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Hochzinsanleihen : Zahlungsausfälle in Europa halten sich in Grenzen

NXP kämpft ums Überleben Bild: AFP

145 Emittenten konnten in diesem Jahr schon ihren Zahlungsverpflichtungen nicht vereinbarungsgemäß nachkommen. Europäische Emissionen kamen bislang glimpflich davon.

          Die Zahl derjenigen Emittenten, die nicht mehr in der Lage sind, termingerecht Zins- und Tilgungsleistungen für ihre Anleihen zu erbringen, steigt im laufenden Jahr rasant an. Weltweit waren 145 Emittenten, deren Bonität von der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) bewertet wird, seit Jahresanfang gezwungen, ihre Zahlungen ausfallen zu lassen oder die Zahlungskonditionen mit den Gläubigern neu zu verhandeln.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allein in der vergangenen Woche kamen sieben Emittenten hinzu. Europäische Anleger werden dabei verwöhnt. Lediglich sieben europäische Emittenten gerieten 2009 bislang in eine missliche Lage. das sind noch nicht einmal 5 Prozent.

          Auch NXP muss umschulden

          Der größte von ihnen war NXP, die ehemalige Speicher-Produktionstochter des niederländischen Philips-Konzerns, der Anfang April eine Umschuldungsvereinbarung abschloss. Das kam nicht überraschend, gehörte das Unternehmen doch zu denjenigen, die von Finanzinvestoren gekauft worden waren und die diese Übernahme selbst finanzieren mussten.

          Dafür gab das Unternehmen Hochzinsanleihen im Volumen von 4,5 Milliarden Euro aus. Doch die Restrukturierung verlief nicht erfolgreich, nicht zuletzt wegen des drastischen Abschwungs in der Halbleiterbranche.

          Ausfälle vor allem in Amerika

          Weltweit sahen sich die Gläubiger in knapp 40 Prozent der Fälle wie bei NXP gezwungen, einer Umschuldung zuzustimmen. Mehr als jeder vierte Zahlungsausfall war die Konsequenz eines Konkursantrags, darunter General Motors.

          Der Schwerpunkt der Zahlungsausfälle liegt mit 71 Prozent eindeutig in den Vereinigten Staaten. Das ist zum einen so, weil der amerikanische Markt für Hochzinsanleihen der mit Abstand größte der Welt ist. Indes ist auch das Risiko größer, wie sich daran zeigt, dass die Ausfallrate für die vergangenen 12 Monate 8,25 Prozent beträgt, in Europa indes nur 4,6 Prozent. Zudem zählen S&P mit 215 mehr als zehnmal so viele Wackelkandidaten wie in Europa.

          Selbst die Schwellenländer schneiden mit einer Ausfallrate von 4,9 Prozent besser ab, obgleich die Zahl der Zahlungsausfälle gegenüber dem gesamten Vorjahr schon um 62,5 Prozent auf 26 gestiegen ist.

          Europäische Emissionen kamen bislang glimpflich davon

          Am schlimmsten habe es hier den asiatisch-pazifischen Raum getroffen, sagt Kreditanalystin Diane Vazza. Hier habe sich die Kreditqualität seit der Asienkrise der neunziger Jahre deutlich verschlechtert. Das scheint jetzt wohl offenbar zu werden.

          Nur wenigen Anleihen säumiger Schuldner werden in Deutschland gehandelt. Noch weniger sind in Euro notiert. Neben Bonds von General Motors stammen Euro-Anleihen vom niederländischen Sensorenbauer Sensata, der argentinischen Banco Hipotecario und dem französischen Medienkonzern Thomson.

          Das heißt aber nicht unbedingt, dass in europäischen Papieren investierte Anleger vergleichsweise ungeschoren davon kommen. Der Anstieg der Ausfallraten hat gerade erst begonnen. Und die Einbringlichkeiten sind bislang eher gering. 43 Prozent der Emissionen wird von S&P mit der Note „6“ bewertet. das bedeutet, dass schätzungsweise weniger als 10 Prozent der Forderungen einbringlich sind. Mehr als die Hälfte werden die Gläubiger wohl in weniger als jedem dritten Fall zurück erhalten

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