https://www.faz.net/-gv6-82hpp

Amerikanischer Starinvestor : Bill Gross wettet gegen Bundesanleihen

Vermögensverwalter Bill Gross hält deutsche Bundesanleihen für überbewertet Bild: Reuters

Zunächst hat er nur dazu aufgerufen, jetzt setzt er selber auf eine Abwertung deutscher Bundesanleihen. Der Starinvestor hält sie für massiv überbewertet.

          2 Min.

          Negative Zinsen bei zehnjährigen Bundesanleihen hat es bislang noch nicht gegeben. Doch rechnen die meisten Marktteilnehmer damit auf absehbare Zeit, denn gegen die Feuerkraft der Europäischen Zentralbank (EZB) ist so schnell nichts auszurichten. Ihre Anleihekäufe von 60 Milliarden Euro im Monat, davon rund 10 Milliarden Euro für Bundesanleihen, lassen daran keinen Zweifel aufkommen. Doch nun wagt sich der Starinvestor Bill Gross aus der Deckung. Der frühere Manager und Gründer der auf Anleihen spezialisierten Fondsgesellschaft Pimco, einer Einheit des Allianz-Konzerns, bezeichnete die Bundesanleihen als überbewertet. Im Jargon der Finanzmärkte verglich er seine Wette gegen deutsche Staatsanleihen als „short of a lifetime“, also als einmalige Gelegenheit, auf Kursverluste zu setzen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Marktmeinung von Gross hatte Gewicht, als er den zu Spitzenzeiten mehr als 290 Milliarden Dollar Euro schweren Rentenfonds Pimco Total Return leitete. Doch Pimco verließ er im September 2014, und viele Anleger zogen ihre Mittel dort ab. Dass der Pimco Total Return nur noch 117,4 Milliarden Dollar verwaltet, dafür ist aber nicht der Weggang von Gross die Ursache.

          Denn der Fonds verzeichnete 23 Monate in Folge Abflüsse, auch weil die Anleger von der Entwicklung enttäuscht waren. Gross hatte zu früh auf steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten und damit auf Kursverluste amerikanischer Staatsanleihen gewettet. Die Wette ging nicht auf, entsprechend schwach fielen die Resultate seines Fonds aus. Nun verantwortet Gross für den Vermögensverwalter Janus einen Rentenfonds mit einem Volumen von 1,46 Milliarden Dollar.

          Jedoch dürften mittlerweile viele Anleger darauf hoffen, dass die neue Wette von Gross aufgeht. Blickt man auf die Neuemissionen der vergangenen Tage, vergeht einem die Lust, in zinstragende Papiere zu investieren. Ein Beispiel liefert die im Januar 2017 fällig werdende Anleihe von Hamburg, die mit null Prozent verzinst wird. Die Hansestadt kann sich also für 21 Monate zum Nulltarif 400 Millionen Euro borgen.

          Höhere Zinsen gibt es nur mit mehr Risiko

          Das Bundesland Hessen bietet für eine zehnjährige Anleihe einen Zinskupon von 0,25 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die zehnjährige Bundesanleihe abwirft. Deren Rendite lag am Mittwoch bei 0,1 Prozent, was aber schon wieder doppelt so hoch ist wie das vor kurzem erreichte Rekordtief von knapp 0,05 Prozent.

          Wer höhere Zinsen will, muss ins Risiko gehen. Diese Binsenweisheit nutzen immer mehr deutsche Unternehmen, um Nachranganleihen zu begeben. Mit diesen dem Eigenkapital nahestehenden Titeln verbessern sie gegenüber Ratingagenturen ihre Bonitätsnote, was in Zukunft am Anleihemarkt und bei Banken günstigere Finanzierungsmöglichkeiten sichert. Nach dem Pharma- und Chemiekonzern Bayer sowie dem Versorger RWE hat nun auch der Medienkonzern Bertelsmann solche Titel über insgesamt 1,25 Milliarden Euro begeben.

          Bild: F.A.Z.

          Die erste Tranche über 650 Millionen Euro hat einen Kupon von 3 Prozent. Bertelsmann kann diesen Titel erstmals nach acht Jahren kündigen und vorzeitig zurückzahlen. Die zweite Tranche über 600 Millionen Euro kann erstmals nach zwölf Jahren gekündigt werden. Dafür erhält der Anleger einen jährlichen Zins von 3,5 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaaktivisten von Fridays for Future auf einer Demonstration im September in Frankfurt

          Hanks Welt : Mehr Diktatur wagen?

          Sollen wir unsere ordnungspolitischen Prinzipien über Bord werfen und den Klimawandel so autoritär bekämpfen wie die Pandemie?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.