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Hochzinsanleihen : Erholung auf tönernen Füßen

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Bild: FAZ.NET

Enttäuschende Wirtschaftsdaten geben Anlegern weniger Anlass, auf eine baldige Wirtschaftserholung zu setzen. Das könnte ihren Appetit auf hochriskante Vermögenswerte dämpfen. Die Anleihespreads würden dann kaum enger werden.

          In den vergangenen Wochen setzte im Zuge einer skeptischeren Einschätzung der Aussichten auf eine baldige Konjunkturerholung eine nachlassende Risikobereitschaft der Investoren ein, die wiederum die jüngste Erholung auf dem Markt für Hochzinsanleihen zum Stillstand bringen könnte.

          n einem am 7. Juli veröffentlichten Bericht schreibt Standard & Poor's Global Fixed Income Research, dass die Verengung der Renditedifferenz (Spread) zwischen Hochzins-Unternehmensanleihen und amerikanischen Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit wahrscheinlich eine Verschnaufpause einlegen werde, während Anleger auf Signale in den Konjunkturdaten und in den Zahlen der Berichtssaison zum zweiten Quartal warteten, die die Nachfrage nach spekulativen Wertpapieren entweder anheizen oder abkühlen werde

          Wirtschaft muss sich deutlich verbessern, um engere Spreads zu rechtfertigen

          S&P zufolge sei die Risikoprämie am Hochzinsmarkt im vergangenen Halbjahr so stark zurückgegangen wie nie zuvor: Der Spread zwischen dem S&P-Index' für Hochzinsanleihen und dem für Staatsanleihen sei von 16,47 Prozentpunkten am Jahresende 2008 auf 9,71 Prozentpunkte am 1. Juli 2009 gesunken. Nach Angaben von S&P rentierten Neuemissionen im Juni mit durchschnittlich 10,5 Prozent - ein nach wie vor hohes Niveau, allerdings niedriger als noch im ersten Quartal. Angesichts der weiterhin hohen Ausfallerwartungen „müsste eine wesentliche Verbesserung sowohl der Gewinnsituation als auch der Wirtschaftsdaten eintreten, bevor sich die Spreads weiter deutlich verengen“, so S&P

          Dem S&P-Bericht zufolge habe die Ausfallrate bei Hochzinsanleihen im Juni auf 9,2 Prozent zugelegt und könne mit Blick auf die für die kommenden drei Quartale erwarteten signifikanten Ausfälle bis März 2010 auf 14,3 Prozent steigen. Der Kreis der Unternehmen mit erheblichem Ausfallrisiko ist groß: S&P stuft 142 oder 13 Prozent der Emittenten mit einem spekulativem Rating von CCC+ oder schlechter ein; hinzu kommen 163 Unternehmen (15 Prozent) mit einer Bonität von B-.

          S&P beziffert das Gesamtvolumen der in den vergangenen zwei Monaten begebenen Hochzinsanleihen auf 33,5 Milliarden Dollar, wovon 15,5 Milliarden Dollar im Juni zu gleichen Teilen auf Papiere mit den Bonitätsstufen BB und B entfielen. Den von S&P im bisherigen Jahresverlauf herabgestuften 438 Unternehmen im spekulativem Bereich stehen lediglich 40 Heraufstufungen gegenüber. Die meisten Herabstufungen (120) gehen auf das Konto des Medien- und Unterhaltungssektors (bei nur 7 Heraufstufungen), während im Sektor forstwirtschaftliche Produkte und Baumaterial 43 Herabstufungen vorgenommen wurden.

          Schauriger Arbeitsmarktbericht

          Bill Larkin, Rentenportfoliomanager bei Cabot Money Management in Salem (Massachusetts), sieht auf dem Hochzinsmarkt einen neuerlichen Wendepunkt erreicht. Nach seiner Ansicht warteten Anleger nun Informationen zu den Aussichten auf eine konjunkturelle Erholung ab, bevor sie weitere Hochzins-Unternehmensanleihen kauften.
          „Der Arbeitsmarktbericht [für Juni] sorgte für eine Schreckreaktion. Er zeigte, dass eine Erholung noch sehr viel länger auf sich warten lassen könnte als vom Markt derzeit erwartet“, was für den Unternehmensanleihemarkt problematisch wäre, so Larkin

          Der Kreditmarkt habe zwar merkliche Fortschritte bei der Liquiditätsversorgung von Unternehmen erzielt, einige seiner Teilbereiche seien jedoch weiterhin nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähig, so Larkin. Es besteht die Sorge, dass wir uns noch immer in einem frühen Stadium des Ausfallzyklus' befinden, und je länger die Erholung auf sich warten lässt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen bei ihrer Refinanzierung fälliger Schuldtitel vom Zugang zum Markt ausgeschlossen werden. Dies hätte eine Fortsetzung der Spread-Ausweitung von Hochzinspapieren zur Folge

          Investoren, die das Risiko weiterhin nicht scheuten, würden vom allgemeinen Stimmungswandel profitieren, der eine weitere Verengung der Renditedifferenz verhindere, wodurch Anleger eine Überrendite von 10,5 Prozent gegenüber Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit erhielten, so Larkin. Der seit dem Höchststand der Spreads im vergangenen Herbst erfolgte Rücksetzer um 50 Prozent könnte implizieren, dass Hochzinspapiere auf Basis der gegenwärtig verfügbaren Wirtschaftsdaten nun fair bewertet sind

          „Dies sorgt jedoch für Nervosität unter den Investoren und veranlasst sie, ihre Papiere zu verkaufen und sich defensiver zu positionieren“, sagt Larkin. So sehr viele Anleger die Renditen von Hochzinsanleihen auch zu schätzen wüssten, so gerne dürften sie ihre in der ersten Jahreshälfte erzielten Gewinne nun in Sicherheit bringen wollen, so Larkin weiter.

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