https://www.faz.net/-gv6-nyym

Inhaberschuldverschreibungen : Anleihenstrategie gegen fallende Kurse

  • Aktualisiert am

Die Anleihenmärkte stehen vor einer Konsolidierung. Das bezweifelt niemand mehr ernsthaft. Zeit also, die Anlagestrategie anzupassen. Ein Floater kann das Mittel der Wahl sein.

          3 Min.

          Die Lage auf den Anleihenmärkten wird immer unsicherer. Nach einem fantastischen Boom, der ihn in weniger als einem Jahr von rund 111 auf fast 123 Prozent führte, bewegt sich der richtungsweisende Bund-Future seit Anfang Juni im Rückwärtsgang.

          Viele Beobachter sehen den Markt jetzt in einer Phase der Konsolidierung und erwarten deutlich niedrigere Kurse in der kommenden Zeit. Wer dieser Meinung folgt, sollte auch seine Anlagepolitik in puncto Anleihen dementsprechend ausrichten.

          Kommt es tatsächlich zu einer deutlichen Konsolidierung, so ist es derzeit für den Anleger, der nicht auf die Tilgung bei Endfälligkeit spekuliert, nicht ratsam, Anleihen mit mittlerem Anlagehorizont zu kaufen. Denn Schwankungen des Zinsniveaus können sich drastisch auf die Rendite auswirken.

          Kennziffer „Modified Duration“

          Aussagen darüber sind mit Hilfe der sogenannten „Modified Duration“ möglich. Diese Kennziffer ist eine Maßzahl zur Zinssensitivität von Anleihen. Mit ihrer Hilfe läßt sich eine Aussage zum Risikogehalt der Anleihe treffen. Sie gibt rechnerisch die prozentuale Kursveränderung eines Bonds bei einer Renditeschwankung von 100 Basispunkten bzw. einem Prozent an.

          Ein Beispiel: Die Anleihe der Hypothekenbank Rheinboden (ISIN: DE0005169767) mit einer Restlaufzeit von 5,83 Jahren und einem Kupon von 6,25 Prozent rentiert derzeit bei Endfälligkeit mit einem Kurs von 105,40 Prozent (ohne Stückzinsen) mit 5,15 Prozent. Ihre „Modified Duration“ beträgt 4,79. Steigt nun der Marktzins um ein Prozent, fällt der Kurs der Anleihe rechnerisch um 4,79 Prozent, in diesem Fall auf 100,35 Prozent.

          Wer diese mit dem Anlagehorizont von einem Jahr gekauft hat und nur einmal den Kupon vereinnahmt, hat dann nur noch eine Rendite von 1,1 Prozent zu verbuchen. Ihm bleibt praktisch nichts anderes übrig als bis zur Endfälligkeit zu warten. Denn nach zwei Jahren beläuft sich die Rendite bei gleichem Kurs immer nur noch nur auf 3,5 Prozent und nach drei Jahren auf 4,1 Prozent. Das setzt natürlich voraus, daß die Zinsen in der verlängerten Laufzeit nicht weiter steigen. Außerdem ist dies ein Rechenbeispiel. Zinserhöhungen vermögen viel stärker zu wirken.

          Alternativen: Kurz oder lang?

          Drei Alternativen bieten sich an. Erstens kann der Anleger verstärkt auf kurzlaufende Anleihen setzen. Doch hier fehlen wirklich interessante Alternativen. Wer etwa Wert auf ein Rating legt und sich nicht die Finger an synthetischen Anleihen verbrennen will, der kommt aktuell nicht über eine Rendite von 3,68 Prozent hinaus. Soviel bietet beispielsweise die Inhaberschuldverschreibung der Hypothekenbank Rheinboden (ISIN: DE0002025186), die am 18. September 2006 ausläuft. Anleihen von Schuldnern mit gutem Rating im Laufzeitbereich unter zwei Jahren rentieren aktuell unter drei Prozent.

          Zweitens kann der Anleger auf sehr lange Langläufer setzen, in der Hoffnung der Markt habe sich in einigen Jahren wieder beruhigt. Unter diesem Gesichtspunkt bietet sich etwa die nachrangige Schuldverschreibung der Württembergischen Hypothekenbank an, die bis zum März 2022 läuft, aktuell mit 5,598 Prozent rentiert und mit einem Kupon von 6,58 Prozent ausgestattet ist.

          Doch diese Spekuklation ist nicht sehr sinnvoll. Denn es bietet sich schon eher an, in Papiere mit früherer Endfälligkeit zu spekulieren, weil die Rendite jenseits des übliche Emittentenrisikos immerhin sicher ist.

          Floater werden plötzlich interessant

          Drittens werden aber plötzlich variabel verzinsliche Anleihen (Floater) interessant. Allerdings nur dann, wenn sie eine längere Laufzeit haben. Denn die Konsolidierung am Rentenmarkt wird schon länger beschworen. Eigentlich ist sie auch längst schon überfällig. Aber wie das bei Spekulationsblasen eben so ist - keiner weiß wirklich wie lange und wie weit sie sich ausdehnen.

          Deswegen sind kurzlaufende Floater mit dem Risiko verknüpft, daß das Zinsniveau sich eben nicht ändert. Der Floater läuft aus und die Rendite bleibt gering. Unter den derzeit neu emittierten Papieren, die allesamt auf dem Drei-Monats-Euribor basieren, der derzeit bei 2,13 Prozent notiert, finden sich auch entsprechend hauptsächlich Kurzläufer. Die am besten ausgestattete Anleihe, die der Banca Populare Italiana (ISIN: XS0225714821) rentiert auf dem derzeitigen Euribor-Niveau bei 2,74 Prozent.

          Insofern empfehlen sich nur längerlaufende Floater. Interessant erscheint unter diesem Aspekt eine von Lehman Brothers herausgegebene Anleihe (ISIN: XS0224346592) mit einer Laufzeit von sieben Jahren. Sie bietet bei vierteljährlicher Zinszahlung einen Aufschlag von immerhin 25 Basispunkten auf den Drei-Monats-Euribor. Das ergibt derzeit eine relativ maue Rendite von 2,45 Prozent - vorausgesetzt das Zinsniveau ändere sich nicht bis 2012. Angenommen nun, der Euribor stiege nach einem Jahr um einen Prozentpunkt und bleibe danach unverändert, so ergäbe sich eine Rendite bei Endfälligkeit von etwa 3,3 Prozent.

          Historisch gesehen sind über sieben Jahre mehr als ein Prozentpunkt drin. Denn der Drei-Monats-Euribor schwankte in den vergangenen sieben Jahren immerhin zwischen 5,14 und 1,957 Prozent. Und mit der Anleihe der amerikanischen Investmentbank ist man bei einem Rating von A1 bzw. A jedenfalls auf der sicheren Seite - vorausgesetzt die Spekulation geht auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.