https://www.faz.net/-gv6-t1oy

Im Gespräch: Torsten Hinrichs von S&P : „Treffsicherheit unserer Ratings war enttäuschend“

  • Aktualisiert am

Gibt Fehlverhalten zu: Torsten Hinrichs von Standard & Poor´s Bild: Privat

Ratingagenturen stehen in der Finanzkrise am Pranger. Torsten Hinrichs von Standard & Poor's gibt Fehlverhalten zu, spricht über Veränderungen und warum Kreditbewerter auch bei veränderter Bezahlung Interessenkonflikten ausgesetzt wären.

          Die Ratingagenturen stehen in der Finanzkrise am Pranger. Torsten Hinrichs von Standard & Poor's (S&P) gibt Fehlverhalten zu, spricht über Veränderungen bei S&P und warum Kreditbewerter auch bei veränderter Bezahlung Interessenkonflikten ausgesetzt wären.

          Herr Hinrichs, mit der Erfahrung von gut zwei Jahren Finanzkrise: Welche Fehler hat die Ratingagentur S&P gemacht?

          In bestimmten Segmenten des Marktes für strukturierte Finanzierungen war die Treffsicherheit unserer Ratings schlicht enttäuschend. Das betrifft vor allem die Bewertung von amerikanischen Hypothekenverbriefungen. Wir sind selbst mit der Entwicklung dieser Ratings nicht zufrieden. Aber wie viele andere haben auch wir das Ausmaß der Verschlechterung im amerikanischen Häuser- und Hypothekenmarkt nicht vorhergesehen, und die Annahmen, die wir in unseren Analysen von vielen Wertpapieren mit Bezug auf amerikanische Hypotheken verwendet hatten, haben nicht standgehalten. Wir bedauern dies sehr.

          Ist das ein Versagen gewesen?

          Wir haben in diesem Bereich dem Anspruch an uns selbst nicht genügt.

          Wie reagieren Sie?

          Wir haben eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um die Qualität und Transparenz unserer Arbeit zu verbessern. Zum einen müssen wir besser erklären, was ein Rating leisten kann. Die Noten mussten für etwas herhalten, was wir damit nicht bezwecken. Ratings sind Meinungsäußerungen über die künftige Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Sie sind keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Dieses Missverständnis war ein Teil des Problems, und die Aufklärung ist damit ein Teil unserer Aufgabe.

          Damit verändern Sie nur etwas bei den Nutzern der Ratings, müssen Sie selbst sich nicht ändern?

          Das tun wir. Der zweite Ansatz liegt in der Analytik. Wir bauen in die Analyse neuerdings „Was wäre dann?“-Szenarien ein. Wir zeigen also von unserem Basisszenario abweichende Entwicklungen auf und nennen die möglichen Auswirkungen auf das Rating. Außerdem prüfen wir nun bei strukturierten Finanzierungsprodukten genauer, inwiefern die Emittenten in der Lage sind, uns valide Daten zur Verfügung zu stellen.

          Haben Banken falsche Daten geliefert?

          Wie wir jetzt wissen, hat die Qualität der Daten im Laufe der Zeit gelitten, zum Beispiel sind die Informationen über die Kreditnehmer nicht immer auf dem erforderlichen Niveau gewesen. Bis 2005 war die Qualität gut. Die Aussagekraft der Daten hat danach deutlich abgenommen. Um jetzt sicherzustellen, dass die Datenqualität ausreichend gut ist, schauen wir uns außerdem die Vorkehrungen der emittierenden Banken zur Vermeidung von Betrug genauer an.

          Ist das alles, was Sie verändert haben?

          Nein, bei weitem nicht. Ein Großteil unserer Maßnahmen dient der Stützung unserer Corporate Governance und der Vermeidung von Interessenkonflikten. Wir hatten schon immer eine strikte Trennung zwischen den Abteilungen, die Kunden akquirieren, und der analytischen Arbeit. Wir sind jetzt zwei, drei Schritte weiter gegangenen. Wir haben nun einen Ombudsmann, der darüber wacht, dass die Trennung nicht aufgeweicht wird. Außerdem haben wir die Regeln für die Analyse verschärft und eine Rotation für die Analysten eingeführt. In einem festgelegten Rhythmus wechseln die zuständigen Analysten und bewerten dann andere Emittenten aus derselben oder aus anderen Branchen.

          Weitere Themen

          Fed am Wendepunkt

          Zinssenkung erwartet : Fed am Wendepunkt

          Alle rechnen heute Abend mit einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. Mit Spannung erwarten sie die Lageeinschätzung des Präsidenten Jerome Powell. Der allerdings steht unter Druck – Trump wirft ihm Ahnungslosigkeit vor.

          Euroboden zum dritten

          Hochzinsanleihen : Euroboden zum dritten

          Der im gehobenen Wohnsegment aktive Projektentwickler und Bauträger Euroboden kommt am Montag mit einer neuen Anleihe auf den Markt. Allem Anschein nach ist die Nachfrage gut.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.