https://www.faz.net/-gv6-8yehj

Mittelstandsanleihen : HSH zieht Notbremse bei Rickmers

Die HSH Nordbank in Kiel. Bild: dpa

Die HSH Nordbank hat die Zustimmung zur Sanierung der Reederei Rickmers verweigert. Diese stellte daraufhin am Donnerstag einen Insolvenzantrag. Leichtfertig dürfte die Entscheidung nicht getroffen worden sein.

          Die Hamburger Charterreederei Rickmers Group hat am Donnerstag einen Insolvenzantrag gestellt. Dies kommt insofern überraschend, als an diesem Donnerstag die Anleihegläubiger dem vom Unternehmen vorgelegten Sanierungskonzept hätten zustimmen sollen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieses Konzept war unter anderem mit dem Großgläubiger HSH Nordbank gemeinsam ausgehandelt worden war. Doch deren Vorstand verweigerte dann am Mittwoch überraschend die  Zustimmung, wodurch das Konzept obsolet und der Insolvenzantrag unvermeidlich wurde, weil die positive Fortführungsprognose entfiel.

          Der HSH-Vorstand habe das Sanierungskonzept sorgfältig geprüft, erachte es aber als nicht tragfähig, so ein Sprecher der Bank. Die Zustimmung hatte wie üblich unter dem Vorbehalt der Entscheidungsgremien gestanden. In der Gläubigerversammlung wird  nunmehr ausschließlich die Wahl eines gemeinsamen Vertreters der Anleihegläubiger beschlossen werden.

          Das Panamax-Problem

          Rickmers war durch die lange und schwere Schifffahrtskrise in Bedrängnis geraten. Für Rickmers verschärfte sich die Krise durch die Erweiterung des Panamakanals vor einem Jahr. Dadurch fielen die Charterraten für Schiffe der Panamax-Klasse, die gerade noch durch den alten Kanal passte, unter ein kostendeckendes Niveau. Dies führte zunächst zur Insolvenz der ehemaligen Tochtergesellschaft Rickmers Maritime Trust (RMT), von der sich die Rickmers Holding praktisch in letzter Sekunde zu großen Teilen getrennt hatte. Diese Notbremse konnte aber die Holding nicht stabilisieren. RMT hattre darauf gesetzt, dass Panamax-Schiffe eine Zukunft als Feederschiffe haben würden, also als Frachter, die Zulieferer- und Verteilerdienste für größere Seeschiffe und Seehäfen übernehmen.

          Das vergangene Geschäftsjahr endete für Rickmers mit einem Verlust von 341 Millionen Euro, die Schulden liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro. Dazu zählen auch 275 Millionen Euro, die Anleger der Reederei über eine hochverzinste Anleihe mit einem Coupon von 8,875 Prozent zur Verfügung gestellt haben. Davon werden sie einen Großteil verlieren.

          Das Sanierungskonzept hatte vorgesehen, dass die Banken ebenso wie die koreanische Hyundai -Werft und der Alleinaktionär Bertram Rickmers einen Betrag leisten. Bertram Rickmers hätte einen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Vermögen nachschießen und sich von drei Vierteln seiner Anteile trennen sollen.

          Diese Anteile wären an eine zwischengeschaltete luxemburgische Holding gegangen, die das sanierte Unternehmen verkaufen sollte. Aus dem Erlös hätte die HSH Nordbank eine Vorabzahlung erhalten, der Rest hätte dann unter den Gläubigern verteilt werden sollen.

          Kaum eine leichtfertige Entscheidung

          Diese Konzept hatte im Vorfeld schon für viel Kritik gesorgt. Auch die Sanierungsfähigkeit und Werthaltigkeit des Unternehmens war dabei immer wieder in Frage gestellt worden. Die Entscheidung des größten Einzelgläubigers, der HSH Nordbank, und deren offenkundige Zweifel an der Existenzfähigkeit von Rickmers, scheinen diese Einschätzung nunmehr zu bestätigen.

          Die genaue Höhe der von der HSH Nordbank an Rickmers ausgereichten Kredite ist nicht bekannt. Sie hat mindestens 560 Millionen Dollar an Hypothekendarlehen sowie einen Zinsswap von 24 Millionen Dollar im Feuer. Darüber hinaus trägt sie einen Großteil eines syndizierten Kredits von einer Milliarde Dollar. Insgesamt wird ein Volumen von mehr als 700 Millionen kolportiert.

          Ein Liquidationswertbericht der Kanzlei Brinkmann & Partner war für unbesicherte Forderungen wie die der Anleihegläubiger von einer Quote zwischen 2,8 und 6,7 Prozent ausgegangen. Diese dürfte für besicherte Forderungen wie die der HSH Nordbank zwar deutlich höher liegen. Nichtsdestotrotz wird die Bank wohl Kreditforderungen in dreistelliger Millionenhöhe abschreiben müssen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Bankvorstand die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen hat. Vielmehr dürfte die Befürchtung überwogen haben, im Falle einer versuchten Sanierung noch größere Verluste zu erleiden.

          Auch die HSH Nordbank ist  angeschlagen

          Die HSH Nordbank ist durch faule Schiffskredite ohnehin angeschlagen. Bis Februar 2018 muss das von den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein massiv gestützte Geldhaus laut EU-Vorgabe verkauft werden. Gelingt das nicht, droht die Abwicklung.

          Das wiederum dürfte sich auf die Sparkassenkunden auswirken. Die HSH Nordbank ist mit einem Volumen von 8 Milliarden ein bedeutender Emittent von Investmentzertifikaten. 7 Milliarden Euro davon liegen in den Depots von Sparkassenkunden. Es handelt sich dabie aber um Anleihen der Bank. Zudem müsste der Haftungsverbund der Sparkassen einspringen, weil die Kassen Schleswig-Holsteins mit 5 Prozent an der Bank beteiligt sind.

          Das Zeihen der Reißleine im Falle Rickmers könnte allerdings mit Blick auf den angestrebten Verkauf positiv für die Bank sein. Die Bilanz wird um einen Großschuldner bereinigt, der einem Verkauf am Ende im Weg stehen könnte. Das heißt nicht, dass dies in einem solchen Fall für eine kreditgebende Bank das allein ausschlagegebende Kriterium sein muss. Es entspräche nicht kaufmännischer Logik, eine absehbar werthaltige Position deswegen abzuschreiben. Auch nicht mit Blick auf einen Verkauf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gipfel in Marokko : Staatengemeinschaft billigt UN-Migrationspakt

          Die internationale Staatengemeinschaft hat am Montag in Marrakesch den UN-Migrationspakt offiziell angenommen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres nannte das Vertragswerk eine „Roadmap zur Vermeidung von Leid und Chaos“.

          Warnstreik : Zugverkehr rollt langsam wieder an

          Nach dem heftigen Streik am Montagmorgen normalisiert sich der Zugverkehr sehr langsam wieder. Die Gewerkschaft droht allerdings schon neue Arbeitsniederlegungen an.

          Protest in Frankreich : Wilde Gesten in gelben Westen

          Hat der Aufruhr in Frankreich einen Gesamtwillen? Die Gelbwesten fordern Macrons Rücktritt und zugleich die Einlösung seiner Wahlversprechen: Ein französisches Paradox.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.