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Internationaler Finanzmarkt : Amerikas Angst vor dem „Double Dip“

Bild: F.A.Z.

Die Kursverluste der vergangenen zwei Monate haben die Zugewinne des ersten Quartals mehr als aufgezehrt. Die jüngsten Konjunkturdaten schüren zudem die Sorgen der Anleger über eine abermalige Rezession.

          Die globale Industriekonjunktur schwächt sich ab. Dieses klare Signal setzten am vergangenen Donnerstag die Umfragen unter Einkaufsmanagern aus diversen Ländern der Welt. Nahezu überall verschlechterten sich daraufhin die Indizes, wobei das Minus in China, Australien und Südafrika besonders heftig ausfiel.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          China und Australien treten aus Angst vor der konjunkturellen Überhitzung zunehmend auf die geldpolitische Bremse. Der Wochentrend an den großen Aktienbörsen war mit den Umfragen endgültig besiegelt. Es ging abwärts. Von Tokio und Hongkong über Frankfurt und London bis nach New York und São Paulo verloren die wichtigsten Aktienindizes 4 Prozent und mehr. Die meisten Aktienindizes liegen am Beginn des dritten Quartals deutlich niedriger als zu Jahresbeginn. Die Kursverluste der vergangenen zwei Monate haben die Zugewinne des ersten Quartals mehr als aufgezehrt.

          Arbeitsmarktbericht versetzt Wall Street weiteren Rückschlag

          Dahinter steht die gerade in der Weltleitwirtschaft Vereinigte Staaten verbreitete Sorge, dass die Aufwärtskonjunktur abbricht und die Wirtschaft abermals in eine Rezession stürzen könnte. Die Angst vor einem „Double Dip“ geht um und drückt die Aktienkurse und den Ölpreis. Der Preis für ein Barrel Rohöl (zu 159 Litern) fiel am Freitag in Amerika um 1,1 Prozent auf 72,14 Dollar. Niedriger lag der Preis zuletzt Anfang Juni.

          Viele Wirtschaftsindikatoren in den Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Wochen die Erwartungen enttäuscht. Am Freitag versetzte der Arbeitsmarktbericht, nach dem im Juni 125.000 überwiegend öffentliche Stellen verlorengingen, der Wall Street einen weiteren Rückschlag. Die negative Stimmung verstärkte, dass der Auftragseingang der Industrie im Mai um 1,3 Prozent zurückging, zum ersten Mal seit neun Monaten. Die Furcht vor einem Überschwappen der europäischen Schuldenkrise und die moderatere Entwicklung am Arbeitsmarkt haben zugleich das Vertrauen der Konsumenten deutlich sinken lassen.

          Dennoch kein Fall in die Rezession prognostiziert

          Aufschlussreich und die Sorgen für die Vereinigten Staaten mindernd ist ein historischer Rückblick für die Vereinigten Staaten, den die Ökonomen der Citibank unternommen haben. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es demnach in Amerika nur eine Episode, in der ein Aufschwung abrupt abbrach und in eine abermalige Rezession mündete. Das war 1982, als der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Paul Volcker, die Zinsen drastisch anhob, um der Wirtschaft die Inflation der siebziger Jahre auszutreiben. Ein solcher mit Bedacht herbeigeführter Abschwung ist derzeit nicht zu erwarten.

          Die Ökonomen von der Citibank, von Goldman Sachs oder von Barclays Capital prognostizieren denn auch für die Vereinigten Staaten keinen Fall in die Rezession, sondern nur eine Abschwächung des Wachstums in den kommenden Quartalen. „Risiken einer schärferen Verlangsamung sind vorhanden, die Verteilung dieser Risiken ist aber immer noch ausbalanciert“, sagt Jan Hatzius von der Bank Goldman Sachs. Die Prognosen ähneln der etwa oft in Deutschland beobachteten M-förmigen Erholung, nach der es im Laufe einer Erholung nach rund einem Jahr zu einer zeitweisen Wachstumsdelle kommt. Eine solche ist in den Vereinigten Staaten auch darin angelegt, dass die fiskalischen Stimuli in den kommenden Quartalen abflauen werden.

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