https://www.faz.net/-gv6-15lsn

Internationaler Finanzmarkt : Südeuropas Banken bleiben dem Markt fern

Der letzte wichtige Emittent aus einem südeuropäischen Land: Banco Santander aus Spanien Bild: REUTERS

Die Renditeschere zwischen deutschen und südeuropäischen Adressen am Pfandbriefmarkt klafft auffällig auseinander. Es ist das Misstrauen der Anleger in die Euro-Südstaaten, das auf die Banken abstrahlt. Die amerikanische Wirtschaft erholt sich indes schneller als der Euro-Raum.

          4 Min.

          Der Markt für Pfandbriefe europäischer Banken ist nach den Turbulenzen um Griechenland nur noch eingeschränkt offen. Diese Einschätzung ist zumindest hinter vorgehaltener Hand in Konsortialabteilungen von Banken zu hören. Sie helfen bei der Plazierung dieser eigentlich besonders risikoarmen Anleihen. Doch keine Bank aus den mit Griechenland in Verruf geratenen Südstaaten Portugal, Spanien und Italien habe sich in den vergangenen drei Wochen auf den Markt für gedeckte Schuldverschreibungen gewagt. Banco Populare zum Beispiel, immerhin Mitglied im italienischen Aktienindex Mib 30, sei auf Werbetour vor Anlegern gewesen. Die italienische Bank habe aber offenbar kein Zutrauen, wie gewünscht eine Milliarde Euro zu akzeptablen Bedingungen aufnehmen zu können.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Banco Santander ist der letzte wichtige Emittent aus einem südeuropäischen Land, der Ende Januar den Markt für gedeckte Bankschuldverschreibungen betrat. Damals sammelte Spaniens größte Bank eine Milliarde Euro für fünf Jahre mit einem Zinsaufschlag von 50 Basispunkten zum Swapsatz ein. Inzwischen hat sich der Aufschlag dieser Anleihe zum derzeit 2,75 Prozent betragenden Swap-Satz auf 80 Basispunkte ausgeweitet. Weniger bekannte Adressen aus Südeuropa müssten nun vermutlich dreistellige Zinsaufschläge bieten, um Anleger zu finden. Dies ist ihnen offenbar zu teuer. Sie bleiben dem Markt lieber fern.

          Die Renditeschere klafft auseinander

          Deutsche Banken finanzieren sich dagegen unverändert leicht. Die zum Genossenschaftssektor gehörende WL-Bank zum Beispiel musste Anlegern in der vergangenen Woche für einen fünfeinhalb Jahre laufenden Pfandbrief einen Aufschlag auf den Swap-Satz von nur 8 Basispunkten zahlen. Und die angeschlagene West LB fand für ihren fünf Jahre laufenden Pfandbrief Nachfrage, obwohl sie lediglich 20 Basispunkte Aufschlag bot. Die Renditeschere zwischen deutschen und südeuropäischen Adressen am Pfandbriefmarkt klafft auffällig auseinander. In der Europäischen Zentralbank, deren 60 Milliarden Euro großes Pfandbrief-Ankaufprogramm bald ausläuft, ist denn auch die Sorge vor Turbulenzen an diesem für die Refinanzierung der Banken so wichtigen Markt groß.

          Dabei hat sich in der vergangenen Woche die Lage auf anderen Finanzmärkten beruhigt. Spanien konnte reibungslos eine Anleihe mit fünfzehn Jahren Laufzeit plazieren. Und die Aktienindizes in Amerika und Europa haben sich erholt. Der Dax stieg zum ersten Mal seit einem Monat auf mehr als 5700 Punkte. Dass aber wegen der nach wie vor schwelenden Vertrauenskrise um Griechenland Anlagen außerhalb des Euro-Raums besonders gefragt sind, zeigt der Blick nach Zürich. Dort weist der Schweizer Aktienindex SMI den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr auf. Griechenland indes scheint entschlossen, das brüchige Vertrauen der Anleger schnell zu testen. Offenbar noch in dieser Woche soll eine Euro-Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit begeben werden. Anleger stellen sich auf attraktive Konditionen ein, nachdem die Hellenen zuletzt einen Kupon von 6,1 Prozent bieten mussten.

          Strengere Maßstäbe für neue Euro-Beitrittskandidaten?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
          Die 28 Jahre alte Annalena Baerbock 2009 auf dem Landesparteitag von Bündnis90/Die Grünen in Angermünde (Uckermark).

          Buch von Annalena Baerbock : Ein konsensfähiges Leben

          Wenn irgendwo was rumliegt, räumt sie es auf: Wie Annalena Baerbock in ihrem Buch „Jetzt“ die neue Rolle der Grünen zu verkörpern versucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.