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Griechische Staatsanleihe : Säbelrasseln der Hedgefonds gegen Athen

  • -Aktualisiert am

Am kommenden Dienstag wird eine griechische Staatsanleihe über 436 Millionen Euro fällig Bild: dpa

Der berüchtigte Elliott-Fonds setzt auf die fällig werdende internationale Anleihe. Es wäre nicht das erste Mal, dass der auf Schuldenkrisen spezialisierte Hedgefonds Kapital aus einer Krise schlägt.

          Mit Spannung warten die Finanzmärkte darauf, ob Athen seine am kommenden Dienstag fällige Anleihe nach internationalem Recht über 436 Millionen Euro zurückzahlen wird und ob der Hedgefonds Elliott wieder Kapital aus einer Krise schlagen wird. Während Gläubiger von Anleihen nach griechischem Recht im März von Athen zu einem verlustreichen Anleihetausch gezwungen wurden, haben einige Hedgefonds darauf gesetzt, dass ihnen dieses Los bei Anleihen nach internationalem Recht erspart bleibt, solange sie nur den verlustreichen Tausch blockieren. Diesen Weg hat offenbar auch der auf notleidende Anleiheforderungen spezialisierte Hedgefonds Elliott Advisors eingeschlagen, der in die jetzt fällige und andere Griechenland-Anleihen nach internationalem Recht investiert hat.

          Elliott ist berüchtigt: 1996 kaufte der Hedgefonds Anleihen von Peru auf und verklagte das Land trotz seiner Schuldenkrise und Umschuldungsverhandlungen auf Zahlung. Der Fonds versuchte mit Klagen in Brüssel gar, Zinszahlungen von Peru an andere Gläubiger über Euroclear abzufangen. Der Klageweg von Elliott gefährdete letztlich die Umschuldung von Peru, so dass sich das Land auf einen Vergleich einigte, der dem Hedgefonds im Jahr 2000 einen Gewinn von 46,7 Millionen Dollar auf einen Einsatz von 11,7 Millionen bescherte. Auch mit Panama hatte Elliott Erfolg. Dort verweigerte sich der Hedgefonds Umschuldungsangeboten und kassierte 57 Millionen Dollar auf einen Einsatz von 17,5 Millionen Dollar.

          Ausreichend hohe blockierende Mehrheit zusammengekauft

          Auch jetzt versucht Elliott offenbar sein Glück: Athens Zwangsumtausch im März bezog sich nur auf Anleihen nach griechischem Recht und nicht auf die Anleihen von 29 Milliarden Euro, die nach internationalem Recht begeben wurden. Die Investoren dieser Anleihen mussten Ende März abstimmen, ob sie auf das Athener Angebot des Anleihetauschs eingehen wollten. Gläubiger von 16 internationalen Anleihen gingen Ende März auf das Angebot Athens ein. Diese Anleihen in Höhe von 20,27 Milliarden Euro wurden am 11. April in neue Anleihen getauscht. Gläubiger von mehr als 16 Anleihen stimmten jedoch gegen den Vorschlag, so dass die Frist, bis zu der Athen auf ein Einlenken der Gläubiger hoffte, immer wieder hinausgeschoben wurde.

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          Bei dem kommende Woche fälligen Papier schreibt die Abstimmungsklausel (Collective Action Clause, CAC) eine Mehrheit von 66 Prozent der Gläubiger vor, wenn diese ihre Mitinvestoren zu einem Schuldentausch zwingen wollen. Aber Elliott Advisors und andere Gläubiger haben sich eine ausreichend hohe blockierende Mehrheit zusammengekauft. Die Anleihe existiert deshalb noch und notiert auf Bloomberg bei nahezu 100 Prozent des Nennwerts.

          Zwischenzeitliche Schlappe vor Gericht

          Nächste Woche kommt es nun zum Schwur: Entweder Athen tilgt die Anleihe, dann ist die Rechnung von Elliott aufgegangen. Wer das Papier am 16. Dezember 2011 zu 66,56 Prozent gekauft hat, würde dann eine Rendite von 50 Prozent einstreichen. Athen hat aber schon gesagt, dass es kein Geld habe, um störrische Gläubiger zu bezahlen. Die griechische Regierung kann einen Kompromiss anbieten, den Elliott aber möglicherweise ablehnen wird. Griechenland könnte dann nach der zustehenden Wartefrist von 30 Tagen einen Zahlungsausfall riskieren. Dies würde die neuen Anleihen nicht treffen, deren Cross-Default-Klauseln nur greifen, wenn Anleihen nicht bedient werden, die nach der Griechenland-Umschuldung vom März begeben wurden.

          Elliott würde dann wohl darauf setzen, vor Gericht die komplette Tilgung der Anleihe erstreiten zu können. Aber Vorsicht ist geboten: In den Vereinigten Staaten hatte Elliott auf dem Klageweg gegen Peru zwischenzeitlich auch eine Schlappe erlitten, weil ein New Yorker Gericht 1998 urteilte, Elliott stehe keine Tilgung zu, da der Fonds die Anleihen ausschließlich nur mit dem Ziel künftiger Klagen gekauft habe und es an einer Umschuldung niemals interessiert gewesen sei. Elliott gewann aber in der nächsten Instanz.

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