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Internationaler Finanzmarkt : Vertrauen in die Banken wächst ein Stück

Bild: F.A.Z.

In Europa finden unbesicherte Bankanleihen Käufer - überraschend, da zuletzt sogar der Markt für Pfandbriefe zumindest für südeuropäische Banken komplett verschlossen war. In Amerika klettern die Aktienkurse kräftig, während die Diskussion über eine drohende Deflation an Gewicht gewinnt.

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          Banken bekommen in freier Wildbahn wieder Geld. Mit dieser Feststellung gehen Investmentbanker jetzt erstmals seit drei Jahren gelassen in die Sommerferien. Auf dem Markt für besicherte Bankanleihen (Pfandbriefe) herrscht, abgesehen von einem neuen Pfandbrief von Crédit Agricole, Sommerpause. Aber plötzlich hat sich der Markt für unbesicherte und damit riskantere Bankanleihen geöffnet. Dies ist überraschend, denn in den vergangenen Monaten war sogar der Markt für Pfandbriefe zumindest für südeuropäische Banken komplett verschlossen gewesen. Hier färbte das Misstrauen der Anleger gegen hochverschuldete Staaten auf Banken ab. Konnten die europäischen Banken im Februar noch 90 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, waren es im Juni weniger als 25 Milliarden Euro.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Schneise in die freie Wildbahn haben jetzt zunächst Banken aus dem hohen Norden geschlagen. Die skandinavischen Banken Nordea und DNB Nor liehen sich als erste vor zwei Wochen unbesichert Geld für zehn Jahre. In der vergangenen Woche setzte sich das fort. 10 Milliarden Euro sammelten zwei Handvoll europäische Banken mit unbesicherten Anleihen ein. Darunter war allerdings mit der italienischen Intesa nur eine Bank aus einem südeuropäischen Land. Auch mussten für fünf Jahre Laufzeit etwa die Schweizer UBS und die britisch-asiatische Bank HSBC mit Renditeaufschlägen von 150 und 110 Basispunkten auf den 2,2 Prozent betragenden Mid-Swap-Zinssatz den Anlegern deutlich mehr bieten als vor der Krise.

          Vertrauen der Banken untereinander wächst

          Vor allem Versicherer haben dem Vernehmen nach zugegriffen. Sie dürfen zwar nur einen geringen Prozentsatz ihrer Anlagen in die riskanten unbesicherten Bankanleihen stecken. Aber viele Versicherer hatten offenbar nach der Emissionsflaute diese Ersatzdeckungsmittel nicht mehr ganz ausgeschöpft und konnten nachlegen. Lebensversicherer suchen im niedrigen Zinsumfeld händeringend nach Rendite. Sie haben ihren Versicherten einen Garantiezins von 2,25 Prozent versprochen. Mit Staatsanleihen lässt sich der kaum erwirtschaften. Bundesanleihen mit fünf Jahren Laufzeit rentieren derzeit mit 1,6 Prozent. Wer sich zehn Jahre bindet, bekommt einen Prozentpunkt mehr.

          Liquiditätsklemme verhindern: Die EZB hatte vor einem Jahr den Banken zum Zins von 1 Prozent so viel Geld geliehen, wie diese haben wollten
          Liquiditätsklemme verhindern: Die EZB hatte vor einem Jahr den Banken zum Zins von 1 Prozent so viel Geld geliehen, wie diese haben wollten : Bild: ddp

          Neben Versicherern sollen auch Banken unbesicherte Anleihen von Konkurrenten gekauft haben. Schon vor der Veröffentlichung der Stresstests am 23. Juli, mit denen die Krisenanfälligkeit von 91 Banken gemessen werden soll, wächst das Vertrauen der Banken untereinander offenbar. Zwar geben Analysten zu bedenken, die Stressannahmen seien zu lasch, und jede Bank werde daher den Test bestehen. Doch ohnehin hat die Veröffentlichung der Stresstests, die von den Aufsichtsbehörden seit langem im Geheimen angewendet werden, ein starkes psychologisches Element, das schon im Voraus zu wirken scheint. Dies zeigt sich auch am Geldmarkt.

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