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Immobilien : Die Vereinigten Staaten haben ein Ausgabenproblem

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Bild: IWF/DZ Bank

Während die Finanzkrise der europäischen Peripheriestaaten Anleger und Politiker schon seit Monaten in Atem hält, scheint die Entwicklung in den Vereinigten Staaten die Märkte kaum zu bewegen. Dabei ist die fiskalische Lage dramatisch.

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          Während die Finanzkrise der europäischen Peripheriestaaten Anleger und Politiker schon seit Monaten in Atem hält, scheint die dramatische Entwicklung in den Vereinigten Staaten die Märkte kaum zu bewegen.

          Selbst die Ankündigung bekannter und einflussreicher Fondsmanager, alle amerikanischen Staatsanleihen verkauft zu haben und die Drohung der Ratingagentur S&P, über eine Senkung der Kreditwürdigkeit nachzudenken, sorgten nur kurze Turbulenzen.

          Enorme Defizite und Schulden

          Dabei sind die auflaufenden Schulden und die Defizite in den öffentlichen amerikanischen Finanzen enorm und zu einem großen Teil ebenso strukturell wie in den europäischen Brennpunkten. Das zeigt sich daran, dass der Anteil der Ausgaben, zu dem der Staat verbindlich verpflichtet ist, in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat und zuletzt Spitzenwerte von bis zu 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

          Bild: CBO

          Trotz der gigantischen Staatsdefizite von zehn bis zwölf Prozent in den Jahren 2009 bis 2011 und öffentlichen Schulden von inzwischen mehr als 1.4000 Milliarden Dollar (oder etwa 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - ohne Berücksichtigung weiterer Verbindlichkeiten in Form von Renten- und Sozialversicherungsansprüchen und Garantien im Immobilienbereich etc.) mit stark steigender Tendenz haben weder Regierung noch Opposition schlüssige Konzepte, mit der sich die strukturelle Schieflage in den amerikanischen Staatsfinanzen korrigieren ließe. Gleichzeitig hat die amerikanische Zentralbank ihre Bilanz dermaßen strapaziert, dass sie stärker verschuldet ist als Lehman Brothers in den kritischen Zeiten. Sollten die Zinsen im Land der bisher scheinbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten auch nur leicht anziehen, würde ihr Eigenkapital von heute auf morgen aufgezehrt werden.

          Obwohl der Internationale Währungsfonds erklärt, die Industriestaaten sollten ihr Ausgabeverhalten korrigieren und obwohl sich die Wirtschaft zumindest in Teilbereichen von der Krise erholt, bleibt die Geld- und Fiskalpolitik in den Vereinigten Staaten weiterhin sehr expansiv.

          Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen nötig

          Schließlich sind die ungenutzten industriellen Kapazitäten noch groß und die Arbeitslosigkeit ist weiterhin sehr hoch. Allerdings nimmt der politische Gegenwind zu dieser Strategie ebenso zu wie das Risiko einer nachteiligen Reaktion der Märkte auf den ungebremsten Verschuldungswahn. Mit dem nahen Ende der Wertpapierkäufe durch die amerikanische Zentralbank werden sie wahrscheinlicher.

          Sie ließen sich sinnvoller Weise nur durch eine Kombination aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen vermeiden. Präsident Barak Obama scheint sich zwar in diese Richtung zu bewegen, allerdings bisher zu zaghaft. Sollten die Märkte jedoch nervös werden und höhere Zinsen verlangen, wären die nachteiligen Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung sehr wahrscheinlich dramatischer als bei einer gezielten Konsolidierungspolitik. So scheint es denkbar zu sein, dass sich die amerikanische Politik im letzten Moment von den Märkten bei zunehmendem Zins- und Preisdruck zu entscheidenden Schritten bewegen lassen wird.

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