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Instabiles Finanzsystem : Ansturm auf führendes Kreditinstitut in Burma

Burmas größte Bank: die Kanbawza Bank (KBZ) Bild: REUTERS

Nach der politischen Öffnung Burmas ist das Finanzsystem in der ehemaligen Militärdiktatur noch brüchig. Bei der führenden Privatbank KBZ kam es gerade zu einem Ansturm ihrer Anleger.

          In Burma ist es zum Sturm auf die führende Privatbank gekommen. Der „Bank-Run“ auf die Kanbawza-Bank (KBZ) zeigt, wie brüchig das entstehende Finanzsystem in dem sich öffnenden Land noch ist, in das internationale Investoren Milliarden pumpen wollen. Die Burmesen hoben an einem einzigen Tag mehr als 8 Milliarden Kyat (7,4 Millionen Euro) von ihren Konten bei der KBZ ab. Erst ein Einschreiten der gerade neu organisierten Zentralbank konnte die Panik eindämmen. KBZ kontrolliert rund ein Drittel des privaten Bankensektors in Burma und verfügt eigenen Angaben zu Folge über ein Kapital von rund 100 Milliarden Kyat.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Hintergründe des Ansturms auf die KBZ sagen viel über die Zustände in dem südostasiatischen Land, das sich nach Jahrzehnten unter der Knute der Militärdiktatur über Nacht öffnet. So machte in der Wirtschaftsmetropole das Gerücht die Runde, ein mit Drogen beladener Lastwagen der KBZ sei aufgebracht worden. Daraufhin sei ihr Vorsitzender des Verwaltungsrates, Aung Ko Win, festgenommen worden.

          Die „Cronies“ könnten angreifbar werden

          Allein dass den Menschen glaubhaft erscheint, dass ein Laster der KBZ für den Drogenschmuggel eingesetzt wird, spricht Bände: Die größte Privatbank des einstmals reichsten Landes der Region gehört zu einem Konglomerat, zu dem auch zwei Fluggesellschaften zählen, vor allem aber lukrative Abbaukonzessionen für Jade und Edelsteine im Norden Burmas. Es liegt in Händen von Aung Ko Win, der als einer der „Cronies“ Burmas gilt - einer derjenigen Multimillionäre, die es Dank ihrer Nähe zur ehemaligen Militärjunta zu riesigen Vermögen gebracht haben. Aung Ko Win ist ein Vertrauter von General Maung Aye, der einst der zweitstärkste Mann der Junta war. Er versorgte den KBZ-Chef, der ursprünglich Lehrer war, mit lukrativen Rohstofflizenzen. Deswegen findet sich der Name von Aung Ko Win und von Mitgliedern seiner Familie auf der Schwarzen Liste der Europäischen Union und der Amerikaner.

          Die Nähe zu einem der führenden Militärs des Landes ermöglichte es Aung Ko Win im Jahr 2010, noch vor der Öffnung Burmas, den Konkurrenten Cooperative Bank abzuwehren, als es zum Streit um den Besitz von Myanmar International Airways ging. KBZ bekam 80 Prozent der Anteile an der Fluggesellschaft zugesprochen. Die Cooperative Bank hingegen musste einen Sturm ihrer Anleger hinnehmen, die fürchteten, ihr Geld sei im Zweikampf mit dem mächtigen Vertrauten des Generals nicht mehr sicher.

          Dies fürchteten nun auch die Anleger der KBZ - denn aufgrund der politischen Öffnung Burmas erscheint es inzwischen sogar möglich, dass die bislang unangreifbaren „Cronies“ mit ihren schmutzigen Geschäften die Unterstützung der Regierung verlieren. „Die Zentralbank kann garantieren, dass alle privaten Banken gesund sind. Wir stellen sicher, dass sie alle den Regeln der Zentralbank folgen. Wir haben auch alle Besitzer überprüft, um sicherzustellen, dass sie ihr Geld legal verdient haben“, erklärte Win Thaw, der Stellvertretende Direktor der Notenbank, um die Anleger der KBZ-Bank zu beruhigen. Er unterstellte, die Gerüchte kämen von „Saboteuren“, die den gerade im Entstehen begriffenen Finanzmarkt Burmas angreifen wollten.

          Viele Jahre der Misswirtschaft und Ausbeutung

          Das Land, das sich selber Myanmar nennt, muss seinen Finanzmarkt aus dem Nichts aufbauen. „Wie in Laos, Kambodscha oder Vietnam ist der Finanzsektor Myanmars gerade erst im Entstehen begriffen“, teilte die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) mit. Grundsätzlich schöpfen die Menschen Vertrauen in die Öffnung und Entwicklung des Landes: In der Wirtschaftsmetropole Rangun tauchen immer mehr Geldscheine auf, die modrig riechen - sie waren über Jahre vergraben und werden nun in Umlauf gebracht. Der Weg aber ist noch weit. Ein Zentralbankgesetz, das die Notenbank vom Finanzministerium löst, ist erst Ende Juli erlassen worden. „Der Sektor besitzt keine Tiefe und einen engen Focus“, heißt es bei der ADB.

          Schon im Jahr 2003 durchlitt das Land eine schwere Bankenkrise, die sich nach dem Zusammenbruch mehrerer Kreditinstitute zu einer Liquiditätskrise auswuchs. Viele Jahre lang litten die Menschen in der Militärdiktatur unter drei vollkommen unterschiedlichen Wechselkursen. Dabei zählte Burma noch vor rund 50 Jahren, im Jahr 1960, ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 670 Dollar und damit das Dreifache desjenigen Indonesiens und das Doppelte des Nachbarlandes Thailand. Nach all den Jahren der Misswirtschaft und Ausbeutung ist Thailand inzwischen wirtschaftlich weit enteilt: Heute versuchen vor allem thailändische Banken in Burma Fuß zu fassen.

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