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Konjunktur : US-Arbeitsmarkt dürfte Börsen kaum umstimmen

  • Aktualisiert am

Wo geht's lang an den Finanzmärkten? Bild: dpa

Die Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale. Die Börsen lassen sich kaum irritieren - die Rentenmärkte spielen die "Zinswende" und stehen unter Druck.

          Nicht Fisch und nicht Fleisch - so könnte man die Arbeitsmarktzahlen für den November in den USA charakterisieren. Mit dem Rückgang der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 331.000 Stellen entwickelt sich der Arbeitsmarkt nicht so schlecht, als dass er Konjunkturpessimisten in größerem Stile bestätigen würde. Aber eben nur leicht schlechter als erwartet, so dass der vorherrschende Optimismus nicht dramatisch gedämpft wird.

          Der Vertrauensindex der Universität von Michigan hat sich leicht aufgehellt und bestätigt frühere Indikatoren, die darauf hinwiesen, dass die Verbraucher die Lage nach den Attentaten und die konjunkturelle Lage nicht zum Anlass nehmen, den Kopf in den Sand zu stecken.

          Widersprüchliches Konjunkturbild

          Die leicht verbesserte Stimmung wird auf die gesunkenen Energiepreise und auf die Erholung an den Aktienmärkten zurückgeführt. Die sich weiter verschlechternde Lage am Arbeitsmarkt scheint sich bisher nach dieser Messlatte beim Verbraucher nicht negativ bemerkbar zu machen, bei alternativen Indikatoren schon. Die schlechten Arbeitsmarktzahlen widersprechen dem überraschend positiven Einkaufsmanagerindex, der eine relativ positive Erwartungshaltung der „Firmeneinkäufer“ an den Tag gebracht hatte. Das Konjunkturbild erscheint damit weiterhin widersprüchlich.

          Die Volkswirte sowohl der Deutschen Bank als auch der Commerzbank weisen nach wie vor auf Risiken hin. Die Arbeitslosigkeit werde weiter steigen, so dass eine negative Beeinflussung der Konsumenten nicht gänzlich ausgeschlossen sein dürfte. Und die Konsumenten können in ihrer Gesamtheit die Wirtschaftsentwicklung stark beeinflussen.

          Börsen lassen sich kaum irritieren

          Die Finanzmärkte zeigen sich ihrer ersten Reaktion von der weiter steigenden Arbeitslosigkeit wenig beeindruckt. Gerieten die Börse unmittelbar nach der Veröffentlichung leicht ins Minus, so erholten sie sich danach leicht und pendeln nun um den Vortagesschluss. Händler erwarten keine dramatische Reaktion, höchstens die Glattstellung von Positionen vor dem Wochenende. „Wir haben in den vergangenen Tagen eine sehr erfreuliche Entwicklung gesehen und weiterhin einen positiven Unterton - wieso sollte sich das ändern“, formulierte einer seine Einstellung. Hohe Liquidität, „Window-Dressing“ der Fondsgesellschaften und Neueinsteiger auf den Zug nach oben könnten hier weiterhin für Auftrieb sorgen.

          Rentenmarkt spielt Zinswende

          An den Rentenmärkten kommt es jedoch weiter zu heftigen Kursverlusten. Der Bund-Future verlor bis zum späten Freitag-Nachmittag 81 Stellen auf 107,76 Prozent, der Future auf die 30-jährige Anleihe gibt dagegen mehr als 120 Stellen nach. Hier wird also weiter die „Zinswende“ gespielt. Immer mehr deutet sich ein neuer Trend nach unten bei den Kursen an. Was momentan dabei stört, das ist das relativ geringe Volumen“ formulierte ein Marktteilnehmer seine Einschätzung. Selbst wenn sich Notenbankchef Alan Greenspan am kommenden Dienstag bei der Notenbanksitzung nicht allzu positiv äußert, würde das wenig ändern. „Der Rentenmarkt ist derzeit so angeschlagen - das Einzige was hier noch helfen könnte, das wäre eine handfeste politische Krise“, sagte ein Händler. Die erwartete Leitzinssenkung hätte damit kaum noch Einfluss.

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