https://www.faz.net/-gv6-6xym3

Griechischer Anleihentausch : Der Zwang zur Umschuldung ist rechtlich zweifelhaft

Trümmer bei Athen Bild: dapd

Jetzt kommt die Umschuldung. Griechenland tauscht seine Staatsanleihen gegen neue, die weniger wert sind. Was Anleger wissen müssen.

          Jetzt wird’s ernst für die Besitzer griechischer Staatsanleihen. Nach wochenlangen Verhandlungen mit den Anleihegläubigern beginnt Griechenland jetzt mit seiner Umschuldung. Am späten Freitagabend hat die griechische Regierung ihr Umtauschangebot veröffentlicht. Jetzt müssen sich die Besitzer der Papiere entscheiden, ob sie sich an dem vereinbarten Umtausch der Anleihen beteiligen wollen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hier geht es zum Tauschangebot mit F.A.S.-Kommentar.

          Die wichtigsten Daten des Tauschangebots liegen inzwischen auf dem Tisch. Pro 1000 Euro Nennwert bekommt jeder Aktienbesitzer eine Anleihe des Euro-Rettungsfonds EFSF mit einem Nennwert von 150 Euro, die innerhalb von zwei Jahren fällig wird. Dazu kommt eine Anleihe von Griechenland mit dem Nennwert von 315 Euro, die erst 2042 zur Rückzahlung fällig wird. Für diese Anleihe zahlen die Griechen Zinsen: anfangs 2 Prozent im Jahr, von 2016 an 3 Prozent, von 2022 an 4,3 Prozent. Zudem hat Griechenland weitere Zinsen in Aussicht gestellt, wenn die griechische Wirtschaft besser läuft als erhofft - Details dazu gibt es bisher aber noch nicht.

          Freiwillig ist der Umtausch nicht. Das griechische Parlament hat vergangene Woche ein Gesetz beschlossen, das einen Zwang möglich macht - auch für Anleihen unter griechischem Recht, die diese Möglichkeit bisher nicht vorsahen. Für die wenigen Anleihen nach britischem Recht gab es diese Klausel bereits - jetzt können also fast alle griechischen Anleihen per Zwang getauscht werden.

          Solange der Zwang nicht kommt, können Anleger pokern

          Nach den neuen Regeln würde die Umschuldung dann Zwang, wenn ihr eine Zweidrittelmehrheit zustimmt in einer Abstimmung, an der sich die Hälfte der Anleihenbesitzer beteiligen. Privatanleger müssen sich um diese Abstimmung nur wenige Gedanken machen. Sie können sogar hoffen: Falls Griechenland mehr als 90 Prozent seiner privaten Gläubiger vom freiwilligen Umtausch überzeugen kann, könnte das Land möglicherweise auf einen Tausch der restlichen Anleger verzichten.

          Falls der Zwang kommt, können Anleger über eine Klage nachdenken. Anwälte sagen, der Zwang sei rechtlich zweifelhaft, weil damit die Anleihebedingungen nachträglich geändert werden. Ob eine Klage allerdings viel bringt, ist fraglich: Bei Staatspleiten wird nur selten Staatseigentum gepfändet.

          Doch solange der Zwang nicht kommt, können Anleger noch pokern. Wer nicht umtauschen möchte, kann seine Anleihe erst mal behalten. Vermutlich bringt das keine Nachteile. Die griechische Regierung hat jedenfalls angekündigt, die Bedingungen für die freiwillige und die erzwungene Umschuldung sollten ungefähr gleich sein.

          Es kann sich aber lohnen, die Anleihe freiwillig zu tauschen. So mancher Experte schätzt, dass Griechenland auch nach der aktuellen Umschuldung auf längere Sicht nicht gerettet ist. Selbst wenn Anleger jetzt dem Zwang entgehen, könnte später eine neue Runde der Umschuldung kommen - dann zu schlechteren Konditionen. Anleihen, die noch über mehrere Jahre laufen, sollten wahrscheinlich getauscht werden. Für diese Anleihen ist das neue Angebot vermutlich besser als das, das die Besitzer in einer möglichen nächsten Runde der Umschuldung bekommen könnten.

          Mit Anleihen, die bald fällig werden, können Anleger sich den Tauschaufwand sparen und eher darauf spekulieren, dass sie in nächster Zeit doch noch irgendwie den vollen Kreditbetrag zurückbekommen.

          Die Tauschfrist läuft voraussichtlich zwei Wochen, bis zum 12.März. Auf der Internetseite www.greekbonds.gr will die Regierung demnächst weitere Details zum Ablauf veröffentlichen. Anleger können sich aber vermutlich auch einfach an ihre Depotbank wenden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abgrenzung von der AfD : Das Ende eines Ausflugs

          Die Union besinnt sich endgültig wieder auf die Erkenntnis, dass sie mit einer Wendung nach rechts weniger Zustimmung zurückgewinnt, als sie in der Mitte verliert.

          „Kleiderpolizei“ im Hochsommer : Liberté, Egalité, Décolleté

          Es ist sehr heiß. Während die einen nur an Abkühlung denken, stören sich die anderen an freizügiger Sommerkleidung. In Frankreich wehren sich viele Frauen auf Twitter gegen diese Verurteilung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.