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Internationaler Finanzmarkt : Anleger wittern Zinswende der EZB

Bild: F.A.Z.

Anleger rechnen für den Euroraum mit einem Ende der Leitzinserhöhungen und mit einer ersten Zinssenkung durch die EZB im ersten Quartal. Die Kehrtwende in den Zinserwartungen zeigt, wie schnell die Anleger auf Krise zurückgeschaltet haben.

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          Umfragen unter Einkaufsmanagern deuten für den Euroraum in den nächsten Monaten einen Rückfall in die Rezession an. Die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist am Freitag erstmals unter 2 Prozent gefallen. Wird Jean-Claude Trichet dennoch am Donnerstag die Schlüsselworte „strong vigilance“ (hohe Wachsamkeit) in den Mund nehmen, mit denen der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Leitzinserhöhung anzukündigen pflegt? Vor zwei Monaten schien das noch nahezu ausgemacht. Doch nun rechnen die Anleger an den Terminmärkten für den Euroraum mit einem Ende der Leitzinserhöhungen und mit einer ersten Zinssenkung durch die EZB im ersten Quartal.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kehrtwende in den Zinserwartungen zeigt, wie schnell die Anleger von Normalisierung auf Krise zurückgeschaltet haben. Schließlich hat sich in nahezu allen Regionen der Welt das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres spürbar verlangsamt. Die amerikanische Regierung zum Beispiel erwartet für ihr Land inzwischen nur noch 1,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Der Euroraum leidet neben der Wachstumsschwäche zusätzlich an Zweifeln, ob Griechenland zu sanieren ist, Italiens Regierung zum Sparen bereit ist und Frankreich seine Spitzenbonität („AAA“) behält. Mit Nervosität blicken die Anleger auch auf das Bundesverfassungsgericht. Es entscheidet am Mittwoch über die Rechtmäßigkeit des europäischen Rettungsschirms für die vom Kapitalmarkt abgeschnittenen Euroländer, dem Deutschland bis zu 211 Milliarden Euro an Bürgschaften stellen soll.

          Krisensymptome auf vielen Finanzmärkten

          Der Euro hat das Misstrauen der Anleger in die Reformfähigkeit des Euroraums in der vergangenen Woche zu spüren bekommen. Zu 15 wichtigen Währungen hat die Gemeinschaftswährung abgewertet – am stärksten zum Schweizer Franken, der 4,4 Prozent auf 1,11 Franken je Euro aufwertete. Bundesanleihen waren als Hort der Sicherheit ebenso gefragt wie Gold. Für eine Unze (31,1 Gramm) Feingold zahlten Anleger zum Wochenschluss 1875 Dollar, 85 Dollar mehr als eine Woche zuvor und kaum weniger als am 23. August, an dem mit 1913 Dollar der Rekordpreis erzielt wurde.

          Angesichts der Krisensymptome auf vielen Finanzmärkten ist es überraschend, wie stark das Geschäft mit neuen Pfandbriefen nach der Sommerpause wieder in Schwung gekommen ist. Europäische Banken sammelten mit 14 dieser mit Immobilienkrediten besicherten Schuldverschreibungen in zehn Tagen 19 Milliarden Euro ein. Die Banken zahlten dafür allerdings eine ungewöhnlich hohe Neuemissionsprämie. Um Anleger anzulocken, lägen die Renditen der neuen Papiere fast durchweg um 0,15 Prozentpunkte über schon gehandelten Papieren gleicher Laufzeit, heißt es in den Emissionsabteilungen der bei der Plazierung behilflichen Banken. Bis vor kurzem seien noch Neuemissionsprämien von weniger als 0,05 Prozentpunkten üblich gewesen.

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