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Griechenland : Kleinanleger können noch hoffen

Europäische Schicksalsgemeinschaft Bild: dpa

Der Schuldenschnitt für Griechenland ist beschlossen. Ein Gesetz, mit dem nicht-umtauschwillige Gläubiger herangezogen werden können, ist in Vorbereitung. Kleinanleger können aber noch hoffen.

          Es war ein langes Zittern, aber nun ist es geschafft. Das zweite Hilfspaket für Griechenland ist frei gegeben, das Land erhält bis zu 130 Milliarden Euro und soll damit bis 2014 zahlungsfähig bleiben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zudem wird die EU nur noch Zinsen verlangen in Höhe des Euribors plus eines Aufschlags von 1,5 Prozentpunkten. Einjährige Kredite kosten Griechenland daher aktuell nur noch 3,158 Prozent statt wie bisher 3,658 Prozent.

          Auch Kleinanlager könnten dabei sein

          Mithelfen müssen dabei auch die privaten Gläubiger. Sie müssen wohl auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Dabei sollen sie für ihre Forderungen neue Anleihen griechische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von 31,5 Prozent der Alt-Anleihen erhalten sowie zweijährige Anleihen des EFSF im Wert von 15 Prozent der Nominale. Zudem sollen die Anleger ein an die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts abhängiges Wertpapier mit gleichem Nominalwert wie die griechische Umtauschanleihe erhalten.

          Neben institutionellen könnte es auch private Investoren treffen, ob sie wollen oder nicht. Das griechische Finanzministerium teilte am Dienstag mit, die Regierung werde dem Parlament in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen, wodurch eine gemeinsame Umschuldungsklauseln (Collective Action Clause) wirksam würde. Damit würde eine Mehrheit der Gläubiger entscheiden, wie hoch der Forderungsverzicht ausfällt. Eine Minderheit, die damit nicht einverstanden ist, muss sich in diesem Fall dem Votum beugen.

          Damit soll zwar nur die erforderliche Höhe des Schuldenschnitts erreicht werden, um den Schuldenstand bis 2020 von derzeit etwa 160 Prozent auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Doch ob der beschlossene Schuldenschnitt dazu ausreicht wird, stark bezweifelt.

          Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer etwa macht darauf aufmerksam, dass falls etwa der unterstellte Haushaltsüberschuss vor Zinszahlungen (Primärüberschuss) in Relation zum durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukt der Jahre bis 2020 nur 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfällt, der Schuldenstand 2020 125 Prozent betrüge. Wachse die Wirtschaft pro Jahr um 0,5 Prozentpunkte weniger als unterstellt, betrüge der Schuldenstand 127 Prozent. Insofern tun Privatanleger durchaus gut daran, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ebenfalls zum Schuldenschnitt herangezogen zu werden.

          Umtauschempfehlungen

          Der Internationale Bankenverband (IIF) bezeichnete dies als die bisher größte Umstrukturierung von Staatsschulden. Das bisher noch nie dagewesene Paket spiegele die außergewöhnlichen und einzigartigen Umstände des Falles Griechenland wider. Der Verband empfahl allen Investoren eine sorgfältige Prüfung des Angebots zum Umtausch alter Anleihen in neue.

          Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) empfiehlt Privatanlegern, ihre Anleihen umzutauschen. Es bestehe das Risiko, dass die alten Papiere nicht mehr bedient würden. Inhaber argentinischer Anleihen wissen, wovon die Rede ist. Das südamerikanische Land bot drei Jahre nach der Pleite von 2001 schließlich an, Alt-Anleihen in wenig attraktive Papiere mit bruttoinlandsprodukts- oder inflationsabhängiger Verzinsung und Laufzeiten von bis zu 35 Jahren umzutauschen. Das kostete die Anleger zwei Drittel ihrer Forderungen.

          Daher sollten Anleger im Umtauschfall auch bei den griechischen Anleihen das bruttoinlandsproduktsabhängige Wertpapier nur als eine Art Besserungsschein betrachten. Im Falle Argentiniens etwa erhalten Anleger nur eine Ausschüttung, wenn das tatsächliche Bruttoinlandsprodukt größer ist als das, welches bei Konstruktion des Wertpapiers unterstellt wurde. 5 Prozent der Differenz werden an die Inhaber des Wertpapiers ausgeschüttet - allerdinmgs auch nur bis zu einer Obergrenze.

          Wer aber auf dieses Angebot nicht einging, ging noch länger leer aus. Argentinien unterbreitete kein besseres Angebot, bis heute ist die Umschuldung nicht abgeschlossen. Klagende Anleger erstritten so manches Urteil, Geld sahen sie meist nicht. Noch heute hoffen und klagen manche Anleger. Ob sie Aussicht auf Erfolg haben, ist ungewiss.

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