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Auch Anleiherenditen steigen : Hoffnung auf höhere Zinsen stärkt den Dollar

Eine Zinserhöhung steht an: Fed-Chefin Janet Yellen Bild: AP

Die Angst der Fed vor Zinserhöhungen scheint zerstreut. Der Dollar und die Anleiherenditen steigen. Gold verliert: Sind jetzt Kaufkurse erreicht?

          Nachdem die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) das Protokoll ihrer letzten Sitzung veröffentlicht hat, ist für fast alle Analysten klar: Anfang Dezember werden die kurzfristigen Zinsen in Amerika erstmals in diesem Jahr und zum zweiten Mal nach der Finanzkrise leicht angehoben – auf einen Korridor, der dann von 0,5 bis 0,75 Prozent reicht. Offensichtlich machen sich die Währungshüter Sorgen über ihre eigene Glaubwürdigkeit, sollten sie diesen Zinsschritt doch nicht vollziehen. Denn Anfang 2016 hatten sie noch etwa vier Zinserhöhungen in diesem Jahr angedeutet, waren dann aber immer wieder davor zurückgeschreckt. Erst der überraschende Wahlsieg von Donald Trump und die dennoch robuste Reaktion der Aktienmärkte, die in Amerika gerade neue Rekorde aufstellen, haben die Bedenken der Fed gegen Zinserhöhungen offenbar nun weitgehend zerstreut.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei hat die Aussicht auf mehr staatliche Investitionen und mehr staatliche Schulden durch Trumps voraussichtliche Wirtschaftspolitik die langfristigen Zinsen in Amerika schon kräftig nach oben getrieben. Nachdem sich die Rendite für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen von 2013 bis zum Sommer 2016 in etwa halbiert und mit 1,366 Prozent im Juli ihr Tief erreicht hat, ist die Zinswende für längere Laufzeiten wohl vollzogen. Seit dem Wahlsieg Trumps ist der Zehn-Jahres-Zins steil nach oben gesprungen. Die Rendite kletterte von 1,83 Prozent am 8. November auf nun 2,35 Prozent am Donnerstag. Diesem Renditeanstieg steht spiegelbildlich ein deutlicher Kursverlust für die amerikanische Staatsanleihe (Treasury) von rund 4 Prozent gegenüber.

          Das höhere Zinsniveau in Amerika treibt nach Ansicht von Kit Juckes, Devisenanalyst der französischen Bank Société Générale, den Dollar. Offenbar gingen viele Marktteilnehmer davon aus, dass künftig weniger Geld die amerikanischen Märkte verlassen werde. Bisher haben viele Amerikaner wegen der in Schwellenländern, und dort besonders in Brasilien, der Türkei und in Russland, lockenden höheren Renditen immer mehr von ihrem Geld dort angelegt.

          Viele Währungen werten gegenüber dem Dollar ab

          Da sich nun die amerikanischen Zinsen den noch höheren Zinsen in den Schwellenländern annäherten, sinke der Anreiz für Amerikaner, ihr Geld außerhalb des Dollarraums anzulegen, meint Juckes. Der heimische Kapitalmarkt wirke wieder attraktiver, wie sich gerade täglich am Zins- und Währungsmarkt besonders zeige. „Dort ist der Zusammenhang zwischen steigenden Renditen und steigendem Dollar derzeit noch enger als sonst“, sagte Juckes.

          EUR/USD

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          Tatsächlich hat der Dollar parallel mit den steigenden Renditen kräftig an Wert gewonnen. Ein Euro kostete am Donnerstag nur noch 1,052 Dollar. Das ist der tiefste Kurs für den Euro seit Anfang 2015. Noch stärker werten derzeit asiatische Währungen ab. Der japanische Yen zum Beispiel hat zum Dollar seit Trumps Wahlsieg 7 Prozent verloren. Asiens Währungen leiden besonders darunter, dass Trump als erste Maßnahme das transpazifische Handelsabkommen TPP aufgekündigt hat. Indiens Währung Rupie fiel am Donnerstag sogar auf ein Rekordtief zum Dollar.

          Gemessen an einem Korb von Landeswährungen, mit denen die Vereinigten Staaten den meisten Handel treiben, hat der Dollar am Donnerstag den höchsten Wert seit 2003 erreicht. „Diese Aufwärtsbewegung kann gut noch zwei bis drei Jahre andauern“, sagte Christian Gattiker-Eericsson, Chefstratege der Schweizer Bank Julius Bär, am Donnerstag in Frankfurt.

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