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Japan : Investoren verkaufen Euroanleihen

Japans Finanzminister Jun Azumi verschärft den Ton Bild: AFP

Japanische Anleger bauen ihre Anleihebestände vor allem aus Italien, Spanien und Griechenland deutlich ab. Die Regierung will den Euroraum aber weiter unterstützen.

          Immer mehr institutionelle japanische Anleger ziehen sich seit einiger Zeit in großem Stil aus den Anleihen der Euro-Krisenländer zurück. Wie am Dienstag in Tokio gemeldet wurde, hat sich die japanische Großbank Nomura massenhaft von Staatsanleihen aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien getrennt. Das Engagement in diesen Ländern sei seit Anfang Oktober um rund 75 Prozent abgebaut worden, hieß es. Allein in Italien habe Nomura seine Investitionen um 80 Prozent heruntergefahren. Offizielle Bestätigungen der Bank gab es in Tokio zu diesen Zahlen allerdings nicht.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Schon am Vortag war der größte japanische Fonds, der „Global Sovereign Open Funds“, der in dem ostasiatischen Land unter dem Namen „Glosov“ bekannt ist, angesichts fallender Kurse aus Anleihen Spaniens, Italiens und Belgiens ausgestiegen. Aktuell seien nur noch deutsche, finnische und niederländische Titel in dem Fonds vertreten, teilte die Kokusai Asset Management mit, die den Fonds verwaltet. Zuvor waren private Investoren aus dem Fonds ausgestiegen, um Verluste zu vermeiden. Griechische Titel hatte Glosov bereits Ende 2009 komplett verkauft. Die Gewichtung der Anleihen aus der Eurozone im 25 Milliarden Dollar schweren Fonds hat sich mit den Verkäufen auf 15,9 Prozent halbiert. Der Fonds will sich jetzt auf Bonds aus Kanada, Australien, Schweden und Norwegen konzentrieren, die über starke Währungen verfügen.

          Banken und Versicherungen trennen sich von Euroanleihen

          Nomura soll seine Anlagen in Staatsanleihen und anderen Wertpapieren aus Italien in den vergangenen beiden Monaten von umgerechnet 2820 auf 467 Milliarden Dollar gesenkt haben. Die Investitionen in Europa seien heute nur noch ein Viertel des Bestandes vom 30. September, hieß es in Tokio. Der verstärkte Kapitalabfluss aus dem Euroraum in Richtung Japan und andere asiatische Länder gilt unter Marktbeobachtern auch als einer der Gründe für die Schwierigkeiten Deutschlands in der vergangenen Woche, Bundesanleihen zu plazieren. Nach Angaben von Thomson Reuters halten asiatische Investoren allerdings nur vier Prozent der Schulden aller Mitgliedstaaten der EU.

          Wie die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete, hat auch der Mizuho Trust, der Pensionsfonds mittelständischer Unternehmen verwaltet, seinen Anteil europäischer Anleihen auf 8 Prozent gesenkt. Banken und Versicherungen trennten sich zunehmend von Euro-Anleihen. Die Sumitomo Lebensversicherung reduzierte ihren Anteil ausländischer Anleihen von 13 auf 10 Prozent und trennte sich mit diesem Schritt von Euro-Anleihen.

          Japans Hilfe nicht uneigennützig

          Im Gegensatz zur Flucht der privaten Anleger hält Japans Regierung an ihrer Ankündigung fest, den Euroraum weiter zu unterstützen. Im Januar hatte das Land damit begonnen, Anleihen der Europäischen Finanzstabilitätsfazilität (EFSF) zu kaufen. Der neue Finanzminister Jun Azumi hatte den weiteren Kauf von Anleihen auch Ende September beim Treffen der G 20 weiter zugesagt. Seit einigen Tagen verschärft allerdings auch Azumi den Ton, ohne allerdings von den Zusagen abzurücken. Er appellierte vor allem an die Bundesregierung, beim Aufbau eines Schutzwalls für den Euro eine größere Rolle zu spielen. „Ich denke, es ist an der Zeit für Deutschland, besonders hart zu arbeiten“, sagte er.

          Japan hilft in der Euro-Schuldenkrise nicht uneigennützig. Japans Exportwirtschaft leidet nicht nur unter dem gegenüber Euro und Dollar immer stärker werdenden Yen. Japans Wirtschaft würde auch besonders darunter leiden, wenn sich infolge dieser Krise die Weltkonjunktur abschwächen sollte.

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