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Immobilienmarkt : Weltweite Immobilienblase bedroht Konjunktur und Rentenmärkte

  • Aktualisiert am

Bild: Barrons

Weltweit boomen die Immobilienmärkte. Doch das Tempo der Preisexpansion und das Verhalten der Marktteilnehmer erinnert fatal an eine Blase. Das bedroht Konjunktur und Rentenmarkt.

          Immobilien galten immer als Gold des kleinen Mannes. Wertbeständig, geprägt von, wenn auch moderaten, so doch kontinuierlichen Wertsteigerungen. In Deutschland trifft das schon seit einigen Jahren nicht mehr zu. Die Preise für Reihen- und Einfamilienhäuser sind mittlerweile auf ein Niveau gefallen, das dem der Mitte der 90er Jahre entspricht. Eigentumswohnungen sind sogar noch billiger geworden.

          Als Gründe werden die allgemeine Konjunkturflaute und die Angst vor der Arbeitslosigkeit. „Warum soll ich gerade jetzt ein Haus kaufen“, gibt Volker Russig vom Münchner ifo-Institut gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die vorherrschende Stimmung wieder.

          Immobilienboom über all - außer in Deutschland

          Allerdings scheint die Entwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt ein nationales Phänomen zu sein. Hier spielt ein völlig anderes Funktionierend es Immobilienmarktes eine große Rolle. Eine Fülle von Bauvorschriften verteuert die Häuser, die ohnehin als einmalige Investitionen angesehen und üblicherweise entsprechend dimensioniert werden. Entsprechend sind andererseits Finanzierungen so gestrickt, daß auch sie ein Leben lang halten. Unter diesen Umständen kann ein Markt nicht sehr viel Dynamik entfalten, selbst wenn die Zinsen noch so niedrig sind.

          In anderen Ländern sieht das ganz anders aus. Besonders in den Metropolen der Welt geht auch das häßlichste, fensterlose Loch zu horrenden Preisen von einer Hand in die nächste. Allen voran gehen die Vereinigten Staaten. Der Home Price Index, der sich bis vor wenigen Jahren noch in der seit 1890 gültigen Spanne zwischen 100 und 125 Indexpunkten hielt, hat mittlerweile einen Stand von 185 Punkten erreicht.

          Auch in Europa, darauf weist der amerikanische Ökonom Robert Shiller in einer Kolumne für den Online-Dienst „Project Syndicate“ hin, liegt das durchschnittliche Verhältnis zwischen Eigenheimpreisen und Einkommen nur deswegen knapp unter dem langjährigen Durchschnitt, weil sich die Eigenheimpreise in Deutschland auf einem historischen Tiefstand befinden. In Spanien, den Niederlanden und Irland liegt es indes ebenso 40-50 Prozent darüber. In Frankreich, Italien und Belgien liegt das Verhältnis ungefähr im langjährigen Durchschnitt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß etwa in Frankreich der Immobilienmarkt sich regional stark unterschiedlich, so daß große Preisbewegungen im Süden und Paris durch schwächere Regionen ausgeglichen werden.

          Auch Schwellenländer betroffen

          In Spanien etwa hat sich der Preis für Wohneigentum seit 1997 inzwischen mehr als verdoppelt, ergeben Daten des Internationalen Währungsfonds. 2004 und 2003 stiegen die Immobilienpreise jeweils um 17,5 Prozent.

          Kaum anders sieht es in den Schwellenländern aus. Hier, so die Bank für internationalen Zahlungsausgleich, ist das Phänomen auf bestimmte Länder und Landesteile beschränkt. Die Immobilienpreise in Schanghai wiesen jetzt drei Jahre in Folge zweistellige Zuwachsraten auf, während der Preisanstieg in anderen Ballungszentren Chinas moderat ausfiel. In Korea fruchteten alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Preisentwicklung in den vergangenen Jahren nicht dauerhaft. 2002 stiegen die Immobilienpreise in Seoul, gingen ab Februar 2003 erneut in die Höhe, sind aber zuletzt wieder im Steigen inbegriffen gewesen. In Thailand sind die Immobilienpreise seit 2001 angestiegen. Im vierten Quartal 2003 legte ein Index für den Wert von Grundstücksgeschäften im Vorjahresvergleich um 142 Prozent zu, ein Indikator für die Bautätigkeit um fast 55 Prozent. Auch in Australien bewegt sich das Verhältnis zum langjährigen Durchschnitt bei Werten, die früheren Zusammenbrüchen auf dem Immobilienmarkt vorangegangen waren.

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