https://www.faz.net/-gv6-qga1

Hochzinsanleihen : Neue Fiat-Anleihen sind gefragt

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg/FAZ.NET

Unternehmensanleihen sind gefragt. Auch die Papiere von Fiat. Die neu auf den Markt gekommenen Papiere mit einem Kupon von 9 Prozent legen deutlich zu. Noch bietet die Rendite jedoch mit 7,83 Prozent trotz der Risiken gewisse Reize.

          Extrem tiefe Zinsen an den Geldmärkten und vergleichsweise geringe Renditen bei vielen Staatsanleihen zwingen die Anleger bei zunehmendem Risikoappetit dazu, sich nach alternativen Anlagemöglichkeiten umzusehen.

          Das hat dazu geführt, dass sich Unternehmensanleihen nach den zum Teil massiven Kursrückschlägen im Rahmen der Finanzkrise in den vergangenen Wochen rasant erholt haben. Neu auf den Markt kommende Papiere sind stark gefragt, selbst wenn die Emittenten nicht die beste Bonität haben und aus problematischen Branchen stammen.

          Satte Kursgewinne führen zu fallender Rendite

          Das zeigt sich unter anderem an dem Papier, das Fiat über seine Finanzierungstochter Fiat Finance and Trade Ltd. in den vergangenen Tagen auf den Markt gebracht hat. Die bis ins Jahr 2013 laufende Ramsch-Anleihe mit einem Volumen von 1,25 Milliarden Euro und der Isin XS0442431564 mit einem Kupon von satten neun Prozent sprang gleich am ersten Handelstag auf etwas mehr als 103 Prozent und rentiert noch mit 7,83 Prozent.

          Das ist zwar deutlich mehr als die 1,84 Prozent Rendite, die Bundeswertpapiere mit einer vergleichbaren Laufzeit nominal erbringen. Allerdings sind dafür die Risiken auch deutlich größer. Das zeigen nicht nur alleine schon die Ratings von Ba1 von Moody's und BB+ von S&P sowie von Fitch. Sondern auch die operative Lage von Fiat ist alles andere als gut.

          Das Unternehmen musste in den vergangenen Quartalen massive Umsatzrückgänge hinnehmen, während die Gewinnentwicklung noch nie nachhaltig überzeugen konnte. Auch die gegenwärtige Lage und die weiteren Aussichten in der Branche sind nicht sonderlich vielversprechend. Sie zeichnet sich durch massive Überkapazitäten bei verhaltenen Wachstumsaussichten aus, die kurzfristig allenfalls durch verrückte Maßnahmen wie die Abwrackprämie etwas verbessert werden mögen. Mittel- und längerfristig dagegen führen sie zu einem Bumerang, da dann die jetzt vorgezogenen Automobilkäufe ausfallen werden.

          Die Rendite ist allerdings im Vergleich zu anderen Papieren noch hoch

          Nicht nur die Beteiligung an Chrysler in Höhe von 20 Prozent kann zu denken geben. Immerhin war zuvor schon Daimler daran gescheitert, das amerikanische Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Vor wenigen Tagen gab Fiat zudem für das zweite Quartal des laufenden Jahres den zweiten Periodenverlust in Folge in Höhe von 158,4 Millionen Euro bekannt, nachdem die kurzfristigen Sondereffekte in der Automobilsparte von der Schwäche des LKW- und das Traktorensparten überkompensiert worden war (Iveco und CNH). Der Umsatz war um 23 Prozent auf 13,2 Millairden Euro gefallen. Vorstandssprecher Sergio Marchionne erklärte, die Nachfrage nach LKWs und Baumaschinen würde sich auch im restlichen Jahr schwach entwickeln.

          Fiat hat zumindest nach Informationen von Bloomberg 7,7 Milliarden Euro Schulden. Das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital liegt bei mehr als 200 Prozent und liegt damit in etwa auf dem Branchenniveau. Die Risikoprämien, die zur Absicherung gegen Kreditereignisse verlangt werden, haben sich in den vergangenen Monaten deutlich zurückgebildet. Das zeigt einerseits die Rückbildung der allgemeinen Verunsicherung den Finanzmärkten und andererseits den hohen Risikoappetit der Anleger.

          Auf dieser Basis mögen die Fiat-Papiere zumindest kurzfristig noch gewisse Reize haben. Immerhin ist die Rendite ähnlicher Anleihen von Daimler (etwas besseres Rating von A3 und BB+) in den vergangenen Wochen von etwas mehr als acht auf inzwischen noch 3,84 Prozent gefallen. Das zeigt einerseits, was noch möglich zu sein scheint. Auf der anderen Seite sind solche Renditen angesichts der wirtschaftlichen Lage und der damit verbundenen Risiken schon wieder vergleichsweise tief.

          Weitere Themen

          Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Topmeldungen

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein leichtes Heimspiel?

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.