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Griechische Anleihen : Was auf Privatanleger zukommt

Athen zählt die Stunden: Die Frist für den Schuldenschnitt läuft aus. Bild: dpa

Am heutigen Abend entscheidet sich, ob der Schuldenschnitt Griechenlands gelingt. Stimmen weniger als 66 Prozent der privaten Gläubiger dem Anleihentausch zu, darf Griechenland sie nicht zum Umtausch zwingen.

          Die Entscheidung darüber, ob der Schuldenschnitt Griechenlands wie geplant gelingt, steht unmittelbar bevor. Abends um 21 Uhr endet die Frist, innerhalb deren private Gläubiger den von der Regierung in Athen angebotenen Anleihentausch annehmen können oder nicht. Deutsche Privatanleger mussten sich in der Regel schon entschieden haben. Die ING Diba hat ihren Privatkunden beispielsweise bis zum Mittwoch dieser Woche Zeit gegeben, die zur Commerzbank gehörende Comdirect-Bank bis zum Dienstag, die Deutsche Bank bis zum Montag.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Depotbanken hatten ihren Privatkunden zuvor schriftlich das Umtauschangebot zugesandt, das die griechische Regierung Ende Februar formal unterbreitet hatte. Wer es angenommen hat, verzichtet auf 53,5 Prozent seiner Forderungen. Die verbliebenen Forderungen verteilen sich auf eine ganze Serie verschiedener Wertpapiere. Bezogen auf einen Nominalwert von 1000 Euro befinden sich darunter etwa eine vom Euro-Rettungsfonds EFSF garantierte Anleihe mit Rückzahlungswert 150 Euro, ein Paket aus 20 verschiedenen neuen griechischen Staatsanleihen mit Fälligkeiten vom Jahr 2023 bis zum Jahr 2042 im Gesamtnennwert von 315 Euro und ein Schuldtitel, dessen Auszahlungen davon abhängen, wie sich die Wirtschaftsleistung Griechenlands entwickelt.

          Liegt die Zustimmungsrate unter 66 Prozent, sind die Folgen ungewiss

          Privatanleger, die dieses Angebot ablehnten, werden ihm mutmaßlich dennoch unterworfen. Das hängt davon ab, wie viele private Gläubiger zugestimmt haben werden. Ab einer Zustimmung von 66 Prozent - gemessen am abstimmenden Anleihevolumen - kann die griechische Regierung per Gesetz den Umtausch für alle nach griechischem Recht begebenen Anleihen einfach beschließen. Liegt die Zustimmung im Bereich von 75 bis 80 Prozent, wie es die Analysten der Citigroup erwarten, ist das sehr wahrscheinlich. Beträgt die Zustimmungsrate 90 Prozent oder mehr, was unter Marktteilnehmern als nicht realistisch gilt, wird Athen vermutlich auf den Umtauschzwang verzichten, weil der avisierte Schuldenerlass in Höhe von insgesamt 107 Milliarden Euro ungefähr erreicht würde. Privatanleger, die den Umtausch ablehnten, können dann auf volle Tilgung hoffen.

          Spannend ist der Fall, in dem die Zustimmungsrate unterhalb von 66 Prozent bleibt. Dann verfügt Griechenland nicht über die Möglichkeit, den Anleihetausch aufzuzwingen. In diesem Szenario gibt es mehrere denkbare Ausgänge: Die europäischen Regierungen könnten das Rettungspaket dennoch vollständig absegnen, obwohl sie den nun angestrebten Schuldenschnitt zur Bedingung gemacht hatten. Dann dürften insbesondere die in nächster Zeit fälligen griechischen Anleihen getilgt werden. Am 20. März läuft beispielsweise eine Anleihe im Volumen von 14,5 Milliarden Euro aus. Ohne Rettungspaket gilt eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands eher früher als später als wahrscheinlich. Die exakten Folgen davon sind nicht absehbar - im Extremfall bekämen Privatanleger, die griechische Anleihen halten, infolgedessen überhaupt nichts zurück.

          Handel griechischer Anleihen ausgesetzt

          Sich bis zum Ablauf der Umtauschfrist noch von den Papieren zu trennen ist indes keine Option. Die Stuttgarter Börse hat den Handel griechischer Anleihen „beginnend mit dem 5.3.2012 bis auf weiteres“ ausgesetzt, teilte ein Sprecher mit. An den übrigen deutschen Börsenplätzen ist es genauso. Außerbörslich werden dem Vernehmen nach vereinzelt An- und Verkaufskurse gestellt, die Royal Bank of Scotland biete etwa den Ankauf der März-Anleihe zum Kurs von 14,5 Prozent und den Verkauf zum Kurs von 29,5 Prozent an. Faktisch „existiert der Handel mit griechischen Anleihen derzeit aber nicht“, sagt Holger Kindsgrab, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft DWS.

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