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Finanzunternehmen in der Krise : Japans Großbanken vor schweren Zeiten

Nobuyuki Hirano Bild: Reuters

Der Negativzins drückt auf die Aussichten von Japans Großbanken. Ein Gewinnrückgang ist zu erwarten.Die Bank von Japan will Anleger mit negativen Zinsen zum Risiko ermutigen. Aber geht das gut?

          2 Min.

          Als Folge der Negativzinspolitik der japanischen Zentralbank richten die Großbanken des Landes sich auf magerere Zeiten ein. Mitsubishi UFJ Financial Group und Mizuho Financial Group, die, gemessen an der Bilanzsumme, größten Banken des Landes, prognostizieren für das im April begonnene Geschäftsjahr einen Rückgang des Gewinns um knapp 11 Prozent. „Das schwere Geschäftsumfeld mit ultraniedrigen Zinsen dauert mit der Negativzinspolitik an“, sagte Nobuyuki Hirano, der Vorstandsvorsitzende von Mitsubishi UFJ, am Montag bei der Vorlage des Jahresabschlusses in Tokio. Hirano ist einer der schärfsten Kritiker der Negativzinspolitik in Japan. Er wirft der Zentralbank vor, die Verbraucher zu verunsichern und die Kreditgeber zu schwächen. Mitsubishi UFJ rechnet für das im April begonnene Geschäftsjahr mit einem Gewinnrückgang um 10,7 Prozent auf 850 Milliarden Yen (6,9 Milliarden Euro).

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mizuho, die zweitgrößte Bank, erwartet ein Gewinnminus von 10,6 Prozent auf 600 Milliarden Yen. Mehr als die Hälfte des erwarteten Gewinnrückgangs führt die Bank darauf zurück, dass der Negativzins generell die Zinsspanne drückt. Mizuho beziffert die erwartete Belastung in diesem Geschäftsjahr auf 40 Milliarden Yen (325 Millionen Euro). Sumitomo Mitsui, die drittgrößte Bank Japans, erwartet einen negativen Effekt von 20 Milliarden Yen. Sumitomo ist die einzige der Großbanken, die für dieses Geschäftsjahr mit 700 Milliarden Yen einen um 8 Prozent größeren Überschuss prognostiziert. Mit einem Minus von 14 Prozent auf 647 Milliarden Yen in den im März beendeten Geschäftsjahr aber steht Sumitomo unter den drei Bankengruppen aktuell am schlechtesten da.

          Stärkere Ermutigung zum Risiko

          Grund sind unter anderem Wertberichtigungen auf eine Investition in Indonesien und Rückstellungen für Zinsrückzahlungen an japanische Verbraucher. Mizuho ist die einzige der drei Banken, die im vergangenen Jahr ihren Gewinn steigerte, und zwar um 9,6 Prozent auf 671 Milliarden Yen. Grund sind unter anderem Gewinne durch den Verkauf von Aktien im Wert von 206 Milliarden Yen, um gemäß dem neuen Kodex zur Unternehmensführung Überkreuzbeteiligungen zu verringern.

          Durch die Bilanzen der drei Banken zieht sich als Gemeinsamkeit, dass die Kreditkosten teils drastisch steigen, auch als Folge von Ausleihungen für Energieprojekte im Ausland. Zudem sind die Nettozinsüberschüsse im vergangenen Jahr um 3 Prozent (Mitsubishi) bis 11 Prozent (Mizuho) gesunken, was den negativen Effekt der Geldpolitik verdeutlicht, der durch den Schwenk zum Negativzins noch verschärft wird.

          Die Bank von Japan erhebt seit Februar auf Teile der Überschussreserven der Geschäftsbanken einen negativen Zins von 0,1 Prozent. Damit will sie erreichen, dass das Zinsniveau insgesamt sinkt und so Anleger und Investoren stärker zum Risiko ermutigt werden. Kritiker befürchten, dass die mit dem Negativzins verbundene Last für die Geschäftsbanken diese zu einer zurückhaltenderen Kreditvergabe verleiten könnten. Der Zentralbank sind diese Sorgen nicht fremd. Durch kleinere technische Korrekturen hat sie in den vergangenen Wochen die Belastung für die Geschäftsbanken durch den Negativzins schon etwas verringert.Die Banktitel sind am Aktienmarkt in Tokio in diesem Jahr bislang die größten Verlierer. Der Topix-Branchenindex hat seit Januar 32 Prozent verloren. Mitsubishi UFJ kündigte indes an, für bis zu 100 Milliarden Yen bis zu 1,67 Prozent des Bestands eigener Aktien zurückzukaufen.

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