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Inflationsindexierte Anleihen : Die Tücken der „Linker“

Inflation frisst das Vermögen langsam auf Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit inflationsindexierten Anleihen trägt auch der Bund dem Bedürfnis der Anleihenanleger Rechnung, Inflationsrisiken abzufedern. Doch die Papiere sind durchaus kompliziert.

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          Ein Ansteigen der Inflation ist für Inhaber festverzinslicher Anleihen keine gute Nachricht. Denn der reale Wert der Erträge kann dadruch negativ werden. Eine Alternative bieten inflationsindexierte Anleihen, bei denen sich Rückzahlung und Zinsen an der Inflationsrate orientieren.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Tücken einer inflationsindexierten Anleihe, kurz Linker genannt, liegen im Detail, handelt es sich in Wahrheit um ein hoch kompliziertes Finanzprodukt. Das beginnt mit der Berechnung des Zeitwerts und des Nominalzinses. Der Kupon der Anleihe ist fix. Entscheidend für die Zinszahlung, aber auch den Rückzahlungswert ist der von der Bundesfinanzagentur als „Index-Verhältniszahl“ bezeichnete Koeffizient, der die Inflationsentwicklung abbildet.

          Komplexe Kaufpreisberechnung

          Mit dieser täglich berechneten und von der Finanzagentur veröffentlichten Zahl wird der Kupon multipliziert. Daraus berechnet sich die tatsächliche Zinszahlung. Zum anderen wird am Fälligkeitstag der Nominalwert der Anleihe mit der Index-Verhältniszahl multipliziert und so der Rückzahlungsbetrag ermittelt.

          Die Komplexität des Berechnungsverfahrens wird beim Kauf an der Börse deutlich, die für Privatanleger die einzige Erwerbsmöglichkeit ist. In diesem Fall werden zum ersten mit der Index-Verhältniszahl multiplizierte Stückzinsen fällig, zum zweiten aber fließt diese auch in den Kurswert der Anleihe ein. Wer also die am 15. April 2020 fällige Bundesanleihe am Donnerstag erwirbt, kauft nicht zum aktuellen Börsenkurs von 112 Prozent, sondern faktisch zum Einstandskurs von 122,668 Prozent. Analog gilt dies für die Stückzinsen.

          Inflationswette

          Der ausschlaggebende Faktor für die Kursentwicklung ist vielmehr die Entwicklung der Inflationserwartungen. Liegt die Börsenkursentwicklung über den Inflationserwartungen, schneidet der Käufer einer inflationsgeschützten Anleihe im Vergleich zum Käufer einer normalen Anleihe real deutlich besser ab. Je höher die Inflation, desto größer der reale Renditeabstand zur vergleichbaren festverzinslichen.

          Liegt die tatsächliche Inflation allerdings unter den Erwartungen, herrscht gar Deflation, so schneidet er schlechter ab. Immerhin kann der Rückzahlungswert zum Ende der Laufzeit nicht unter den Nominalwert fallen.

          Eine Investition in einen Linker rechnet sich nur dann, wenn die tatsächliche Inflation während der Laufzeit über der impliziten Inflationserwartung liegt, die sich als Näherungswert aus der Differenz zwischen inflationsbereinigter Rendite des Linkers und der einer vergleichbaren Anleihe ergibt.

          Gemessen wird die Attraktivität von Linkern mittels der sogenannten Break-even-Inflationsrate. Bei dieser werfen inflationsgeschützte Papiere die gleiche Rendite ab wie vergleichbare festverzinsliche Anleihen.

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