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Griechische Staatsanleihen : Furcht vor einer Verkaufswelle

Die Finanzmärkte haben lange gebraucht, um die Dramatik der griechischen Staatsverschuldung zu erkennen Bild: AFP

Trotz des Stabilisierungspakets nimmt die Nervosität auf den Märkten wieder zu. Insbesondere griechische Anleihen wollen die Investoren loswerden, obwohl Griechenland seine wirtschaftlichen Ziele vielleicht sogar übererfüllt.

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          Die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige griechische Staatsanleihen haben am Freitag zunächst mit 1140 Basispunkten einen neuen historischen Höchststand erreicht. Im weiteren Verlauf legten sich zwar die größten Sorgen, und die Risikoprämie näherte sich wieder 1000 Basispunkten. Jedoch werden für die kommenden Tage für griechische Staatsanleihen weitere Verwerfungen befürchtet. Vor allem europäische Großanleger könnten versucht sein, bis zum 1. Juli Papiere abzugeben. Zum einen sind griechische Staatstitel wegen ihrer schlechten Ratings dann nicht mehr in wichtigen Anleiheindizes enthalten, die von manchen Großanlegern nachgebildet werden. Außerdem läuft Anfang Juli ein Geldmarktgeschäft der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Obendrein berichten Händler, dass die EZB ihre Anleihekäufe in den vergangenen Tagen reduziert hat.

          „Es scheint, als würden manche Banken griechische Anleihen verkaufen, um sich mit Geld einzudecken, das sie Anfang Juli der EZB zurückgeben werden“, war im Handel eine Großbank zu hören. Äußerungen des griechischen Finanzministers Georgios Papaconstantinou, wonach Griechenland 2010 seine wirtschaftlichen Ziele mindestes erfüllen, vielleicht sogar übererfüllen werde, fanden an den Märkten keine Resonanz.

          Dramatik der Staatsverschuldung erst spät erkannt

          Die Finanzmärkte haben lange gebraucht, um die Dramatik der griechischen Staatsverschuldung zu erkennen. Bis zum Herbst 2008, also bis zum Untergang von Lehman Brothers, waren CDS auf griechische Staatsanleihen extrem billig, obgleich die Staatsverschuldung mehr als 250 Milliarden Euro betrug. Der Anstieg der CDS-Preise auf aus heutiger Sicht nicht sehr hohe 260 Basispunkte in den Wochen vor und nach der Jahreswende 2008/09 war mehr der Verunsicherung nach dem Untergang von Lehman als einer Furcht vor Schwierigkeiten mit Griechenland geschuldet. Nachdem sich die Märkte im Frühjahr 2009 beruhigt hatten, gaben die Preise für CDS auf griechische Anleihen sowie deren Renditen im Zuge der Stimmungsverbesserung wieder nach, obgleich die Verschuldung Griechenlands weiter stieg. Warnungen vor einem Anstieg der Preise für CDS kamen damals fast nur von technischen Analysten, die sich der umstrittenen Elliott-Wellen-Methode verschrieben haben.

          So hatte Heribert Müller, der Leiter eines technischen Analysehauses, im Herbst 2008 in dieser Zeitung vorausgesagt, dass CDS auf griechische Anleihen in der ersten Jahreshälfte fallen, in der zweiten Jahreshälfte als Folge politischer und wirtschaftlicher Probleme deutlich steigen würden. Diese Prognose erwies sich als korrekt. Befeuert wurde die Spekulation auf steigende Preise für CDS und Anleiherenditen ab der zweiten Jahreshälfte durch CDS-Käufe großer Hedge-Fonds, die den Ausbruch einer Schuldenkrise in Griechenland korrekt antizipierten. Im Frühjahr 2010 explodierten die CDS-Preise und Anleiherenditen, als der Zustand der griechischen Staatsfinanzen schließlich korrekt eingeschätzt wurde.

          Auch wenn die Märkte für Anleihen und CDS parallel liefen, waren die Verbindungen zwischen beiden begrenzt. Von den 300 Milliarden Euro griechischen Staatsschulden wurden höchstens 8 Milliarden Euro über CDS abgesichert, davon alleine eine Milliarde von der griechischen Postbank. Hierzu trugen Regulierungen bei, die es in manchen Ländern bestimmten Gruppen von Großanlegern nicht gestatten, Anleihebestände über CDS abzusichern. Verkauft wurden und werden griechische Staatsanleihen vor allem von kontinentaleuropäischen Großanlegern, kaum aber von angelsächsischen Investoren, die niemals umfangreiche Bestände an griechischen Papieren hielten. Nach Schätzung von Marktteilnehmer dürfte die EZB in den vergangenen Wochen Griechen-Papiere für rund 30 Milliarden Euro gekauft haben.

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