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Im Gespräch: Hernán Lorenzino : „Argentinien kam durch Wachstum aus der Krise“

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Hernan Lorenzino Bild: Argentinisches Finanzministerium

Argentinien vor zehn Jahren gleicht Griechenland heute. Argentiniens Wirtschaft wächst wieder deutlich, weil das Land nicht Rezepten des Internationalen Währungsfonds folgte, erkärt Hernán Lorenzino, Argentiniens Staatssekretär für Finanzen.

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          Viele Ökonomen sehen Parallelen zwischen Argentinien vor zehn Jahren und Griechenland heute. Argentiniens Wirtschaft wächst inzwischen wieder deutlich. Allerdings deswegen, weil sich das Land gegen Rezepte des Internationalen Währungsfonds und für einen eigenen Weg entschieden habe, erkärt Hernán Lorenzino, Argentiniens Staatssekretär für Finanzen.

          Argentinien will die Altlasten des 100-Milliarden-Dollar-Staatsbankrotts von 2001 beseitigen und endlich den Zugang zum freien Kapitalmarkt zurückerlangen. Zu diesem Zweck richtet die Regierung ein neues Umschuldungsangebot an jene Gläubiger, die eine erste Tauschofferte im Jahr 2005 abgelehnt hatten. 20 Milliarden Dollar plus Zinsen sind noch unbezahlt. Nachdem die Beteiligung der institutionellen Anleger unter den Markterwartungen blieb, wirbt die Regierung nun besonders um die Kleinanleger.

          Herr Lorenzino, eine zu hoch bewertete Währung, unbezahlbare Schulden - viele Ökonomen sehen Parallelen zwischen Argentinien vor zehn Jahren und Griechenland heute. Argentinien hat damals drastisch abgewertet, drei Jahre gar keine Schulden gezahlt und dann den Gläubigern 70 Prozent Forderungsverzicht abverlangt. Seither wächst die Wirtschaft bei Ihnen fast wie China. Ist das ein Modell für Griechenland?

          Wir sind gegen Rezepte. Wir haben uns systematisch gegen das Modell des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewehrt, das für alle die gleiche Lösung vorschreibt. Darum fände ich es nicht gut, anderen Ländern Rezepte zu empfehlen, die in Argentinien erfolgreich waren. Jedes Land ist anders. Griechenland muss seine eigene Lösung finden. Allerdings kann ich schon sagen, dass ein Hilfsprogramm mit Auflagen, die für das Volk schwer zu tragen sind, in Argentinien nicht funktioniert hat. Unser Erfolg ab 2003 basiert zu einem großen Teil darauf, dass wir unsere Anpassung eben nicht auf Kosten des Volkes durchgeführt haben. Argentinien kam durch Wachstum aus der Krise, nicht durch Sparmaßnahmen.

          Trotz des hohen Wachstums der argentinischen Wirtschaft in den letzten Jahren sind die Konditionen des neuen Umschuldungsangebots für die Gläubiger noch schlechter als die von 2005. Wie können Sie erwarten, dass diejenigen, die damals ablehnten, heute akzeptieren?

          Das neue Angebot ist eine Fortsetzung von 2005. Wir haben damals zum Vorteil der zustimmenden Gläubiger eine Klausel eingefügt, wonach jegliches bessere Angebot, das Argentinien in der Zukunft unterbreiten sollte, auf alle Gläubiger ausgeweitet werden müsste.

          Sie könnten ja allen Gläubigern mehr zahlen, nachdem die Wirtschaft sich in den letzten Jahren viel besser entwickelt hat, als alle erwartet hatten.

          Das wäre nicht nur kompliziert, sondern in keiner Hinsicht ratsam. Wir wollen die Angelegenheit von 2001 endlich lösen und keine neue Diskussion eröffnen. Und ich erinnere daran, dass diejenigen Gläubiger, die 2005 zugestimmt haben, einen Zusatzkupon erhalten haben, dessen Auszahlungen vom Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abhängen. Mehr als die Hälfte der Zahlungen, die die Teilnehmer der Umschuldung seit 2005 erhalten haben, sind aus dieser Beteiligung am Wachstum geflossen. Denen, die 2005 aus irgendeinem Grund abgelehnt haben, vielleicht weil sie schlecht beraten wurden oder weil sie die Vorteile der Offerte damals nicht gesehen haben, bieten wir heute eine zweite Chance. Zu ganz ähnlichen Bedingungen. Wir bieten die gleichen Instrumente wie 2005, wir zahlen die seit 2003 aufgelaufenen Zinsen, für Kleinanleger sogar in bar, und außerdem geben wir ihnen mit dem BIP-Kupon die Möglichkeit, an den künftigen Gewinnen der argentinischen Wirtschaft teilzuhaben, wenn diese mehr als 3 Prozent im Jahr wächst. Dazu eine konkrete Zahl: Für 2010 erwarten Analysten bei uns ein Wachstum um 5 bis 6 Prozent. Wer dem Angebot vertraut, bekommt schon 2011 eine sehr gute Zahlung für das Wirtschaftswachstum von 2010.

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