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Genussscheine : Kampf um Prokons Zukunft

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Stehen die Windräder bald still? Bild: dpa

Bewegung im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Windkraftkonzerns Prokon: Das Amtsgericht hat Geschäftsführer Rodbertus entmachtet, der hat sich mit den „Freunden“ des Unternehmens überworfen. Das Insolvenzverfahren zeichnet sich ab.

          Bei dem angeschlagenen Windkraft-Unternehmen Prokon in Itzehoe (Kreis Steinburg) zeichnet sich nun doch die Einleitung eines Insolvenzverfahrens ab. Die Fortführung des Betriebs sei in Kernbereichen aber auch in diesem Fall gesichert, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin am Donnerstag in Hamburg mit. Die Sanierung der Prokon Regenerative Energien GmbH mit rund 480 Mitarbeitern zeige „erste Erfolge“. Das Amtsgericht Itzehoe werde voraussichtlich im Mai über die Eröffnung des Insolvenzverfahren entscheiden.

          Prokon hatte im Januar die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt, nachdem es ausgegebene Genussrechte nicht mehr zurücknehmen und keine Zinsen mehr leisten konnte. Rund 74 000 Anleger haben knapp 1,4 Milliarden Euro in das Unternehmen investiert und bangen um ihr Geld.

          Am Mittwoch hatte das Amtsgericht Itzehoe die Verfügungsgewalt von Geschäftsführer Carsten Rodbertus‘ weiter beschnitten. Zur Sicherung der künftigen Insolvenzmasse und zur Aufklärung des Sachverhalts wurde Prokon ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegt. Die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen ist auf den vorläufigen Insolvenzverwalter übergegangen. Zuvor durfte der Geschäftsführer noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters verfügen. Auch Prokons Schuldner dürfen nur noch gegenüber dem Insolvenzverwalter leisten.

          Rodbertus versucht abermals Alleingang

          Derweil versucht der entmachtete Rodbertus eine Genossenschaft aufzubauen. Am 7. März sei die „Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft eG in Gründung“ auf den Weg gebracht worden, jetzt müssten noch die notwendigen Anträge beim Genossenschaftsverband gestellt und dort genehmigt werden. Dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin seien die Pläne bekannt.

          Im Januar hatte das Unternehmen aus Itzehoe (Schleswig-Holstein) eine vorläufige Insolvenz angemeldet. 75.000 Anleger hatten Prokon etwa 1,4 Milliarden Euro Kapital zur Verfügung gestellt. Ob Prokon tatsächlich insolvent ist, soll sich bis Ende April entscheiden.

          „Freunde“ zweifeln an Rodbertus' Kompetenz

          Umstritten ist bereits die noch nicht genehmigte Satzung der Genossenschaft. Noch am 14. März hatte der Verein „Freunde von Prokon“ vermeldet, gemeinsam mit Rodbertus an einer Satzung zu arbeiten. Doch zu Begin dieser Woche kam es zum Bruch: Rodbertus habe zwar das Gespräch gesucht, sich aber letztlich nicht kooperationsbereit gezeigt.

          Im aktiven Kreis habe es auch unterschiedliche Einschätzungen nicht nur hinsichtlich der Bereitschaft zu echter Mitbestimmung, sondern auch zunehmend Zweifel an Rodbertus‘ wirtschaftlichen Entscheidungen gegeben. Völlig überrumpelt wurde der Verein von Rodbertus‘ Start einer Internet-Seite, auf der dieser für die Genossenschaft wirbt. Der Verein will nun eigene Vorstellungen für den bestmöglichen Erhalt der Genussrechte entwickeln.

          Rodbertus habe eine Vision praktisch ausgenutzt, die in den Köpfen und Herzen von vielen Menschen lebe: Ein ökologisches und soziales, von Großbanken freies Unternehmen. Die dazu notwendige Führungskultur habe er jedoch nicht entwickelt. Im Alleingang sei er deshalb auch in die Krise geraten.

          Rodbertus weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet den Verein als bunt zusammengewürfelten Haufen, der sich in mehrere Parteien aufspalten werde. Den Vorstand der Genossenschaft solle eine spätere  Mitgliederversammlung wählen. Rodbertus räumte ein, seine Handlungsspielräume seien wegen des vorläufigen Insolvenzverfahrens gering und könnten bei der Eröffnung eines regulären Verfahrens auf Null gehen. Die Genossenschaft solle Perspektiven bieten: neues Kapital einwerben und Mitglieder gewinnen.

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