investmentbank Bear Stearns beigetragen.

          Allerdings stellt sich grundsätzlich die Frage, ob Gerüchte ohne fundamentale Hintergründe ausreichen können, eine gesunde, große Bank in Schwierigkeiten zu bringen. Faktisch haben sich die Finanzunternehmen selbst in die Defensive gebracht, indem sie in den vergangenen Jahren die Lage falsch einschätzten und zu viele zu riskante Kreditpapiere in die eigenen Bücher genommen haben.

          Angesichts riesiger Abschreibungen, die von sinkenden Preisen am amerikanischen Immobilienmarkt und zunehmenden Ausfallraten bei Krediten ausgehen, einer dünnen Kapitalbasis und angesichts ein schwachen Konjunktur dürfte man die Finanzwerte weiterhin kritisch betrachten müssen. Eine rasche Erholung ist nur aus technischen Gründen denkbar. In diesem Falle stellt sich jedoch jedes Mal die Frage, wie weit sie wird tragen können.

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