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Griechische Staatsanleihen : Vierstellige Rendite

Bild: Getty Images/Imagezoo

Eine Griechen-Anleihe ist momentan der Renner an der Börse. Wer jetzt kauft, kann im März steinreich sein. Doch wie die Partie genau endet, weiß niemand, selbst die Regeln sind im Fluss.

          Der Mann, ein Investmentbanker der robusten Art, liebt klare Ansagen: „Alles auf die Griechen“, sagt er. Alles, was er flüssig habe, stecke er in Griechen-Anleihen - nicht das Geld seiner Bank wohlgemerkt, das eigene. „Geheimtipp“, knurrt er zum Adventskaffee, „sagenhafte Rendite“. Seine Gattin, die Künstlerin, zuckt. Aber sie lässt ihn gewähren. Schließlich hat der Banker einen gewissen Track-Record, wie er sagt, oder für Nichtbanker: Im privaten Vermögensaufbau ist bisher wenig schiefgelaufen. Jetzt also investiert er in die Griechen: „Es gibt nichts Besseres.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei weiß jedes Kind: Das Land ist pleite, das Volk auf den Barrikaden, die Regierung gestürzt, die Verwaltung unfähig. Niemand glaubt, dass die Griechen ihre Schulden werden je voll zurückzahlen können. Wer leiht so jemandem noch Geld? Deutsche Privatanleger. Und zwar nicht einzelne Verirrte, sondern in ganzen Scharen: Griechenland-Anleihen sind der Renner, berichten Online-Broker wie Parkett-Händler. „Der Handel konzentriert sich momentan auf Griechenland, der Markt ist extrem flüssig“, sagt Markus Gross von der Stuttgarter Börse, wohin es die privaten Anleihekäufer hauptsächlich zieht. Acht Jahre tut Gross dort seinen Dienst, so etwas wie mit den Griechen hat er noch nie erlebt: „Das ist eine absolute Ausnahmesituation.“

          Gier der Privaten

          Wer glaubt, der Markt sei tot, irrt gewaltig: Einen wahren Ansturm von Hobbyspekulanten erlebt die Börse. Wer genau da mitmischt, ist nicht zu ermitteln, da die Orders anonym eingehen, die Beträge lassen auf eher kleine bis mittlere Anleger schließen: 3000, 5000 oder 10.000 Euro werden eingesetzt, durchaus auch mal 100.000, „als spekulative Beimischung fürs Depot“, wie Händler Gross vermutet.

          Die Gier der Privaten wird durch die Brüsseler Rettungsbeschlüsse vom Freitag nochmal befeuert: Entgegen früheren Plänen sollen Privatgläubiger künftig geschont werden, die Haftung trägt der Steuerzahler. Das regt die Phantasie an. Bisher hat noch jeder Gipfel, jede Nachricht, jedes Gerücht den Handel verstärkt. „Dann verdoppelt oder verdreifacht sich der Umsatz“, sagt Markus Gross.

          „My Big Fat Greek Bond“

          Rund 70 Prozent der Umsätze mit Euro-Staatsanleihen (die deutschen Bundesanleihen ausgenommen) entfallen momentan auf die Griechen, der Großteil davon (etwa 80 Prozent) auf ein einziges Papier: die Anleihe, die am 20. März 2012 fällig wird. „My Big Fat Greek Bond“, wie Witzbolde sagen: fast 15 Milliarden Euro schwer, aktueller Kurs: knapp über 40 Prozent. Der Zins beträgt 4,3 Prozent auf den Nennwert, ist aber eher zu vernachlässigen.

          Die Wette ist eine andere: Halten sich die Griechen noch drei Monate irgendwie über Wasser, erhält der Privatanleger im März 100 Euro für die 40 Euro, die er jetzt investiert: Den Einsatz mal 2,5. 150 Prozent Gewinn in 100 Tagen, spaßeshalber hochgerechnet auf 12 Monate, überfordert das den Online-Kalkulator der Börse: Rendite größer als 999 Prozent steht da nur (vierstellig macht er es nicht).

          Letztlich spuckt ein anderer Renditerechner rund 2600 Prozent aus, was allerdings unterstellt, dass die Wette über ein Jahr laufend wiederholt werden könnte. Das bedeutet aber, dass man die Rückflüsse zu denselben Konditionen wieder investieren kann. „Das zahlt sonst niemand“, tönt der Investmentbanker.

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