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Internationaler Finanzmarkt : Weihnachtsgeschenk treibt Langfristzinsen

Bild: F.A.Z.

Die Vereinigten Staaten schieben ihre Wirtschaft mit immer höheren Schulden an. Trotz aller Kritik führt dies jedoch nicht zu einer Flucht aus Dollar-Anlagen. Die Renditen auf Staatsanleihen steigen.

          Das Weihnachtsgeschenk von Barack Obama für das amerikanische Volk kam dieses Jahr schon zum Nikolaustag. Die Einigung des Präsidenten mit den Republikanern in der Steuerpolitik verhindert, dass die privaten Haushalte und Unternehmen im kommenden Jahr mit höheren Steuern belastet werden. Das Paket fiel noch üppiger aus, als an den Finanzmärkten erwartet worden war. Um 858 Milliarden Dollar wird die Staatsschuld in den kommenden zehn Jahren steigen – der Löwenanteil davon sind befristete Steuer- und Sozialabgabensenkungen in den kommenden zwei Jahren. Obama ringt zwar noch um die Zustimmung seiner Demokraten im Kongress. In Washington aber rechnet niemand ernsthaft damit, dass das Unterfangen scheitern wird.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Anleger und Händler nahmen den Kompromiss positiv auf. Zusammen mit dem schon Anfang November von der Zentralbank Federal Reserve (Fed) beschlossenen Ankauf von Staatsanleihen von 600 Milliarden Dollar gönnen sich die Vereinigten Staaten zum Fest ein zweifaches Konjunkturpaket, das die konjunkturellen Aussichten deutlich verbessert. Die Aktienindizes an der Wall Street stiegen im Wochenverlauf, wenn auch deutlich weniger schnell als in der Vorwoche. Der Dow-Jones-Index legte nach der Einigung um 0,3 Prozent auf 11.410 Punkte zu, der breiter gefasste S&P-500-Index um 1,3 Prozent auf 1240 Punkte.

          Auf mittlere Sicht Inflationsrisiken

          Gleichzeitig steigen die langfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten. Zum Wochenschluss lag die Rendite für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bei 3,32 Prozent – zwei Drittel Prozentpunkte höher als am Tag der geldpolitischen Lockerung durch die Fed, einen Drittel Prozentpunkt höher als zu Wochenbeginn und vor allem höher als im September, als die ersten Spekulationen auf einen weiteren geldpolitischen Schub aufkamen. Pessimisten fürchten, dass der Anstieg der Renditen in aufkommenden Inflationsängsten gründet, weil die Zentralbank mehr monetäre Liquidität in die Wirtschaft pumpt. Dem steht nach Ansicht von Barclays Capital allerdings entgegen, dass die realen Renditen der inflationsbereinigten Staatsanleihen noch stärker gestiegen sind.

          Angesichts der immer noch in großem Umfang brachliegenden Kapazitäten in der Wirtschaft und der hohen Arbeitslosigkeit ist auch schwer ersichtlich, wo kurzfristig Inflationsdruck in Amerika aufkommen soll. Die hohe monetäre Liquidität birgt freilich auf mittlere bis lange Sicht Inflationsrisiken. An den Märkten wird dieses Risiko noch nicht gespielt. Die Inflationserwartungen haben sich nach Wochen der Deflationssorgen zuletzt normalisiert, meinen die Volkswirte der Dekabank.

          Keine Flucht aus Dollar-Anlagen

          Trotz der scharfen nationalen und internationalen Kritik an der zweiten Runde der quantitativen Lockerung durch die Fed hat das Vorgehen offenbar nicht zu einer Flucht aus Dollar-Anlagen geführt. Vielmehr hat die amerikanische Währung an den Devisenmärkten in den vergangenen Wochen an Wert zugelegt. Gegenüber dem Euro ist der Dollar-Kurs seit der Fed-Entscheidung um rund 10 Cent auf 1,32 Dollar je Euro gesunken. Auch der Yen hat zur Erleichterung der Regierung in Tokio gegenüber dem Dollar nachgegeben. All das deutet nicht auf eine Flucht aus der Weltleitwährung hin.

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