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Islamisches Banking : Eigenkapital ist gottgefällig - Zinsnahme nicht

Nach Buiter würde der Schuldner seine Schuld als Miete abtragen, die seinen Besitzanteil am Objekt stetig steigert. So können Mieter oder Bewohner nicht aus dem Haus geworfen werden, wenn sie nur diese wiewohl kleinen Vertragszahlungen erfüllen. Auch die Bank geht nach Buiters Modell nicht leer aus: Anstatt von Anbeginn Zinsen zu generieren, erhält sie eine dem Marktpreis angepasste Miete.

In Einklang mit dem Markt

So wäre die Bank gezwungen, stets in Einklang mit dem Markt zu handeln und auf einen steigenden Mietenspiegel zu hoffen, der mindestens der Inflationsrate entspricht. Das Risiko teilen sich Bank und Kunde, eine gewissenhaftere Risikobewertung der Banken wäre die Folge. Der Schuldner wiederum ist mittels Religion zur Zahlung verpflichtet. Denn Schulden müssen jederzeit durch Vermögen gedeckt sein. „Man bekommt kein Totengebet, bevor die Schulden nicht bezahlt sind“, sagt Michael Saleh Gassner, der die islamischen Märkte für eine Schweizer Privatbank beobachtet, lange am Golf gelebt hat und im Zentralrat der Muslime für die Zertifizierung islamischer Finanzprodukte zuständig ist.

Überhaupt untersagt das islamische Recht unkalkulierbare Risiken. Eine hohe Unsicherheit bei Vertragsabschluss ist verboten, wenn der Vertragsgegenstand nicht eindeutig identifiziert werden kann - oder ihn der Verkäufer noch nicht einmal besitzt: „Das ist so wie ein ungeborenes Kamel“, sagt Ökonom Gassner. Ein Scharia-Expertenrat bestimmt im Einzelfall, was erlaubt oder verboten ist.

„Glückwunsch, Sie sind jetzt Anteilseigner.“

Willem Buiter empfiehlt nun, dieses Prinzip auch auf Staatsschulden zu übertragen. Als verbriefte Sicherheit schlägt der Niederländer keine Immobilien, sondern einen variablen Aufschlag vor, angepasst an das Bruttoinlandsprodukt - allerdings unter der Bedingung, dass die entsprechende Statistikbehörde unabhängig vom Staat ist, der die Anleihe ausgibt.

Ähnliches läuft schon bei Unternehmerdarlehen. So ist die Bank am unternehmerischen Risiko des finanzierten Vorhabens mit einer Anleihe als verbrieftem Sachwert beteiligt. Der Gläubiger wird im Zweifelsfall Anteilseigner. Und so schlägt Buiter statt einer Insolvenz einen Massenbrief an die Gläubiger vor: „Glückwunsch, Sie sind jetzt Anteilseigner. Für eine Zeit wird es keine Dividenden oder Aktienrückkäufe geben.“ Ob sich eine hiesige Bank jemals darauf einlässt, bleibt allerdings abzuwarten.

Im Westen ist Fremdfinanzierung Trumpf

Islamische Finanzregeln bevorzugen jedenfalls Eigenkapital, während im Westen Fremdfinanzierung Trumpf ist. Michael Gassner sieht dahinter ein systemisches Problem: „Verzinsliche Finanzprodukte sind hoch reguliert, damit subventioniert und zusätzlich durch staatliche Garantien nochmals subventioniert - Eigenkapital hat keine vergleichbare Lobby.“

Wenn aber die laufenden Ratenzahlungen von Unternehmen oder Banken durch Eigenkapital gedeckt seien, wären sie auch nicht insolvenzgefährdet - und somit nicht von der Kreditklemme betroffen. Das sei in Deutschland leider Utopie: „Zehn Prozent Eigenkapitalquote bei Firmen ist doch ein Scherz“, sagt Gassner. Das islamische Finanzwesen stehe für Maß, Realitätssinn und Anstand. Deutsche Tugenden eigentlich.

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