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Internationaler Finanzmarkt : Griechen mögen keine merkwürdigen Typen

Bild: F.A.Z.-Kai

Seitdem die EU-Staaten auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel Nothilfen für Griechenland in Aussicht gestellt haben, hofft Athen auf einen Vertrauensschub - bislang vergeblich. Das interessiert die Aktienmärkte aber nicht.

          Keine Sorge, die Überschrift dieses Artikels soll keine jener despektierlichen Übungen in Völkerpsychologie einleiten, die in den vergangenen Wochen zunehmend in der deutschen und griechischen Öffentlichkeit zu vernehmen waren. Das jüngste Beispiel lieferte der stellvertretende griechische Premierminister Theodoros Pangalos, der Deutschland in einem Gespräch mit einer portugiesischen Zeitung „eine moralisierende und rassische Herangehensweise“ gegenüber seinem Land vorgeworfen hat, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe.

          Pangalos verwies zur Begründung unter anderem auf erhebliche Produktivitätssteigerungen in der griechischen Industrie. Der Titel „Griechen mögen keine merkwürdigen Typen“ ist nichts mehr als eine etwas freie Übersetzung eines 30 Jahre alten Titels der Eagles („The Greeks don‘t want no Freaks“), und wer das Lied kennt, weiß, dass es in ihm recht lustig zugeht.

          Athen muss seine Mittel sehr teuer bezahlen

          An den internationalen Kapitalmärkten kommt beim Thema Griechenland allerdings nach wie vor keine rechte Freude auf. Athen ist es in der Woche vor Ostern zwar gelungen, eine siebenjährige Anleihe über 5 Milliarden Euro mit Ach und Krach zu plazieren. Aber schon die überraschende Aufstockung einer wenig liquiden Anleihe mit einer Restlaufzeit von 12 Jahren um bis zu einer Milliarde Euro geriet zum Debakel, als nur Anleihen über 390 Millionen Euro verkauft werden sollen. Die Staatsschuldenagentur in Athen hat zudem angekündigt, in den kommenden Wochen eine Dollaranleihe auflegen zu wollen, um zusätzliche Investoren anzulocken.

          Was man an den Märkten von diesen Aktionen hält, ließ sich am Ostermontag an den Renditen der maßgebenden zehnjährigen Staatsanleihen ablesen: Die deutsche Bundesanleihe rentierte mit sehr niedrigen 3,08 Prozent, die griechische Staatsanleihe mit sehr hohen 6,51 Prozent. Der von Athen erhoffte Vertrauensschub als Folge der auf dem Brüsseler EU-Gipfeltreffen versprochenen Nothilfen ist bislang völlig ausgeblieben. Die Regierung hatte sich einen deutlichen Rückgang der Risikoprämien gegenüber den deutschen Bundesanleihen auf 200 bis 250 Basispunkte gewünscht. Stattdessen sind es rund 340 Basispunkte geblieben. Athen bekommt zwar das Geld, das es benötigt. Aber es muss diese Mittel sehr teuer bezahlen – vielleicht auf die Dauer zu teuer. An den Kapitalmärkten hat sich, wie die nach wie vor sehr hohen Risikoaufschläge für die Griechen-Anleihen belegen, die Ansicht durchgesetzt, dass ein Heraushauen Griechenlands um jeden Preis durch seine europäischen Partner keineswegs sicher ist.

          Der Konjunkturoptimismus bricht sich Bahn

          Die Fortdauer der griechischen Malaise hat jedoch nicht zu einer geografischen Ausbreitung der Krise geführt. Vizepremier Pangalos hat in dem bereits erwähnten Interview den Portugiesen zwar finster angekündigt: „Ihr könnten die nächsten sein.“ Doch obgleich die wirtschaftlichen Probleme Portugals unübersehbar sind, weigern sich die Märkte, alle Länder im Süden Europas in einen Hut zu werfen. Im Vergleich zu den 6,51 Prozent für eine griechische Anleihe muss der portugiesische Staat mit 4,16 Prozent sehr viel niedriger für eine zehnjährige Anleihe zahlen. In Spanien und Italien liegen die Renditen sogar unter der Marke von 4 Prozent. In Irland, wo die Regierung noch einmal Geld in die Bankbranche einschießen muss, rentieren staatliche Zehnjährige mit 4,42 Prozent.

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