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Hochzinsanleihen : Spekulationen mit Zahlungsausfällen

Bild: F.A.Z.

Ein Zahlungsausfall ist für Langzeit-Gläubiger stets ein Desaster. Für spekulative Investoren können sich Chancen bieten. Denn zumeist ist nicht alles verloren.

          Spätestens seit der irische Luxusgüterhersteller Waterford Wedgwood seit Montag die Konkursverwalter im Haus hat (vgl. ), ist offensichtlich geworden, dass es im Jahr 2009 mit vermehrten Ausfällen von Unternehmensanleihen zu rechnen ist.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Gläubiger sind dies schlechte Nachrichten, besonders dann, wenn sie die Schuldpapiere in Zeiten erworben haben, als diese noch zu Kursen gehandelt wurden, die erheblich näher an ihrem Nominalwert lagen als dies heute der Fall ist.

          4 Prozent für 23 Prozent?

          Für spekulative Investoren ergeben sich indes auch Chancen. Denn ein Zahlungsausfall muss nicht gleich bedeutend sein mit einem Totalausfall der Schuld. Selbst für die ungünstigste Varianten nachrangiger Schulden rechnet etwa die Rating-Agentur Standard & Poor's mit einer Einbringlichkeitsquote von durchschnittlich 11 Prozent.

          Damit eröffnet sich bei einigen Titeln spekulative Chancen. So liegt die Geld-Brief-Spanne bei Anleihen von Waterford Wedgwood derzeit an den Börsen zwischen 4 und 5 Prozent. Moody's beziffert die Verlustwahrscheinlichkeit aber auf 77 Prozent. Erhalten die Gläubiger tatsächlich 20 Prozent ihrer nominellen Forderung zurück, so ergibt sich zwar keine Rendite in Höher der nominellen 660 Prozent, mit denen die Rente derzeit gehandelt wird.

          Doch wären dies knapp 120 Prozent bei termingerechter Tilgung, auch ohne weitere Zinszahlungen. Auch wenn sich die Befriedigung der Ansprüche noch um Jahre hinaus verzögert, ergibt sich noch eine ansehnliche Rendite. Ein Verlust ist zwar nicht ausgeschlossen, hielte sich aber angesichts des niedrigen Kursniveaus in Grenzen.

          Bedrängte Papierindustrie

          Auch andere Titel haben dergestaltes Potential. Die Dollar-Anleihen des unlängst mit dem Konkurrenten Abtibi fusionierten kanadischen Papierherstellers Bowater werden zur Zeit in Geld-Brief-Spannen zwischen 11,5 und 13 Prozent notiert, während Moody's von einer Ausfallquote von 39 Prozent ausgeht.

          Dem Unternehmen macht die Medienkrise zu schaffen, die die Nachfrage nach Papier für Zeitungen und Zeitschriften zurückgehen lässt. Der bislang letzte Gewinn wurde 2001 erwirtschaftet. Seit dem dritten Quartal 2008 verzeichnet Bowater negatives Eigenkapital, nachdem der Einbruch des Anzeigenaufkommens die Nachfrage hat deutlich absacken lassen. Vorstandsvorsitzender David Paterson bezeichnet die Marktverhältnisse als die schlechtesten seit den Siebzigern.

          Mit Verkäufen von Unternehmensteilen versucht sich das Unternehmen nun zu sanieren. Zudem hilft Bowater nunmehr die Schwäche des kanadischen Dollar.

          Ungleiche Chancen

          Doch nicht jede billige Anleihe birgt Chancen. So wird die Rente des britischen Chemiekonzerns Lyondell-Basell derzeit in einer Spanne von 6,9 bis 9,75 Prozent notiert. Moody's geht indes von einem Ausfall von 94 Prozent aus.

          Der amerikanisch-niederländische Chemiekonzern gab am Montag bekannt, einen Insolvenzantrag zu prüfen. Der amerikanische Unternehmensteil erwäge einen Insolvenzantrag nach Kapitel 11 des amerikanischen Konkursrechts. Die Probleme des Konzerns mit 17.000 Beschäftigten liegen vor allem in Amerika. Ein Insolvenzantrag sei noch keine beschlossene Sache. „Es wäre auch noch denkbar, auf dem Verhandlungsweg eine Einigung zu erzielen“, sagte ein Firmensprecher. Eine Entscheidung dazu sei schnell zu erwarten, auf jeden Fall noch im Januar.

          Hohe Risiken

          Generell gilt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten nur Prognosen und damit Richtgrößen sind. Gerade in den vergangenen Monaten haben sich die Verhältnisse für viele angeschlagene Firmen rapide verschlechtert. Dies kann in manch einer Analystenprognose noch nicht berücksichtigt sein. Je größer indes die Spanne zwischen prognostizierter Einbringlichkeit und Kurs ist, und je jünger die Prognose, desto eher kann eine Spekulation aufgehen. Dennoch gilt: das hier eingesetzte Geld kann auch vollständig verloren sein.

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