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Kreditkrise : Zweckgesellschaften schlagen auf Banken zurück

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Ratingagentur Moody's hat dieser Tage die Finanzierungsprogramme von 16 Zweckgesellschaften im Gesamtvolumen von 33 Milliarden Dollar entweder heruntergestuft oder auf die Beobachtungsliste gesetzt. Hohe Verluste werden befürchtet.

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          Nicht nur die Zweckgesellschaft "Sachsen Funding I" hat mit gravierenden Refinanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen. Die Ratingagentur Moody's hat dieser Tage die Finanzierungsprogramme von 16 weiteren Zweckgesellschaften im Gesamtvolumen von 33 Milliarden Dollar (22,5 Milliarden Euro) entweder heruntergestuft oder auf ihre Beobachtungsliste gesetzt. Dazu zählen auch Programme der Landesbanken West LB und HSH Nordbank. Ein Moody's-Sprecher sagte, einige Manager solcher Zweckgesellschaften, sogenannter Structured Investment Vehicle (SIV), seien inzwischen der Ansicht, dass deren Geschäftsmodell nicht überleben werde.

          Wie berichtet, hatte das SIV "Sachsen Funding I" seine Gläubiger aufgefordert, bis Freitagabend einem Zahlungsaufschub zuzustimmen. Andernfalls müsse man die Aktiva des SIV verkaufen (F.A.Z. vom 8. November). Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe lagen keine Angaben darüber vor, ob der Zahlungsaufschub gewährt wurde. Fachleute befürchten, dass solche Zwangsverkäufe die Turbulenzen an den Märkten für diese Wertpapiere weiter verschärfen könnten. Das Gesamtvolumen der SIV wird auf rund 300 Milliarden Dollar veranschlagt.

          SIVs - Banken lagerten riskante Geschäfte einfach aus ihren Bilanzen aus

          In den vergangenen Jahren hatten Banken in aller Welt die Gründung von - formal unabhängigen - SIV initiiert und einen Teil ihres Geschäfts über sie abgewickelt, um höhere Erträge zu erwirtschaften ohne selbst dafür Eigenkapital vorhalten, zu müssen. SIV erwerben typischerweise langlaufende Wertpapiere; zu ihrer eigenen Refinanzierung verkaufen sie kurzlaufende Wertpapiere (Commercial Paper), ferner längerlaufende Schuldverschreibungen sowie "Capital Notes", welche etwaige Verluste als Erste absorbieren müssen. Das Gesamtvolumen der "Capital Notes" beziffert Moody's auf 24 Milliarden Dollar; ein großer Teil davon dürfte von Banken gehalten werden, heißt es.

          Der Absatz dieser Refinanzierungspapiere ist ins Stocken geraten, weil sich die bisherigen Käufer aus Angst vor Verlusten zurückhalten. Das wiederum bringt die Banken, welche die SIV initiiert hatten, in Bedrängnis, teils aufgrund vertraglicher Verpflichtungen zur Bereitstellung von Liquidität, teils, weil sie eine Schädigung ihrer Reputation vermeiden wollen.

          An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die Schwierigkeiten einigen Banken herbe Verluste bereiten könnten. Diese Sorgen spiegeln sich in einem kräftigen Anstieg der Prämien, die gezahlt werden müssen, um sich gegen das Risiko eines Ausfalls nachrangiger Bankanleihen abzusichern. Der i-Traxx-Index, der aus solchen Risikoprämien berechnet wird, ist wieder auf 75 Basispunkte gestiegen.

          30 Prozent eines SIV-Portefeuilles entfallen auf Schuldverschreibungen von Banken

          Wie Moody's mitteilte, wurden die "Capital Notes" der SIV "Kestrel" und "Harrier" deutlich zurückgestuft. Die übrigen Refinanzierungspapiere dieser beiden SIV, hinter denen die West LB steht, wurden auf die Beobachtungsliste für eine mögliche Herabstufung gesetzt. Harrier hat ein Volumen von 11,3 Milliarden Dollar, Kestrel von 3,3 Milliarden Dollar. Ein Sprecher der West LB erklärte auf Anfrage, man vertraue weiterhin auf die hohe Qualität der Aktiva von Kestrel, deren Wert in den aktuellen Marktpreisen der von Kestrel ausgegebenen Commercial Paper und Schuldverschreibungen " unseres Erachtens nicht berücksichtigt" sei. Die West LB habe Kestrel eine Kreditlinie zur Liquiditätsunterstützung für die Rücknahme aller dieser von Kestrel ausgegebenen Papiere gewährt.

          Wie Moody's weiter mitteilte, wurden die Capital Notes von "Carrera" ebenfalls auf die Beobachtungsliste gesetzt. Hinter Carrera mit einem Volumen von 394 Millionen Dollar steht die HSH Nordbank. Auf einer Investorenkonferenz sagte ein Moody's-Manager, auch die Dresdner Bank sei von den Herabstufungen betroffen. Nähere Einzelheiten waren dazu nicht zu erfahren.

          Nach Angaben von Moody's entfallen im Durchschnitt etwa 30 Prozent eines SIV-Portefeuilles auf Schuldverschreibungen von Banken; dabei dürfte es sich oft um höherverzinsliche nachrangige Anleihen - eine für viele Banken wichtige Refinanzierungsquelle - handeln. Nur etwa 5 Prozent des Portefeuilles entfallen Moody's zufolge auf amerikanische Subprime-Hypothekenanleihen. Da bei diesen Papieren hohe Verluste anstehen, halten sich die bisherigen Käufer der SIV-Papiere zurück; denn dem Konzept nach sind SIV-Papiere völlig risikofreie Geldmarktpapiere - was sich als Illusion erwiesen hat.

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