https://www.faz.net/-gv6-6w3k4

Gute Haushaltsentwicklung : Der Bund schraubt seine Mittelaufnahme zurück

Staatsanleihen und Bundeswertpapiere Bild: F.A.Z.

Tritt auf die Schuldenbremse: Im kommenden Jahr will der Bund 250 Milliarden Euro an Schuldtiteln begeben. Auch im restlichen Euroraum gehen die Emissionsplanungen deutlich zurück

          2 Min.

          Die Bundesregierung schraubt ihre Mittelaufnahme im kommenden Jahr deutlich zurück. Wie die Finanzagentur, der Schuldenverwalter des Bundes, am Mittwoch mitteilte, plant der deutsche Staat 2012 zur Haushaltsfinanzierung Anleiheemissionen von 250 Milliarden Euro. Im zu Ende gehenden Jahr hat der Bund Schuldtitel über 275 Milliarden Euro am Kapitalmarkt plaziert. Ursprünglich waren 302 Milliarden Euro geplant gewesen. Die Reduktion hatte die Finanzagentur mit der guten Haushaltsentwicklung begründet. Allein im vierten Quartal waren die Emissionspläne um 16 auf 52 Milliarden Euro gesenkt worden.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Zuge der Finanzkrise, die im Herbst 2008 mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers eskaliert war, musste der Bund noch deutlich mehr Anleihen begeben, um seine Stützungspakete für Banken und Konjunktur zu finanzieren. Im Jahr 2009 erreichte die Emission von Bundesanleihen mit 329 Milliarden Euro den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Auch 2010 blieb das Emissionsvolumen mit 323 Milliarden Euro hoch. Der für das Jahr 2012 geplante Wert von 250 Milliarden Euro ist hoch, da diese Summe in den Jahren 2001 bis einschließlich 2008 niemals erreicht worden war.

          Die meisten Emissionen plant Italien

          Auch das um seine erstklassige Bonitätsnote (AAA) kämpfende Frankreich tritt auf die Schuldenbremse. Finanzminister François Baroin legte am Dienstag die geplanten Neuemission an mittel- und langfristigen Anleihen auf 178 Milliarden Euro fest. Das sind 6 Milliarden Euro weniger als in diesem Jahr. Die britische Investmentbank Barclays Capital erwartet im kommenden Jahr eine Mittelaufnahme der Euroländer über insgesamt 794 Milliarden Euro. Davon entfallen fast 60 Prozent auf das erste Halbjahr. Die meisten Emissionen plant Italien mit 220 Milliarden Euro.

          Diese Schätzung bezieht sich aber nur auf sogenannte Kapitalmarktinstrumente, die eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren aufweisen. Hier plant der Bund Emissionen über 170 Milliarden Euro, während die restlichen 80 Milliarden Euro über Geldmarktinstrumente mit einer Laufzeit von höchstens zwölf Monaten aufgenommen werden sollen. Im Euroraum rechnet Barclays 2012 mit einem Volumen von 610 Milliarden Euro an neuen Geldmarktpapieren. Davon dürften 144 Milliarden Euro auf Italien und 187 Milliarden Euro auf Frankreich entfallen.

          Im langfristigen Vergleich bleibt das von den Euroländern im kommenden Jahr geplante Emissionsvolumen laut Barclays hoch. Denn der historische Durchschnittswert für mittel- und langfristige Anleihen fällt mit 670 Milliarden Euro um 124 Milliarden Euro oder 16 Prozent deutlich geringer aus. Ähnlich wie beim Bund gehen die Emissionsplanungen im Euroraum gegenüber den Jahren 2009 und 2010 deutlich zurück. Damals hatten die Euroländer zur Bewältigung der Finanzkrise Anleihen über 932 beziehungsweise 952 Milliarden Euro emittiert.

          Im Euroraum Tilgungen über rund 638 Milliarden Euro

          Ein deutliches Gedränge wird an den Finanzmärkten im ersten Quartal erwartet. Die Euroländer wollen zwischen Januar und Ende März Schuldtitel über 236 Milliarden Euro aufnehmen. Der Bund plant in diesem Zeitraum die Begebung von Kapitalmarktinstrumenten über 43 Milliarden Euro. Hinzu kommen Geldmarktinstrumente, die sogenannten Schatzanweisungen (Bubills) über 21 Milliarden Euro.

          Die Tilgungen des Bundes belaufen sich im kommenden Jahr nach den Angaben der Finanzagentur auf 216,2 Milliarden Euro. Die Zinszahlungen sollen sich auf 35,3 Milliarden Euro belaufen. Damit fließen an die Investoren insgesamt 251,5 Milliarden Euro zurück. Das sind 1,5 Milliarden Euro mehr, als sich der Bund von ihnen leihen möchte. Im Laufzeitenbereich von zwei bis 30 Jahren will der Bund knapp 160 Milliarden Euro tilgen. Um 10 Milliarden Euro höher fallen seine Emissionspläne an diesen mittel- und langfristigen Schuldtiteln aus.

          Im Euroraum prognostizieren die Barclays-Analysten Tilgungen über rund 638 Milliarden Euro. Auf Griechenland, Portugal und Irland - alle drei Länder erhalten Hilfskredite der Eurogruppe und des Internationalen Währungsfonds - entfallen davon 39 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So spannend wie lange nicht mehr: Zwischen SPD und Union ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen

          Allensbach-Umfrage : Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union

          Kurz vor der Bundestagswahl ist das Rennen zwischen SPD und Union um Platz Eins weiter offen. In der letzten Umfrage Allensbach-Instituts im Auftrag der F.A.Z. verkürzt sich der Abstand zwischen den beiden Parteien.
          Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, gibt am Freitag in Köln im Garten des Erzbischöflichen Hauses ein Statement ab.

          Papstentscheidung zu Woelki : Das Vertrauen ist definitiv verloren

          Man muss wohl ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu hoffen, dass die Krise im Erzbistum Köln mit einer mehrmonatigen „geistlichen Auszeit“ Kardinal Woelkis zu lösen ist. Denn sie lässt nicht nur viele Betroffene ratlos zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.