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Griechenland : Herabstufung erhöht den Druck

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Die Regierung steht auch unter dem Druck der Straße Bild: dpa

Griechenlands Status als vertrauenswürdiger Schuldner hängt an einem seidenen Faden. Nach der Herabstufung durch Moody's vergibt nur noch Fitch eine gute Bonitätsnote. Das hat den Druck auf den europäischen Anleihemarkt verstärkt.

          Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote für Griechenland um gleich vier Stufen auf "Ba1" gesenkt und damit am Dienstag verstärkte Verkäufe griechischer Anleihen ausgelöst. Eine große Verkaufswelle habe es jedoch nicht gegeben, berichteten Händler. Die meisten griechischen Staatsanleihen lägen inzwischen bei Institutionen, die nicht an ein bestimmtes Rating gebunden seien.

          Die Masse der Anleihen hielten griechische, deutsche und französische Banken, sowie vor allem die Europäische Zentralbank. Sie kauft seit dem 10. Mai - mit dem Hinweis auf nach ihrer Darstellung "dysfunktionale Wertpapiermärkte" - Anleihen finanzschwacher Euro-Länder. Der Wert griechischer Anleihen im Besitz der EZB wird auf mehr als 25 Milliarden Euro geschätzt. Das sind annähernd 10 Prozent aller Anleihen des griechischen Staates.

          Viele institutionelle Investoren dürfen Anleihen geringerer Qualität nicht halten

          Nach der Herabstufung durch Moody's hat Griechenland nur noch bei Fitch ein Rating, dass das Land dem Investment Grade der relativ soliden Schuldner zuordnet. Manche institutionellen Investoren dürfen Anleihen geringerer Qualität nicht halten. Außerdem droht Griechenland, dass seine Anleihen aus wichtigen Kursindizes gestrichen wird. Die Citigroup kündigte einen solchen Schritt an. "Griechenland erfüllt nun weder bei S&P noch bei Moody's das minimale Kredit-Kriterium von ,BBB-/Baa3' für den World Government Bond Index (WGBI)", heißt es in einer Mitteilung der Bank. Sollten die Ratings bis zum 24. Juni weiter die Mindestanforderungen für eine Investition nicht erfüllen, werde Griechenland zum Ende des Monats aus dem Index genommen. Insbesondere Spezialfonds und Indexfonds, die sich am WGBI orientieren, wären spätestens dann zum Verkauf gezwungen. Der Wert der betroffenen Anlagen, die nach der Herabstufung für Umschichtungen in Frage kommen, wird auf etwa 10 Milliarden Euro geschätzt.

          Bei den meisten Publikumsfonds, die an Privatanleger verkauft werden, sind die Entscheidungsspielräume größer. So gilt bei der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS der Grundsatz, dass in solchen Fällen die Position im Sinne des Investors allmählich reduziert wird. Die Herabstufung des griechischen Ratings sei nicht überraschend gewesen, erläutert Johannes Müller, Anleihefachmann der DWS. Die Investoren hätten Wochen gehabt, um sich darauf vorzubereiten.

          Verkaufsdruck auf dem Anleihemarkt

          Vorbereitet hat sich auch die Europäische Zentralbank. Eigentlich akzeptiert sie bei ihren Leihegeschäften mit den Banken Staatsanleihen nur, wenn diese mindestens die Note "A-" tragen. Diese Regel wurde in der Finanzkrise zunächst aufgeweicht und inzwischen für griechische Anleihen gänzlich gestrichen. Die Banken des Euro-Raums können sie - im Unterschied zu Anleihen aller anderen Länder - inzwischen unabhängig vom Rating beleihen.

          Gleichwohl verstärkte die Herabstufung am Dienstag den Verkaufsdruck auf dem Anleihemarkt. Trotz der Käufe durch die EZB fielen die Kurse griechischer Anleihen je nach Laufzeit um 1 bis 4 Prozent. Die EZB, die den Markt auf der Käuferseite dominiert, zahlte für eine zehnjährige Anleihe rund 80 Cent je Euro Nennwert. Im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen erhöhte sich die Risikoprämie um einen halben auf mehr als 8 Prozentpunkte. Auch irische und spanische Titel waren von der Verunsicherung betroffen. Die Renditen für zehnjährige portugiesische Titel erhöhten sich um 0,2 auf 5,4 und für irische um 0,2 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent.

          Spanien gelang am Dienstag die Plazierung von kurzlaufenden Schuldtiteln im Wert von 5 Milliarden Euro. Die Nachfrage überstieg das Angebot um eine Mehrfaches. Allerdings bot das Finanzministerium im Vergleich zum Mai deutlich höhere Zinsen. Irland gelang die Aufstockung einer älteren Anleihe.

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