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Teures Konto : Negativzinsen bald auch in Großstädten

Stadtsparkasse in München: Die Negativzinsen erreichen nun die Großstädte. Bild: mauritius images

Der Negativzins erreicht immer mehr Finanzhäuser in Deutschland. So könnten die Stadtsparkasse München und Hamburger Volksbank schon bald Gebühren für einige Einlagen erheben.

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          Das Phänomen der Negativzinsen breitet sich weiter aus – und zwar nicht nur bei kleinen Banken irgendwo auf dem Lande. Für das neue Jahr haben die Stadtsparkasse München und die Hamburger Volksbank offenbar entsprechende Pläne. Die Stadtsparkasse München will vom 1. April an von Firmenkunden und institutionellen Anlegern für Einlagen von mehr als 250.000 Euro ein sogenanntes Verwahrentgelt in Höhe von 0,4 Prozent verlangen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einen entsprechenden Bericht des Internetvergleichsportals Biallo bestätigte die Sparkasse am Dienstag auf Anfrage: „Nachdem bereits andere Banken dazu übergegangen sind, höhere Einlagenbeträge mit einem Verwahrentgelt zu versehen, waren wir gezwungen, nachzuziehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Ralf Fleischer.

          Die Hamburger Volksbank hingegen erwägt, Negativzinsen auf Tagesgeldkonten einzuführen, allerdings auch mit großen Freibeträgen. Geprüft werde, für Beträge von mehr als 500.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto einen Negativzins von 0,2 Prozent zu erheben, sagte Vorstandssprecher Reiner Brüggestrat dem „Hamburger Abendblatt“. Zunächst werde man allerdings mit den betreffenden Kunden darüber sprechen, ob es für so große Geldbeträge nicht sinnvollere Anlageformen als ein Tagesgeldkonto gebe – etwa Festgeld oder Wertpapiere. „Wir reden nicht über Negativzinsen auf das Giro- oder das Sparkonto“, hob Brüggestrat hervor.

          Negativzinsen für die große Zahl der privaten Bankkunden gibt es in Deutschland bislang nicht. Zumindest bis jetzt sind vor allem Unternehmenskunden betroffen oder Privatkunden mit überdurchschnittlich großen Einlagen sowie einige Kunden von kleineren, eher ungewöhnlichen Banken. Das Phänomen scheint sich aber immer weiter auszubreiten.

          Verwahrentgelt und Kontogebühr

          Schon zum 1. Januar führt die Sparkasse Allgäu mit Sitz in Kempten als eine der ersten Sparkassen in Deutschland ein sogenanntes Verwahrentgelt ein, allerdings ausschließlich für Geschäftskunden. Diese sollen oberhalb eines Freibetrags von 250.000 Euro künftig 0,4 Prozent im Jahr zahlen.

          Der Vorstandsvorsitzende Manfred Hegedüs sagte dieser Zeitung, man habe sich für die juristische Form des Verwahrentgelts entschieden, weil diese einfach einseitig durch die Aufnahme ins Preis- und Leistungsverzeichnis der Sparkasse eingeführt werden könne. Als Alternative zur Bankeinlage spreche man mit den betroffenen Kunden unter anderem über geldmarktnahe Fonds. Von den 30.000 Gewerbekunden der Sparkasse seien etwa 600 betroffen. „Bei den mehr als 400 Sparkassen in Deutschland ist das allgemein ein Thema – die überwiegende Mehrheit führt schon Gespräche mit großen Kunden“, sagte Hegedüs. „Wir gehören nur zu den Ersten, die das in so einer öffentlichen Form umsetzen.“ Wie berichtet, denkt auch die größte deutsche Kirchenbank, die Evangelische Bank mit Sitz in Kassel, darüber nach, die Negativzinsen der EZB an ihre Großkunden aus dem kirchlichen Raum weiterzugeben.

          In der Schweiz führt die Postfinance, so etwas wie das Gegenstück zur deutschen Postbank, zum 1. Februar eine Guthabengebühr von 1 Prozent auch für private Anleger ein. Diese Gebühr gab es dort bislang nur für institutionelle Anleger. Allerdings soll der Freibetrag mit einer Million Franken auch dort relativ hoch liegen. In Deutschland hatte die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien in Görlitz im November für Aufsehen gesorgt, weil sie von Privatkunden auf dem Tagesgeldkonto vom ersten Euro an eine gestaffelte Gebühr verlangt, die Negativzinsen zumindest im Effekt sehr nahe kommt.

          Immer mehr Privatkunden betroffen

          Auch das Hamburger Bankhaus Berenberg hat mittlerweile eingeräumt, wenn ein Privat- oder Firmenkunde zweistellige Millionenbeträge bei der Bank parke, so prüfe die Bank, ob sie die entstehenden Kosten weitergebe. Pauschale Negativzinsen erhebe sie aber nicht. Das Privatbankhaus M. M. Warburg & Co nimmt zwar von Privatkunden keine Negativzinsen, wohl aber von institutionellen Kunden und Unternehmen. Das Bankhaus Metzler in Frankfurt führte auf Anfrage aus, im Rahmen seiner Vermögensverwaltung erhebe es keine negativen Zinsen.

          In Deutschland gehörte die Deutsche Skatbank in Thüringen zu den Ersten, die Negativzinsen auch von Privatkunden mit sehr großen Einlagen verlangten. Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee hatte im Sommer einen negativen Zins für Vermögen von mehr als 100.000 Euro eingeführt. Kunden der Volksbank Stendal in Sachsen-Anhalt müssen seit dem 1. Oktober für Einlagen von mehr als 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- oder Girokonto 0,4 Prozent zahlen. Und die Raiffeisenbank Südstormarn Mölln in Schleswig-Holstein nimmt seit dem 1. September für Kunden mit Einlagen von mehr als 1 Million Euro negative Zinsen.

          Die alternative GLS Bank in Bochum hingegen hat ihre Mitglieder gerade am 10. Dezember über einen festen Beitrag von 5 Euro im Monat für alle Kunden als Alternative zu Negativzinsen abstimmen lassen – und ist dabei auf die erforderliche Zustimmung gestoßen. Ihr Gegenstück in der Schweiz, die Alternative Bank Schweiz, nimmt bereits seit längerem Negativzinsen für Einlagen auch von Privatkunden auf ihrem Alltagskonto, und zwar 0,125 Prozent für Beträge bis 100.000 Franken und 0,75 Prozent für Summen darüber. Das wollten die Kollegen in Deutschland vermeiden.

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